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Energie 

3.2.2012, 00:01 Uhr

Warum es neue Energiequellen braucht

3.2.2012, 00:01 Uhr

Obwohl es Öl in Hülle und Fülle gibt und geben wird, braucht es neue Energiequellen. Von Philipp Löpfe

Raffinerie und Pipelines in Kuwait – längst ist die Welt nicht mehr von arabischen Ölfeldern allein abhängig.

Raffinerie und Pipelines in Kuwait – längst ist die Welt nicht mehr von arabischen Ölfeldern allein abhängig.(Bild: Foto: Stuart Franklin/Magnum)

Daniel Yergin war Ökonomieprofessor an der Harvard University. Heute leitet er ein privates Energie-Beratungsbüro. Er gehört weltweit zu den führenden Energieexperten. Sein monumentales Buch «The Prize» schildert die Entwicklung der Erdölindustrie der letzten 150 Jahre. Es wurde in den 1990er-Jahren veröffentlicht und mit Auszeichnungen überschüttet. Jetzt hat Yergin eine Art Fortsetzung geschrieben, «The Quest». Es handelt sich dabei um eine Auslegeordnung der Energiefragen, die uns in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen werden.

Gefahr für Weltwirtschaft

Erdöl ist nach wie vor ein ganz spezieller Saft. Das Schicksal der Weltwirtschaft hängt nach wie vor am Öltropf. Aktuell droht Iran mit der Blockierung der Strasse von Hormus. Es ist mehr als eine leere Drohung. Durch diese Meerenge wird täglich rund ein Fünftel des gesamten Ölbedarfs geschifft. Eine erfolgreiche Blockade würde den Ölpreis über Nacht um etwa 50 Dollar pro Fass verteuern, denn der Erdölpreis reagiert auf die geringste Veränderung bei Angebot oder Nachfrage sehr heftig. Eine Erhöhung des Ölpreises um fast die Hälfte könnte die bereits angeschlagene Weltwirtschaft nicht verkraften.

Das Beispiel der Drohung einer Blockade der Strasse von Hormus ist typisch für die Lage auf dem Erdölmarkt. Es sind primär politische und Sicherheitsprobleme, die die Versorgung gefährden. Die Angst, dass es bald kein Öl mehr geben wird, ist hingegen unbegründet. «Seit den Anfängen der Industrie im 19.  Jahrhundert sind bisher rund eine Billion Fass Erdöl gefördert worden», stellt Yergin fest. «Derzeit wird geschätzt, dass die Reserven noch mindestens weitere 5 Billionen Fass Öl betragen, davon sind 1,4 Billionen genügend erschlossen, um als gesicherte Reserven zu gelten. Der Verbrauch des Öls dürfte gemäss den Prognosen bis 2030 etwa um 20 Prozent ansteigen, von täglich rund 93 Millionen Fass Öl auf 110 Millionen.»

Eingebildete Bedrohung

Die Gefahr eines Verteilkampfes um Öl oder gar eines Ölkrieges ist eher gering. Ost und West haben ein gemeinsames Interesse, die Versorgungswege zu sichern. Auch dafür ist die Strasse von Hormus ein Beispiel.

Auch der sogenannte Peak Oil ist eine eingebildete Bedrohung. Darunter versteht man den Zeitpunkt, an dem mehr Erdöl verbraucht als neu gefunden wird. Von einem Peak Oil sind wir jedoch noch sehr weit entfernt. Er existiert nämlich in dieser Form gar nicht. Die Vorstellung, wonach die bekannten Ölreserven zunächst steigen, bis es zu einem Wendepunkt kommt, ist falsch. Der grösste Teil des Öls wird gefunden, wenn ein Ölfeld bewirtschaftet wird. Erst dann realisiert man allmählich, wie viel überhaupt vorhanden ist.

Neue Fördertechniken

Neue Fördertechniken erlauben es, auch schwierige Erdölquellen zu erschliessen. In Kasachstan beispielsweise kann heute sehr schwefelhaltiges Öl gefördert werden. Mit den veralteten Fördermethoden der Sowjetunion wäre das viel zu gefährlich gewesen. Auch in der Tiefsee wird immer mehr Öl gefunden.

