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TagesWoche

Tages Woche

So, 26.05.2013

Kommentar 

9.3.2012, 22:23 Uhr

Abstimmungen sind kein Spiel

9.3.2012, 22:23 Uhr

Wer den SP-Landrat Jürg Degen zum Buhmann macht, weil er bei der Wiederholung der Sparvorlage für den öffentlichen Verkehr versehentlich den falschen Knopf gedrückt hatte, hat nicht verstanden, wo das eigentliche Problem liegt. Ein Kommentar von Matieu Klee

Matieu Klee: Protest der Steiner-Schulen gegen die Sparübung vor dem Landratsgebäude (Archiv).

Protest der Steiner-Schulen gegen die Sparübung vor dem Landratsgebäude (Archiv). (Bild: Matieu Klee)

matieu klee Matieu Klee

SP-Landrat Jürg Degen wird zur tragischen Figur der Spardebatte, weil er an der Sitzung vom 8. März bei der Wiederholung einer Abstimmung versehentlich den falschen Knopf gedrückt hatte, wie das Regionaljournal nach der Debatte meldete. Ausgerechnet Degen, der sich immer für den öffentlichen Verkehr stark gemacht hatte. Er sei durch die technische Diskussion abgelenkt worden und habe schliesslich den grünen statt den roten Knopf gedrückt, erklärt er gegenüber «Online Reports». Verheerende Folge: Der Landrat stimmte der Kürzung von 1,7 Millionen Franken an das «Läufelfingerli» und verschiedene Postautokurse zu – mit einer einzigen Stimme Unterschied. Die Wiederholung der Abstimmung verlangt hatte die SVP, weil SVP-Landrat Georges Thüring angeblich per Knopfdruck für die Sparvorlage gestimmt, das System seine Stimme aber nicht registriert habe.

Doch, wer jetzt mit dem Finger auf Degen zeigt, über ihn lacht, ihn gar zum Buhmann macht, hat nicht verstanden, wo das eigentliche Problem liegt. Denn wirklich erstaunlich war, dass in der Hektik der Abstimmungswiederholung nicht noch mehr Parlamentarier falsch abgestimmt haben. Nachdem die SVP reklamiert hatte, die Stimme einer ihrer Mandatsträger sei nicht registriert worden, schienen viele Landräte verunsichert: Darf man eine solch wichtige Abstimmung tatsächlich wiederholen, weil man im Zweifel dem SVP-Landrat glaubt, der behauptet, den Abstimmungsknopf gedrückt zu haben? Dies aber erst, nachdem andere ihn darauf aufmerksam gemacht hatten.

Es ist zwingend nötig, dass der Landrat jetzt klare Regeln für eine Wiederholung einer Abstimmung festlegt. Ansonsten droht, dass bei jeder knappen Abstimmung wichtiger Vorlagen eine unterlegene Partei verlangt, diese sei zu wiederholen. Gerade bei Geschäften mit solcher Tragweite wie das Sparpaket darf eine Schluss-Abstimmung nicht wiederholt werden. Mit einer einzigen, klar definierten Ausnahme: Jeder Parlamentarier muss selbst dafür verantwortlich sein, dass seine Stimme vom System erfasst wird, genauso wie er im entscheidenden Moment auch im Saal sein muss. Er kann dann auf dem Monitor jederzeit kontrollieren, ob das System seine Stimme erfasst hat. Sollte dieses tatsächlich einmal einen Knopfdruck nicht registrieren, muss der Betroffene persönlich und unmittelbar reklamieren. Es geht nicht an, dass ihn wie im Fall von George Thüring ein Parteikollege darauf aufmerksam machen muss und der Fraktionssprecher dann einige Zeit später moniert, eine Stimme sei nicht erfasst worden. Ansonsten droht sich die tragische Geschichte des SP-Landrats Jürg Degen zu wiederholen, einfach mit einem anderen Protagonisten in der Hauptrolle.

