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TagesWoche

Tages Woche

Mo, 20.05.2013

Kultwerk 

1.6.2012, 00:01 Uhr

Kultwerk #32: Ziggy Stardust

1.6.2012, 00:01 Uhr

Vor 40 Jahren schlüpfte David Bowie in die Rolle eines fiktiven Rockstars und hob dramatisch ab. Grossartig. Von Marc Krebs

Albumcover: Ein Ausserirdischer in London: David Bowie als Ziggy Stardust.

Ein Ausserirdischer in London: David Bowie als Ziggy Stardust. (Bild: Albumcover)

Dieses Album hob Grenzen auf. Die Grenzen zwischen Mädchen und Jungs, zwischen irdischem Rock und extraterrestrischen Fantasien, zwischen Vergangenheit und Zukunft. Die mutigsten Jungs schlüpften in Plateauschuhe und schmückten sich mit Lidstrichen, Mädchen färbten ihre Haare rüeblirot. Und im fernen Jamaika rief Bob Marley einen seiner Söhne fortan Ziggy. Alles wegen dieser Kunstfigur, die sich der britische Musiker David Bowie ausgedacht und damit die Rockmusik um ein grosses Stück Mode und Theatralik ­erweitert hatte. Glamrock nannten Journalisten das schillernde Phänomen, mit dem androgyne Performer wie Bowie oder Bolan (T. Rex) für Farbtupfer sorgten. Mit griffigen Gitarrensongs, pumpenden Rhythmen und schwelgerischen Balladen liessen sie die welke Hippie-Ära hinter sich und führten den Rock zu neuer Blüte.

Bowie hatte zuvor schon aufhorchen lassen, mit grossartigen Liedern wie «Space Oddity», «Life on Mars?» oder «Changes». Doch fehlte dem 25-Jährigen noch immer der ganz grosse Coup: das Hitalbum. Mit «The Rise And Fall Of Ziggy Stardust And The Spiders From Mars» suchte er diesen Erfolg. Stark beeindruckt von Stanley Kubricks Filmen «2001» und «A Clockwork Orange» und von George Steiners Neudefinition einer «Post-Kultur» kreierte er ein Alter Ego, den Rockmusiker Ziggy Stardust, der in kosmische Welten eintaucht, zum Superstar aufsteigt, sich selbst völlig verliert und schliesslich abstürzt: «Time takes a cigarette, puts it in your mouth. You pull on your finger, then another finger, then the cigarette» kündigt Bowie am Ende den «Rock ’n’ Roll Suicide» an. Pop-Poesie auf höchstem Niveau.

Glamrock war drei Jahre später schon wieder passé, Bowies Hymnen aber blieben für die Ewigkeit: «Five Years», «Starman», «Lady Stardust», «Moonage Daydream», «Ziggy Stardust», «Suffragette City» – mitreissende Songs, hinreissend veredelt von der Begleitband «Spiders from Mars». «Mit ihnen fand ich zu einer der symbiotischsten Strukturen in meiner gesamten Karriere», sagte Bowie 2002. Besonders kongenial: ­Gitarrist Mick Ronson. Trotz des Welterfolgs entliess Bowie 1973 seine drei Mitmusiker und nahm seiner Kunstfigur das Leben: «Ziggy Stardust» musste auf der Bühne sterben und einer neuen Figur weichen.

Schon vor dem 40-Jahr-Jubiläum liess ihn die ­britische Post noch einmal hochleben: Sie widmete «Ziggy Stardust» eine Briefmarke – und drückte ihm so den Stempel eines royalen Klassikers auf. Die Krönung, quasi.

Das gesamte Album können Sie sich hier anhören!

Dreamteam: David Bowie und Gitarrist Mick Ronson.

Dreamteam: David Bowie und Gitarrist Mick Ronson.

MICK RONSON:
Als Mick Ronson 1993 an Leberkrebs starb, war er in Vergessenheit geraten. Tragisch. Unverdient auch, hat der Brite doch nicht nur zeitlos grosse Gitarrenriffs und -chöre eingespielt, sondern Bowie auch bei den Arrangements unterstützt. Nach fünf Alben trennten sich ihre Wege 1973; fortan ­arbeitete er u.a. für Bob Dylan und Ian Hunter. Wam, Bam, Thank you Man!

 

 

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

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Informationen zum Artikel

1.6.2012, 00:01 Uhr

Kultwerk #32: Ziggy Stardust

Text

Text:

  • 10.05.2013 um 11:35
    Wir Heuchler!

    Immer wenn bekannt wird, dass ein Geschäft wie der Buchladen Nasobem zumacht, sterben wir einen kleinen Tod. Und merken dann, wie inkonsequent unser Leben geworden ist.

  • 07.05.2013 um 12:26
    Im August lockt das Open Air Basel

    Neuer Name, neue Struktur: Aus dem Gratisfestival Viva Con Agua Kaserne Basel wird das Open Air Basel. Dieses wird von einem Verein getragen und kostet neu Eintritt.

  • 02.05.2013 um 15:15
    Das Theater Roxy steht vor Veränderungen

    Sven Heier tritt im Herbst die Nachfolge von Christoph Meury in Birsfelden an. Dafür hat der Hannoveraner ein neues Team verpflichtet.

  • 10.05.2013 um 17:23
    Wir und ihr
    Zum Artikel: Wir Heuchler!

    Liebe Leser, die ihr euch an unserem «Wir» aufreibt. Hätten wir mit dem Finger auf andere zeigen sollen? Das wäre allzu selbstgerecht. Wir sind in diesem Fall Philipp Loser und ich und – ganz offensichtlich anhand vieler Reaktionen auf allen Kanälen – ...

  • 10.05.2013 um 12:56
    Was das Atlantis…
    Zum Artikel: Wir Heuchler!

    … betrifft, so erfolgte der Kurswechsel damals nach einem Besitzerwechsel. Der Livebetrieb rentierte einfach nicht mehr. Alle bedauerten, dass es keine Konzerte mehr gab. Aber es ging doch auch kaum noch wer hin. Grund für den Publikumsschwund war eine...

  • 10.05.2013 um 10:22
    Besten Dank…
    Zum Artikel: 7 Hollandse pop juweeltjes

    … für die Ergänzungen! Vader Abraham war ein Überflieger, aber ich wollte unsere holländischen Freunde nicht brüskieren und nur Trash auflisten. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich Mouth & McNeal nicht kannte (und auch noch nie gehör...

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