Die umstrittenste der neuen Fördertechniken ist das sogenannte Fracking. Dabei werden horizontale Tunnels in Schiefergestein gebohrt und danach unter hohen Druck ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien hineingepumpt. Auf diese Weise gelangt man an bisher nicht erreichbares Öl. Fracking ist in den USA entwickelt worden. Es hat dazu geführt, dass die Vereinigten Staaten weit weniger von ausländischem Öl abhängig sind als noch vor ein paar Jahren. Heute beträgt der amerikanische Eigenversorgungsgrad beim Öl 60 Prozent, vor ein paar Jahren lag er noch bei 40 Prozent.

Dank Fracking sind die USA jedoch vor allem wieder ein bedeutender Produzent von Erdgas geworden. Heute ist der Preis auf einem Rekordtief und den Amerikanern droht eine eigentliche Gasschwemme. Diese Entwicklung hat die meisten Experten überrascht. Sie hat grosse Konsequenzen für den Energiemarkt, denn gleichzeitig ist auch das Flüssiggas, das sogenannte LNG, zu einem wichtigen Faktor geworden.

Erdgas war lange zu wertvoll, um für die Stromproduktion verwendet zu werden. Das neu entdeckte Schiefergas und LNG haben es in eine kostengünstige Option verwandelt. Das hat die Chancen für eine Renaissance der Atomkraft in den USA stark geschmälert. Auch Kohlekraftwerke werden vermehrt durch Erdgas ersetzt. Das bringt uns in eine ökologische Zwickmühle. Wenn Kohlenkraftwerke auf billiges Erdgas umstellen, ist das ein gewaltiger Fortschritt. Umgekehrt ist das Fracking selbst höchst umstritten. Es braucht sehr viel Wasser. In Texas beispielsweise schnappen Ölkonzerne bereits den Farmern die Rechte für die Wassernutzung für viel Geld weg.

Klimaerwärmung im Zentrum

Das Problem bei Öl und Gas ist jedoch, dass sie verbrannt werden. Auch für Yergin gibt es keinen Zweifel mehr: Die grösste Herausforderung für die Menschen des 21.  Jahrhunderts ist die Klimaerwärmung. Sie wird immer mehr zu einem gigantischen Experiment mit dem Planeten, wobei der Ausgang völlig ungewiss ist. Das haben inzwischen fast alle begriffen.

Russlands Premierminister Vladimir Putin pflegte lange zu scherzen, die Klimaerwärmung sei eine gute Sache – die Russen müssten weniger Pelzmäntel kaufen. Nach den verheerenden Waldbränden infolge einer Rekorddürre im Sommer 2010 gibt auch er zu: «Das Klima ändert sich. Das haben wir dieses Jahr begriffen.»

Unbestritten ist auch, dass die Klimaerwärmung eine Folge des CO2-Ausstosses ist und dass deswegen der Ausstoss dieses Gases drastisch vermindert werden muss. Das ist leichter gesagt als getan: «Es ist verwirrend in einer Welt, in der Kohlenwasserstoffe – Öl, Erdgas und Kohle – über 80 Prozent des gesamten Energiebedarfs zur Verfügung stellen und in der die gesamte Nachfrage nach Energie in den nächsten zwei Jahrzehnten um rund 40 Prozent zunehmen wird», stellt Yergin fest. Die Energieform der Zukunft wird der elektrische Strom sein, und die Art und Weise, wie dieser Strom hergestellt wird, dürfte die Schicksalsfrage der Menschheit werden.

Wettbewerb ungesund für Strom

Die Stromwirtschaft ist ein «natürliches Monopol». «Wettbewerb ist ein ungesunder wirtschaftlicher Regulator im Strombusiness», erkannte bereits Samuel Insull, einst Sekretär des legendären Erfinders Thomas Edison und später Chef seines Unternehmens General Eletrics. Bis heute hat sich daran nichts geändert. Zwar hat sich im Silicon Valley nach dem Platzen der Dotcom-Blase ein Mini-Cleantech entwickelt. Firmen wie Google wagen sich auf das Territorium der Energieerzeuger und wecken so die Hoffnung, dass demnächst auch die Energiebranche durch dynamische Jungingenieure in Garagen und Finanzgenies in Turnschuhen in kürzester Zeit Wunder schaffen und billige und erneuerbare Energie aus dem Hut zaubern könnte.