  1. Abstimmungen sind kein Spiel

    von Walter Schumacher am 10.03.2012 um 10:05Uhr

    Wenn ein Autofahrer auf eine Kreuzung von der Sonne geblendet wird und bei rot die Kreuzung passiert, gibt er seinen Führerausweis ab und steigt um auf den öV. Wenn ein Politiker den falschen Knopf erwischt, kann er in diesem Fall nicht mehr auf den öV umsteigen weil er nur noch ausgedünnt verfügbar ist. - Ich freue mich aud die Abstimmung an der Urne!
    Direktlink zum Kommentar

  1. Abstimmungen sind kein Spiel

    von Walter Schumacher um 10.03.2012 um 10:05Uhr

    Wenn ein Autofahrer auf eine Kreuzung von der Sonne geblendet wird und bei rot die Kreuzung passiert, gibt er seinen Führerausweis ab und steigt um auf den öV. Wenn ein Politiker den falschen Knopf erwischt, kann er in diesem Fall nicht mehr auf den öV umsteigen weil er nur noch ausgedünnt verfügbar ist. - Ich freue mich aud die Abstimmung an der Urne!
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  2. Falsch gedrückt, Herr Degen.........

    von Werner Gysin um 10.03.2012 um 11:13Uhr

    ......versuchen sie es doch das nächste Mal mit Würfeln, wer auch in der Hektik des Parlamentsgeschehens keine Uebersicht zum Ablauf hat, der sollte sich überlegen, ob er da am rechten Platz sitzt?
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  3. mehr als peinlich

    von Fredy Born um 10.03.2012 um 19:36Uhr

    Bei allem Verständnis, aber in so einem wichtigen Moment wo es auf 1 Stimme ankamm, den falschen Knopf zu drücken, das gibt mir schon zu denken. Ein Landrat sollte nun schon wissen, welchen Knopf er zu drücken hat. Sollte das die Fähigkeiten einzelner Landräte übersteigen, dann bitte elektronische Anlage rausreissen und bei Abstimmungen mit Handerheben abstimmen. Ich gehe davon aus, dass auch der letzte Landrat weiss, wie man die Hand erhebt.
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Informationen zum Artikel

9.3.2012, 22:23 Uhr

Abstimmungen sind kein Spiel

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Text:

  • 24.05.2013 um 11:20
    Jetzt scheint die Sonne auch über Sissach

    Vor einem Jahr berichtete die TagesWoche über den gescheiterten Kampf um eine grosse Solarstromanlage in Sissach. Dann vollzog die Elektra Sissach überraschend eine Kehrtwende. Heute Freitag nimmt Bauer Daniel Wiedmer die 230 000 Franken teure Anlage in Betrieb.

  • 22.05.2013 um 16:57
    Jagd auf Abfallsünder

    Nach Pfingsten machte das Amt für Umwelt und Energie mit der Stadtreinigung Jagd auf Abfallsünder, die trotz Feiertag ihren Abfallsack für die Kehrichtabfuhr bereitgestellt hatten. Knapp ein Viertel der Sünder konnte überführt werden.

  • 16.05.2013 um 15:33
    «In der Schweiz gibt es viele Anti-Sozialpartner»

    Daniel Lampart, Chefökonom des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, erklärt im Interview, weshalb es so dringend einen Mindestlohn braucht.

  • 22.04.2013 um 16:36
    @Automatismus
    Zum Artikel: Mitte-Links tritt mit ehemaligem EVP-Landrat Thomi Jourdan an

    Danke für den Hinweis. Wir hätten gerne von Anfang an ein hochaufgelöstes Bild des Kandidaten gezeigt. Bis jetzt ist aber keines verfügbar.

  • 18.04.2013 um 22:21
    @Nestbeschmutzung?
    Zum Artikel: An der Baselworld wimmelt es von Scheinselbständigen

    Lieber Herr Hochhuth Vielen Dank für Ihren bissig ironischen und treffenden Kommentar. Ich könnte jetzt ernsthaft antworten: Ich sehe meine Aufgabe nicht darin, den Mächtigen zu gefallen. Ich möchte vielmehr möglichst aufdecken, was tatsächlich gespie...

  • 13.03.2013 um 09:39
    @Jacqueline Landmann
    Zum Artikel: Erstes Shoppingcenter in der Kantonshauptstadt

    Sie haben natürlich Recht. Stadtratspräsident Lukas Ott lobte ausdrücklich auch das Archtekturbüro. Es ist das Basler Büro Buchner Bründler.

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