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Kultwerk 

2.3.2012, 00:01 Uhr

Kultwerk #19: Der Lauf der Dinge

2.3.2012, 00:01 Uhr

Die berühmteste Kettenreaktion der Welt, gefilmt vom Künstlerduo Fischli/Weiss, wird 25 Jahre alt. Von

Peter Fischli, David Weiss; Filmstill; Kamera: Pio Corradi; Courtesy Fischli/Weiss; Galerie Eva Presenhuber, Zürich; © die Künstler: Alles muss rollen, nichts darf stehen bleiben, «Der Lauf der Dinge» muss weitergehen.

Alles muss rollen, nichts darf stehen bleiben, «Der Lauf der Dinge» muss weitergehen. (Bild: Peter Fischli, David Weiss; Filmstill; Kamera: Pio Corradi; Courtesy Fischli/Weiss; Galerie Eva Presenhuber, Zürich; © die Künstler)

Das Zürcher Künstlerduo Peter Fischli (*1952) und David Weiss (*1946) arbeitet seit 1979 zusammen. Die beiden zählen zu den renommiertesten Gegenwartskünstlern der Schweiz und haben diese schon mehrfach an der Biennale in Venedig vertreten. Ihre Arbeiten sind oftmals geprägt von Ironie und Humor und bedienen sich zur Klärung philosophischer und theoretischer Fragen der unterschiedlichsten Medien.

Alles beginnt mit einem vollen, schwarzen Kehrichtsack. Aufgehängt an einer Schnur dreht und senkt er sich, bis er einen am Boden stehenden Autoreifen in Bewegung setzt. Was folgt, ist die wohl berühmteste Kettenreaktion der Welt.

Wir schrieben das Jahr 1987, als das Zürcher Künstlerduo Peter Fischli und David Weiss durch diesen 30-minütigen Film an der documenta 8 schlagartig berühmt wurde. «Der Lauf der Dinge» bleibt bis heute ihr populärstes Werk. Gefilmt wurde mit einer Handkamera in einer Lagerhalle. Dort wurde aus unterschiedlichen Gegenständen und Materialien eine 20 bis 30 Meter lange Bahn aufgebaut, eine Art Rube-Goldberg-Maschine, im Deutschen auch bekannt als Was-passiert-dann-Maschine.
In der Tat ist «Was kommt als Nächstes?» die Frage, die den Zuschauer bei diesem Film am meisten umtreibt. Autoreifen rollen über Rampen, Flaschen füllen und entleeren sich, Schaum bildet sich und breitet sich aus, Flüssigkeiten entzünden sich. Der Film spielt mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, nur um sie hie und da zu brechen. Da gibt es diese eine Stelle, da zündet an einem Reifen ein kleines Raketchen, der Reifen rollt vor, aber nicht weit genug. Schon denkt man, die Kettenreaktion wäre unterbrochen, da zündet doch noch ein zweites Raketchen, und weiter gehts. Manchmal sind es auch nur sprühende Funken, die zwei Meter weiter eine Lache entzündlicher Flüssigkeit entfachen.

Alles ist bis aufs kleinste Detail aus­tariert; Flecken auf dem Boden zeugen ­davon, dass nicht alles im ersten Anlauf klappte. Auch gibt es im Film ein paar Schnitte, bei denen unklar bleibt, ob sie nur der Straffung der Handlung dienen oder unterschiedliche Anläufe aneinanderketten.

Schnelle und langsame, fast beschauliche Momente, in denen das Auge kurz ruhen kann, wechseln sich im Film ab. Wir beobachten ein Kräftemessen der Gegenstände, das künstlerisch ausformulierte Prinzip von Ursache und Wirkung. Vieles ist Mechanik, anderes ist Chemie. Es zischt und knallt und kracht und rauscht und pfeift und plätschert und klirrt. Und zeitweise ist es einfach still. Der Film verzichtet auf jeglichen zusätzlichen Sound, ganz im Gegenteil zu einem Musik­video der US-Band OK Go, das vom Fischli/Weiss-Film inspiriert zu sein scheint, dessen einzelne Aktionen aber im Takt des Songs «This too shall pass» passieren müssen.

«Der Lauf der Dinge» ist eines von wenigen Beispielen der Medienkunst, das auch dank YouTube bekannt sein dürfte. Zudem handelt es sich wahrscheinlich um den meistvertriebenen Künstlerfilm. Schliesslich gibt es das Werk schon längst in fast jedem Museumsshop auf DVD zu kaufen.

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