Die Hoffnungen werden sich kaum erfüllen. «Sicher, ein Google der Energiebranche könnte entstehen. Vielleicht geschieht das gerade in diesem Moment, und das wird möglicherweise in den nächsten fünf Jahren noch nicht erkannt. Schliesslich, wie viele Menschen haben 1998 von Google gehört? Aber die Energieindustrie ist anders, sehr anders», warnt Yergin.

In dieser Branche geschehen Wunder nicht über Nacht. So hat es 15 Jahre Forschung gebraucht, um einen wirksamen Filter zu entwickeln, um das Schwefeldioxyd bei der Verbrennung von Kohle aufzufangen. Deshalb sagt auch der Venture Capitalist Ray Lane: «Es gibt nur sehr wenige Gemeinsamkeiten zwischen der digitalen und der Energie-Welt. Es gibt ganz andere Gesetze wie Thermodynamik, physikalische Beziehungen, chemische Reaktionen und biologische Systeme. Es ist ein von der Politik beeinflusstes, kapitalintensives Geschäft, das die Investoren verstehen müssen.»

Neue Autoflotten

Das Gleiche gilt für die Autos. Elektromotoren werden eine immer grössere Rolle spielen, aber die Entwicklung wird nicht über Nacht erfolgen. Es dauert rund zwölf Jahre, bis sich die Autoflotte eines Landes erneuert. Eine neue Infrastruktur für Elektroautos zu erstellen kostet ebenfalls viel Zeit und viel Geld. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass Elektroautos sich im grossen Stil nicht im Westen, sondern im Osten durchsetzen werden. In China ist ein «New Energy Vehicle» bereits zu einem von sieben strategischen Wirtschaftszielen erhoben worden.

Wie sieht das Auto der Zukunft aus, und mit welchem Treibstoff fährt es? «In den letzten paar Jahren hat sich eine überzeugende Vision herausgebildet», stellt Yergin fest. «Wind- und Sonnenenergie werden die neuen Stromquellen. Dieser Strom muss über grosse Distanzen transportiert werden und braucht ein weit ausgeweitetes und modernisiertes Verteilsystem. Wenn der Strom in die Städte kommt, wird er von einem ‹intelligenten Netz› (smart grid) gemanagt, das ihn in die Haushalte verteilt, in die Aufladestationen und die Batterien der Autos. Einige glauben gar, dass die Autos selbst zu Batterien werden, wenn sie stillstehen.»

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Reaktionen

  1. Paul Müller

    am 5.02.2012, 10:58

    Philipp Löpfe gibt eine Zusammenfassung des Buches von Daniel Yergin. Dieser ist ein Verfechter der Meinung, dass es genug Öl gebe. Was ich nicht begreife bei einem umsichtigen Journalist wie Löpfe, dass er nicht einmal in einer Fussnote erwähnt, dass es eine grosse Debatte gibt um den Höhepunkt der Erdölförderung, den sog. Peak Oil. Dahinter steckt eine einfache Überlegung: Da es Jahre dauert vom Entdecken einer Ölquelle bis zu deren Förderung lassen sich aus der Anzahl Entdeckungen... ... mehrPhilipp Löpfe gibt eine Zusammenfassung des Buches von Daniel Yergin. Dieser ist ein Verfechter der Meinung, dass es genug Öl gebe. Was ich nicht begreife bei einem umsichtigen Journalist wie Löpfe, dass er nicht einmal in einer Fussnote erwähnt, dass es eine grosse Debatte gibt um den Höhepunkt der Erdölförderung, den sog. Peak Oil. Dahinter steckt eine einfache Überlegung: Da es Jahre dauert vom Entdecken einer Ölquelle bis zu deren Förderung lassen sich aus der Anzahl Entdeckungen Rückschlüsse ziehen auf die mögliche förderbare Ölmenge. Und da - meines Wissens - die Anzahl Explorationen schon länger zurückgehen, wird die Förderspitze erreicht werden. Zumal zur Zeit die Konsumation wegen der neuen Wirtschaftsmächte Indien, China, Brasilien etc. sehr stark steigt.
    Auch die Gefahr eines Verteilkampfes sind Yergin nicht. Was aber war der Irakkrieg, wenn nicht der Kampf um die Kontrolle der irakischen Ölquellen durch die USA?
    Wieso wird die Debatte nicht erwähnt, die um die Thesen von Yergin im Gange ist? In der Schweiz gibt es die ASPO(Ass. Study Peak Oil) mit dem Präsidenten Daniele Ganser. Auf der Webseite habe ich einen Newsletter vom September 2011 gefunden , wo ein Artikel von Yergin und ein Artikel der ASPO aufgeführt sind.
    Die Debatte geht doch darum, wie lange wir bis zur Energiewende noch warten können. Die Ölindustrie und die Grossmächte wollen den Status quo so lange wie möglich beibehalten. Mit unabsehbaren Konsequenzen für die nachfolgenden Generationen.

