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TagesWoche

Tages Woche

Do, 23.05.2013

Ausstellung 

13.3.2012, 16:32 Uhr

Der zweifelhafte Ruhm der Raumfähren

13.3.2012, 16:32 Uhr

Ralo Mayer hinterfragt in seiner Ausstellung im Kunsthaus Baselland, was den Menschen dazu treibt, zum Mond zu fliegen. Ist es dieselbe Motivation, die ihn dazu verleitete, andere Völker zu kolonialisieren – die Gier nach Macht? Vielleicht wird das Thema deshalb im US-Wahlkampf wieder aktuell. Von Karen N. Gerig

zVg: Gefangen im Fortschrittsglauben: Ansicht von Ralo Mayers Ausstellung im Kunsthaus Baselland.

Gefangen im Fortschrittsglauben: Ansicht von Ralo Mayers Ausstellung im Kunsthaus Baselland. (Bild: zVg)

Kein Jahr ist es her, da endete in den USA die Ära der bemannten Raumfahrt: Nach 30 Jahren startete am 8. Juli 2011 zum letzten Mal ein Space Shuttle. Die amerikanischen Gemüter erhitzten sich am Fakt, dass künftig, wer ins All reisen will, ein Ticket bei den Russen lösen muss. Und so überrascht es kaum, dass im anlaufenden Wahlkampf die Raumfahrt plötzlich wieder zum Thema wird. Er wolle eine permanente US-Basis auf dem Mond stationieren, warf der Republikaner bei einer TV-Debatte in Florida seinem Gegner Mitt Romney ins Gesicht. Dies sei eine «vielleicht grosse, aber keine gute Idee», war Romneys Entgegnung.

In der Tat haben die Space Shuttles den USA nicht nur Ruhm eingebracht. Ralo Mayer, österreichischer Künstler mit einem Faible für Wissenschaft, präsentiert im Kunsthaus Baselland aktuell die beiden Tiefpunkte des Programms: Die Explosionen der «Challenger» kurz nach ihrem Start 1986 und der «Columbia» beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre im Jahr 2003.

Komplexe Maschine

Aus 2,5 Millionen Einzelteilen soll ein Space Shuttle bestanden haben. Anhand dieser «komplexesten Maschine aller Zeiten» führt Mayer in seiner Ausstellung Kunst, Wissenschaft und Kulturkritik zusammen. Das Resultat ist nicht ganz so komplex wie eine Raumfähre, aber doch äusserst vielschichtig. Schon der dreistufige Titel tönt es an: «Obviously a major malfunction / KAGO KAGO KAGO BE / Woran glauben die Motten, wenn sie zu den Lichtern streben».

Beginnen wir mit der Entschlüsselung: «Obviously a major malfunction» bezieht sich auf einen Kommentar des NASA-Offiziers Steve Nesbitt anlässlich der «Challenger»-Katastrophe – ein inzwischen legendär gewordener Ausspruch, der die Hilflosigkeit angesichts solcher Unfälle spiegelt. «Kago» stammt aus dem neo-melanesischen Tok Pisin, einer heute in Melanesien weit verbreiteten, gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Umfeld von Kolonialverwaltungs- und Missionsstationen entstandenen Sprache. «Kago» bezeichnet analog dem englischen Begriff «Cargo» industrielle produzierte westliche Güter, in denen sich aus melanesischer Sicht die geheimnisvoll wirkende Macht der Weissen materialisierte. Aus ihm entwickelte sich auf den pazifischen Inseln zu Zeiten der europäischen Kolonialisierung der sogenannte «Cargo-Kult». «Be» ist die lautmalerische Übersetzung des englischen «Bay», was Bucht bedeutet und den Ort bezeichnet, an dem europäische Flugzeuge ihre Fracht abwarfen.

Mayer spinnt in seiner Ausstellung, die viele Objekte, Bilder und Texte vereint, einen Link zwischen der europäischen Kolonialisierung der Pazifikinseln und dem US-Raumfahrtprogramm. Was weit hergeholt klingt, ist es bei näherer Betrachtung gar nicht: Schliesslich war das Space Shuttle ein von der NASA produzierter Raumfährentyp mit Ladebucht, mit dem die USA die Kolonialisierung des Weltraums einläuten wollten.

Technikglauben

Während die Inselbewohner einen religiösen Kult entwickelten, verfiel der westliche Mensch dem Technikglauben. Davon ausgehend bedeutet «Cargo» bei Mayer sowohl die reale Ladung der Flugzeuge und Space Shuttles, als auch die Trümmer der zerstörten «Columbia», die ebenso vom Himmel auf die Erde fielen. Ein blond gelockter Junge stellt in einem vom Künstler produzierten Video die Verbindung in folgenden, einfachen Worten her: «Auf den Dächern hängt Cargo, in den Bäumen hängt Cargo. Cargo hat Krater geschlagen. Ganz Texas hat Cargo bekommen.»

Mayers Interesse aber führt über die einzelnen Ereignisse hinaus. Er fragt sich, was zwischen den beiden Abstürzen passierte, was die Menschheit fasziniert, wie sie Krisen meistert. Und schliesslich auch, woran sie glaubt. Warum streben wir ins Weltall? Was versprechen wir uns davon? Woran glauben die Motten, wenn sie zu den Lichtern streben?

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

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Informationen zum Artikel

13.3.2012, 16:32 Uhr

Der zweifelhafte Ruhm der Raumfähren

Text

Text:

  • 17.05.2013 um 14:06
    Bilder gehen wohl doch auf Wanderschaft

    Teile der Sammlung sollen während der Schliessung des Kunstmuseums nun eventuell doch im Ausland zu sehen sein. An einer Medienkonferenz wurde am Freitag sonst vor allem erklärt, aber wenig Neues bekannt gegeben.

  • 08.05.2013 um 16:57
    Immer noch voller Pläne

    Seit 20 Jahren führt Tony Wuethrich seine Galerie an der Vogesenstrasse. Ein Grund zum Feiern.

  • 08.05.2013 um 10:44
    Das Kunstmuseum macht ein Jahr Pause

    Das Kunstmuseum Basel muss wegen Sanierungsarbeiten ab Februar 2015 für ein Jahr seine Türen schliessen. Gemeinsam mit dem Erweiterungsbau soll der aufgefrischte Altbau im März 2016 wiedereröffnet werden.

  • 07.05.2013 um 16:08
    Comixshop
    Zum Artikel: Basler Kult.kino Atelier will expandieren

    Liebe Frau Suess, wie mir gerade offiziell bestätigt wurde: Der Comixshop wird sicher in der Thaterpassage verbleiben – dies auf ausdrücklichen Wunsch der kult.kino-Leute, die dessen Nachbarschaft sehr schätzen, wie Suzanne Schweizer mir soeben versich...

  • 26.01.2013 um 20:14
    Fotostrecke
    Zum Artikel: Ein Auftakt nach Mass

    Lieber Kulturbetrachter, tatsächlich haben wir ansonsten noch keine Klagen erhalten, und bei uns funktionieren die Fotostrecken auch von ausserhalb. Ich leite das Problem aber gerne trotzdem mal an unsere Techniker weiter. Schönen Wochenendrest, Karen ...

  • 23.12.2012 um 14:06
    Heieiei....
    Zum Artikel: 7 Weihnachtsfilme für Stubenhocker

    Lieber Herr Wilhelm, Sie haben recht. Zwar haben wir Edward gefunden, als wir anfingen, die Liste zu erstellen - doch jetzt kommt der Film im Programm tatsächlich nicht mehr vor. Äusserst schade, finde ich. Wir haben den Tipp nun ausgetauscht gegen ein...

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