LOGIN

Registrierung

  • Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

    Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

    Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Registrierung

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt. Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Kultur

Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

eingeloggt als
Ausloggen


Mein Kommentar

  • Bitte beachten Sie unseren Community-Leitfaden.

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

Ausstellung 

6.6.2012, 18:56 Uhr

Schwebezustand in der Ecke

6.6.2012, 18:56 Uhr

Im Museum Tinguely eröffnet heute Mittwoch eine umfassende Werkschau des russischen Künstlers Vladimir Tatlin. Die Ausstellung «Vladimir Tatlin – neue Kunst für eine neue Welt» zeigt, warum Tatlin zu den grossen Künstlern des 20. Jahrhunderts gezählt werden darf. Von

Das Œuvre des russisches Künstlers Vladimir Tatlin wird im Museum Tinguely gut über- und anschaubar präsentiert. Dem Gastkurator Gian Caspar Bott ist es gelungen, eine grosse Anzahl von Werken des Künstlers, darunter Originale, Rekonstruktionen und einige Replikate nach Basel zu holen und die Räume des Museum Tinguely zurückhaltend, aber effektvoll zu bespielen.

Es sei nicht einfach gewesen, Werke aus der staatlichen Tretjakov-Galerie in Moskau oder dem Staatlichen Russischen Museum in St. Petersburg zu bekommen, so etwa das einzig erhaltene, originale Eck-Konterrelief Tatlins, erklärt Bott. Und mehrere Reisen nach Russland seien nötig gewesen, bis man das ihm vorschwebende, umfassende Bild des revolutionären Künstler zeichnen konnte.

Malerische Welt aus den Angeln gehoben

Die Materialien, die Tatlin verarbeitet, sind vielseitig: für sein Turm-Modell der III. Internationale und seinen Flugapparat, den «Letalin», fertigte er dreidimensionale, skulpturale Konstruktionen aus Eisen und Holz an, mit einem präzisen Sinn für das Technische und für komplizierte Bewegungsabläufe. Tatlin widmete sich auch der Malerei auf Leinwand. Und deren jahrtausendalte Regeln hob er aus den Angeln: In seinen Konterreliefs überwanden die von der Malerei ausgehenden Formen die Fläche, an die sie sonst gebunden und auf die sie gebannt waren. Die Malerei war nicht mehr «nur» perspektivischer «Schein», der das Auge des Betrachters täuscht, virtuell in die Tiefe lenkt und gleichsam fasziniert, sondern die Konterreliefs sind dreidimensional im Raum wahrnehmbar. 1920 sagte Tatlin: «Wir glauben nicht mehr an das Auge, wir stellen das Auge unter die Kontrolle des Tastsinns».

Auch, dass man damals Zeit die Reliefs wohl berühren durfte (was heute nicht mehr denkbar wäre!) und – je nach Konstruktion – an Seilen bewegen konnte, zeigt das moderne Kunstverständnis Tatlins. Denn mit der Möglichkeit der Bewegung besitzt das Konterrelief neben seiner Dreidimensionalität auch ein aktionales Moment: Es befindet sich in einem Schwebezustand voller Spannung, dehnt sich in einer Ecke des ersten Saales in den Raum aus.

In diesem seltsamen Schwebezustand rückt es in die Nähe von Picassos Skulpturen, wo der Maler zum Bildhauer wird. Bekannt ist, dass Tatlin Picasso bewundert hat und sich sogar in Paris als sein Assistent anerboten hatte. Mit der Raumthematik, dem Interesse für Bewegung und für die Erfahrung von Zeit befindet sich Tatlin in guter Gesellschaft: Die fragileren Mobiles des amerikanischen Künstlers Alexander Calder, dem in der Fondation Beyeler zur Zeit ein eigener Raum, die «Calder Gallery», gewidmet ist, kommen einem ebenso in den Sinn. Diese scheinbaren Referenzen und assoziativen Verknüpfungen machen die Relevanz von Tatlins Schaffen klar, der die europäische Avantgarde um Picasso und Matisse um eine russische Position erweiterte.