  2. Raphael Zehnder

    am 6.02.2012, 21:10

    Ob nun jetzt oder erst in hundert Jahren das Erdöl ausgeht, spielt weniger eine Rolle. Wir müssten einsehen, dass die "erlaubte" Konsummenge von fossilem Öl und Kohle erreicht ist. Wenn die Klimakatastrophe nicht eintreten soll, braucht es eine radikale Energiewende - weg vom Verbrennen von Erdöl, Erdgas und Kohle. Ob mit Peak Oil oder ohne. Ich bin aber nicht optimistisch, dass die Menschheit freiwillig das noch in der Erde lagernde Öl auch da belässt. Denn nur durch einen Verzicht auf die... ... mehrOb nun jetzt oder erst in hundert Jahren das Erdöl ausgeht, spielt weniger eine Rolle. Wir müssten einsehen, dass die "erlaubte" Konsummenge von fossilem Öl und Kohle erreicht ist. Wenn die Klimakatastrophe nicht eintreten soll, braucht es eine radikale Energiewende - weg vom Verbrennen von Erdöl, Erdgas und Kohle. Ob mit Peak Oil oder ohne. Ich bin aber nicht optimistisch, dass die Menschheit freiwillig das noch in der Erde lagernde Öl auch da belässt. Denn nur durch einen Verzicht auf die weitere Förderung von Erdöl könnten wir den weiteren Ausstoss von fossilem CO2 verhindern. Seit Beginn der Industrialisierung bläst die Menschheit innert kürzester Zeit das während Millionen von Jahren aus der Atmosphäre entzogene und in der Erde gelagerte CO2 wieder in die Luft zurück- mit unabsehbaren Folgen für das Klima.

  3. Inaktiver Nutzer

    am 15.08.2012, 22:03

    Angesichts der noch vorhandenen Oel-, Gas- und Kohlereserven wird kein Staat auf der Welt auf diese Energieträger verzichten, und auf erneuerbare Energien setzen, solange diese teurer sind. Ein einfaches Beispiel ist die Euro-Krise. Selbst innerhalb der EU ist man nicht in der Lage gemeinsam eine dauerhafte Lösung zu finden, sondern jeder Staat schaut zuerst auf die Eigeninteressen. Ein Verzicht auf die Ausnutzung der noch reichlich vorhandenen fosilen Brennstoffe ist daher eine Utopie,... ... mehrAngesichts der noch vorhandenen Oel-, Gas- und Kohlereserven wird kein Staat auf der Welt auf diese Energieträger verzichten, und auf erneuerbare Energien setzen, solange diese teurer sind. Ein einfaches Beispiel ist die Euro-Krise. Selbst innerhalb der EU ist man nicht in der Lage gemeinsam eine dauerhafte Lösung zu finden, sondern jeder Staat schaut zuerst auf die Eigeninteressen. Ein Verzicht auf die Ausnutzung der noch reichlich vorhandenen fosilen Brennstoffe ist daher eine Utopie, Peak-Oil hin oder her. Wenn im Interesse des allgemeinen Wirtschaftswachstums von allen Seiten darauf geachtet wird, dass keine Lieferengpässe entstehen, werden die Preise von Oel, Gas und Kohle weiterhin niedrig bleiben, und die erneuerbaren Energien im grossen Stil verhindern. Eine Änderung der Marktverhältnisse wird erst dann durch den Markt selbst herbeigeführt, wenn die erneuerbaren Energieträger lukrativ werden. D.h. zum Beispiel Solarpanels nochmals nur ein drittel oder ein viertel des heutigen Preises kosten, oder d.h. dass die Windenergie nochmals bedeutend günstiger wird, sodass die Kosten von neuen Grids und Energie-Speicher addiert zum Windstrom immer noch erhblich günstiger als Atom, Oel, Gas oder Kohlestrom sind. Dann werden automatisch die erneuerbaren Energieträger die fosilen Energieträger in grossem Masse verdrängen. Es bleibt also nur die Hoffnung, dass es doch den Google Effekt geben wird, und Wissenschaftler und Ingenieure grosse Fortschritte im Bereich der erneuerbaren Energien schnell realisieren werden. Falls nicht sehe ich angesichts des Unvermögens der Völker, sich wirklich zu verständigen, die grosse Klimakatastrophe auf die folgenden Generationen zukommen. Der CO2 Ausstoss wird nochmals enorm steigen, und durch den entsprechenden beschleunigungseffekt der Klimaerwärmung, die viel stärker und schneller erfolgen wird als angenomme, stehen die kommenden Generationen vor einem weltweiten katastrophenänlichen Chaos.

  1. Paul Müller

    am 5.02.2012, 10:58

    Philipp Löpfe gibt eine Zusammenfassung des Buches von Daniel Yergin. Dieser ist ein Verfechter der Meinung, dass es genug Öl gebe. Was ich nicht begreife bei einem umsichtigen Journalist wie Löpfe, dass er nicht einmal in einer Fussnote erwähnt, dass es eine grosse Debatte gibt um den Höhepunkt der Erdölförderung, den sog. Peak Oil. Dahinter steckt eine einfache Überlegung: Da es Jahre dauert vom Entdecken einer Ölquelle bis zu deren Förderung lassen sich aus der Anzahl Entdeckungen... mehrPhilipp Löpfe gibt eine Zusammenfassung des Buches von Daniel Yergin. Dieser ist ein Verfechter der Meinung, dass es genug Öl gebe. Was ich nicht begreife bei einem umsichtigen Journalist wie Löpfe, dass er nicht einmal in einer Fussnote erwähnt, dass es eine grosse Debatte gibt um den Höhepunkt der Erdölförderung, den sog. Peak Oil. Dahinter steckt eine einfache Überlegung: Da es Jahre dauert vom Entdecken einer Ölquelle bis zu deren Förderung lassen sich aus der Anzahl Entdeckungen Rückschlüsse ziehen auf die mögliche förderbare Ölmenge. Und da - meines Wissens - die Anzahl Explorationen schon länger zurückgehen, wird die Förderspitze erreicht werden. Zumal zur Zeit die Konsumation wegen der neuen Wirtschaftsmächte Indien, China, Brasilien etc. sehr stark steigt.
    Auch die Gefahr eines Verteilkampfes sind Yergin nicht. Was aber war der Irakkrieg, wenn nicht der Kampf um die Kontrolle der irakischen Ölquellen durch die USA?
    Wieso wird die Debatte nicht erwähnt, die um die Thesen von Yergin im Gange ist? In der Schweiz gibt es die ASPO(Ass. Study Peak Oil) mit dem Präsidenten Daniele Ganser. Auf der Webseite habe ich einen Newsletter vom September 2011 gefunden , wo ein Artikel von Yergin und ein Artikel der ASPO aufgeführt sind.
    Die Debatte geht doch darum, wie lange wir bis zur Energiewende noch warten können. Die Ölindustrie und die Grossmächte wollen den Status quo so lange wie möglich beibehalten. Mit unabsehbaren Konsequenzen für die nachfolgenden Generationen.