Das Auge agiert unter der Kontrolle des Tastsinns

Den Konterreliefs ist im Museum Tinguely dann auch ein eigener Raum gewidmet. Viele sind lediglich als Replikate vorhanden oder abfotografiert als auratisches, gespenstisches Original für die Ewigkeit konserviert. Als Replikate greifen sie in den Raum ein – die einen nur zaghaft, andere eher grob – und formulieren mit ihrer wiederholten, rekonstruierten Existenz die ganz grossen Fragen der Kunstgeschichte: Nämlich die nach der Authentizität eines Kunstwerks, nach der Relevanz seiner realen Existenz und seiner damit verbundenen Wirkungsgeschichte. Dem Betrachter bietet sich damit die Möglichkeit zu verstehen, was sich Tatlin unter seiner «Malerei», als die er die Konterreliefs verstand, vorstellte.

Von einer visuellen Allansichtigkeit sind Tatlins Werke. Und obwohl mit einer schlagenden Aktualität ausgestattet und vom unerschrockenen Utopismus der damaligen Zeit beseelt, bleibt Tatlins revolutionäres Œuvre tief verwurzelt in der Tradition. Dazu passt, das Tatlin in jungen Jahren sich für Volkskunst interessierte und sich mit der sakralen Kunst der russischen Ikonenmalerei beschäftigte. Das Turm-Modell für die III. Internationale, das man in der Ausstellung als zwei Rekonstruktionen bewundern kann und der Flugapparat «Letatlin», der den Besucher empfängt, werden mit der Erweiterung des Blickfelds auf die anderen Arbeiten  mit einer kaum fassbaren Poetizität aufgeladen. Diese gipfelt im Untergeschoss des Museum Tinguely, wo Tatlins Arbeiten für das Theater zu sehen sind. Eine weitere, bemerkenswerte Facette des russischen Künstlers, die es sich anzuschauen lohnt.

  • Die Ausstellung «Vladimir Tatlin – neue Kunst für eine neue Welt» im Museum Tinguely dauert noch bis zum 14. Oktober 2012.
Gute Arbeit! Teilen und mehr lesen.

Teilen und weiterleiten

Mehr zum Thema

Kunst, Museen

Die Geschichten des Tages

Abonnieren Sie unseren Newsletter. Die Geschichten des Tages, jeweils um 17 Uhr bequem und kostenlos per Mail geliefert.

Verwandte Artikel

Kunst: Der ewige Traum vom Fliegen Weiterlesen

Tageswoche honorieren

Alternativen:

Postfinance, Paypal, Flattr

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

Kommentieren

Informationen zum Artikel

6.6.2012, 18:56 Uhr

Schwebezustand in der Ecke

Text

Text:

  • 27.03.2013 um 14:52
    Wochenendlich in Istanbul

    Ob kulturell oder kulinarisch: Die Stadt am Bosporus bietet überraschende Erlebnisse für alle Sinne.

  • 16.07.2012 um 09:56
    «Ich will leben, was ich liebe»

    Ihr Hit «Je Veux» hat Isabelle Geffroy, alias ZAZ, zum neuen Chanson-Star gemacht. Im Interview erzählt die Französin von ihren Wurzeln und was sie sich von der Zukunft wünscht.

  • 15.06.2012 um 00:01
    Wochenstopp: In Love with Barbarella

    Die Space-Heldin landet im Grossbasel und verführt mit vollem Körpereinsatz und kurzweiliger Unterhaltung.

  • 11.02.2012 um 13:39
    Zum Artikel: Die Brillanz der Bialetti

    Lieber Herr Freivogel ich habe ja nicht geschrieben, man bekomme einen Espresso wie aus der Kolbenmaschine. Sondern eben einen stärkeren Kaffee (mit höherem Koffeingehalt) als aus einer Espressomaschine. Viele Leute schliessen von «Moka-Express» auf «E...

Aktuell

Adrian Elsener: Pflegen den Schweizer Minderwertigkeitskomplex: Stahlberger.

Stahlberger 

Lachen, wenn man «im Saich hockt»

Am 17. April präsentiert die Mundart-Band Stahlberger ihr neues Album in der Basler Kuppel. Ein Name, den man sich merken sollte, wie die Plattentaufe in St. Gallen zeigte: Ein Abend voller Geschichten, offener Vokale und mit einem Weltuntergang.Von Timo Posselt. Weiterlesen