  2. Raphael Zehnder

    am 6.02.2012, 21:10

    Ob nun jetzt oder erst in hundert Jahren das Erdöl ausgeht, spielt weniger eine Rolle. Wir müssten einsehen, dass die "erlaubte" Konsummenge von fossilem Öl und Kohle erreicht ist. Wenn die Klimakatastrophe nicht eintreten soll, braucht es eine radikale Energiewende - weg vom Verbrennen von Erdöl, Erdgas und Kohle. Ob mit Peak Oil oder ohne. Ich bin aber nicht optimistisch, dass die Menschheit freiwillig das noch in der Erde lagernde Öl auch da belässt. Denn nur durch einen Verzicht auf die... mehrOb nun jetzt oder erst in hundert Jahren das Erdöl ausgeht, spielt weniger eine Rolle. Wir müssten einsehen, dass die "erlaubte" Konsummenge von fossilem Öl und Kohle erreicht ist. Wenn die Klimakatastrophe nicht eintreten soll, braucht es eine radikale Energiewende - weg vom Verbrennen von Erdöl, Erdgas und Kohle. Ob mit Peak Oil oder ohne. Ich bin aber nicht optimistisch, dass die Menschheit freiwillig das noch in der Erde lagernde Öl auch da belässt. Denn nur durch einen Verzicht auf die weitere Förderung von Erdöl könnten wir den weiteren Ausstoss von fossilem CO2 verhindern. Seit Beginn der Industrialisierung bläst die Menschheit innert kürzester Zeit das während Millionen von Jahren aus der Atmosphäre entzogene und in der Erde gelagerte CO2 wieder in die Luft zurück- mit unabsehbaren Folgen für das Klima.

  3. Ueli Wieser

    am 6.02.2012, 22:44

    Die Grosseltern, das wären dann wir...

    Das Buch "The Quest" von Daniel Yergin sei eine Auslegeordnug der Energiefragen, die uns in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen würden. Den TW5-Beitrag dazu von Philipp Löpfe kann ich nicht unreflektiert umblättern.
    Stellen wir uns als Gedankenexperiment mal vor, unsere Grosseltern hätten vor gut 60 Jahren soviel Öl verbrannt wie wir es heute tun. Und heute wäre nun eingetroffen, wovor damals vielfach gewarnt worden wäre. Etwa, dass das Klima... mehrDie Grosseltern, das wären dann wir...

    Das Buch "The Quest" von Daniel Yergin sei eine Auslegeordnug der Energiefragen, die uns in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen würden. Den TW5-Beitrag dazu von Philipp Löpfe kann ich nicht unreflektiert umblättern.
    Stellen wir uns als Gedankenexperiment mal vor, unsere Grosseltern hätten vor gut 60 Jahren soviel Öl verbrannt wie wir es heute tun. Und heute wäre nun eingetroffen, wovor damals vielfach gewarnt worden wäre. Etwa, dass das Klima wirklich gekippt ist, dass weltweit kriegerische Verteilkämpfe toben, dass Energie und Dünger für die Landwirtschaft fehlt, dass gewaltige Migrationsströme in die bessergestellten Regionen schwappen, oder gar, dass das Weltfinanzsystem ob des nicht mehr tauglichen Ölstandards mit immensen sozialen Kollateralschäden zusammengebrochen ist.
    Wie würden wir heute unseren damaligen Vorfahren Daniel Yergin und seine Energie- Auslegeordnung beurteilen? Und wie würden wir seine damaligen Zeitgenossen beurteilen, welche sich damals einreden liessen, es gäbe Öl in Hülle und Fülle, Peak Oil sei nur eine Einbildung, und mit etwas Wasser, Sand, Chemikalien und ein wenig Druck könnten weitere, noch nicht erreichte Ölvorräte erschlossen werden? Was würden wir heute von den damaligen Politikern und Ökonomen halten, die den Kohlenwasserstoffen, die damals 80% des Energiebedarfs deckten, unverblümt eine 40%-ige Zunahme der Energienachfrage in den nachfolgenden zwei Jahrzehnten zumuteten?
    Seien wir ehrlich, wir Gegenwärtige würden heute den Kopf schütteln ob soviel damaliger Kurz- und Uneinsichtigkeit.

  4. rejeanne

    am 7.02.2012, 06:48

    Es wird (unter anderem) immer als ein Unterschied zwischen Tier und Mensch angeführt, dass ein Tier nur im Moment lebt, dass es sich keine Gedanken um die Zukunft macht (das Sammeln von Vorräten mal ausgeschlossen, was aber als Instinkt "abgetan" wird). Bei den Diskussionen über die Zukunft unseres Planeten überkommt einem allerdings das Gefühl, dass es mit diesem Unterschied nicht so weit her ist. Wir gehen mit unseren Ressourcen um, wie wenn es in der Hinterhand noch eine zweite Erde gäbe.... mehrEs wird (unter anderem) immer als ein Unterschied zwischen Tier und Mensch angeführt, dass ein Tier nur im Moment lebt, dass es sich keine Gedanken um die Zukunft macht (das Sammeln von Vorräten mal ausgeschlossen, was aber als Instinkt "abgetan" wird). Bei den Diskussionen über die Zukunft unseres Planeten überkommt einem allerdings das Gefühl, dass es mit diesem Unterschied nicht so weit her ist. Wir gehen mit unseren Ressourcen um, wie wenn es in der Hinterhand noch eine zweite Erde gäbe. Wir reden zwar viel von der Zukunft und den Problemen, die wir ihr hinterlassen werden. Aber all diese Reden bleiben nur das: leere Floskeln.

    So wird der einzige Unterschied zwischen Tier und Mensch wohl der bleiben, dass wir mit unserem Untergang nicht nur selber untergehen, sondern den gesamten Planeten mit uns in den Abgrund reissen. Ob wir auf diesen Unterschied stolz sein können?

  5. Inaktiver Nutzer

    am 15.08.2012, 22:03

    Angesichts der noch vorhandenen Oel-, Gas- und Kohlereserven wird kein Staat auf der Welt auf diese Energieträger verzichten, und auf erneuerbare Energien setzen, solange diese teurer sind. Ein einfaches Beispiel ist die Euro-Krise. Selbst innerhalb der EU ist man nicht in der Lage gemeinsam eine dauerhafte Lösung zu finden, sondern jeder Staat schaut zuerst auf die Eigeninteressen. Ein Verzicht auf die Ausnutzung der noch reichlich vorhandenen fosilen Brennstoffe ist daher eine Utopie,... mehrAngesichts der noch vorhandenen Oel-, Gas- und Kohlereserven wird kein Staat auf der Welt auf diese Energieträger verzichten, und auf erneuerbare Energien setzen, solange diese teurer sind. Ein einfaches Beispiel ist die Euro-Krise. Selbst innerhalb der EU ist man nicht in der Lage gemeinsam eine dauerhafte Lösung zu finden, sondern jeder Staat schaut zuerst auf die Eigeninteressen. Ein Verzicht auf die Ausnutzung der noch reichlich vorhandenen fosilen Brennstoffe ist daher eine Utopie, Peak-Oil hin oder her. Wenn im Interesse des allgemeinen Wirtschaftswachstums von allen Seiten darauf geachtet wird, dass keine Lieferengpässe entstehen, werden die Preise von Oel, Gas und Kohle weiterhin niedrig bleiben, und die erneuerbaren Energien im grossen Stil verhindern. Eine Änderung der Marktverhältnisse wird erst dann durch den Markt selbst herbeigeführt, wenn die erneuerbaren Energieträger lukrativ werden. D.h. zum Beispiel Solarpanels nochmals nur ein drittel oder ein viertel des heutigen Preises kosten, oder d.h. dass die Windenergie nochmals bedeutend günstiger wird, sodass die Kosten von neuen Grids und Energie-Speicher addiert zum Windstrom immer noch erhblich günstiger als Atom, Oel, Gas oder Kohlestrom sind. Dann werden automatisch die erneuerbaren Energieträger die fosilen Energieträger in grossem Masse verdrängen. Es bleibt also nur die Hoffnung, dass es doch den Google Effekt geben wird, und Wissenschaftler und Ingenieure grosse Fortschritte im Bereich der erneuerbaren Energien schnell realisieren werden. Falls nicht sehe ich angesichts des Unvermögens der Völker, sich wirklich zu verständigen, die grosse Klimakatastrophe auf die folgenden Generationen zukommen. Der CO2 Ausstoss wird nochmals enorm steigen, und durch den entsprechenden beschleunigungseffekt der Klimaerwärmung, die viel stärker und schneller erfolgen wird als angenomme, stehen die kommenden Generationen vor einem weltweiten katastrophenänlichen Chaos.

Informationen zum Artikel

3.2.2012, 00:01 Uhr

Warum es neue Energiequellen braucht

Text

Text: Philipp Löpfe

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