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Hooligan-Konkordat 

2.2.2012, 16:26 Uhr

Immer mehr, immer härter

2.2.2012, 16:26 Uhr

Mehr, mehr, mehr. Bis zu drei Jahre Rayonverbot, eine Ausweitung der Meldepflicht, ein rigides Bewilligungssystem für die Clubs: Die Kantonale Konferenz der Justiz- und Polizeidirektoren macht ernst mit ihrer Verschärfung der Auflagen für Sportveranstaltungen. Nur bei den Intimkontrollen machen die Behörden Zugeständnisse. Von

Karin Keller-Sutter erklärt die harte Linie.

Karin Keller-Sutter erklärt die harte Linie.(Bild: Keystone)

Sie schauten ernst in die Welt hinaus, die beiden Männer der Kantonspolizei Bern, die den Einlass zur Pressekonferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJP) im Haus der Kantone in Bern überwachten. Zumindest griffen die Polizisten (seit wann werden Medienkonferenzen eigentlich polizeilich überwacht?) den Journalistinnen und Journalisten nicht in den Schritt.

Es waren ja auch keine Fussballfans, die am Donnerstagnachmittag den zackigen Ausführungen der anwesenden Regierungsrätinnen und Regierungsräte lauschten. Wären es Fans gewesen, man hätte für nichts garantieren können. Denn man weiss ja, wie gerne sich diese Fans (am liebsten in Anführungszeichen) irgendwelche Fackeln in irgendwelche Körperöffnungen stecken, um diese ins Stadion zu schmuggeln.

Baselland für Intimkontrollen, Basel-Stadt dagegen

Um diese infame Art des Transports zu unterbinden, hätten Polizistinnen und Polizisten laut der ursprünglichen Version des Konkordats «ohne Verdacht» Besucherinnen und Besucher im Intimbereich untersuchen dürfen. In der Vernehmlassung zur Verschärfung des «Hooligan-Konkordats» stiess dies allerdings auf harsche Kritik. Markus Mohler, ehemaliger Basler Polizeikommandant und Sicherheitsexperte, hatte erst kürzlich während eines Symposiums des FC Basel derartige Kontrollen als «Eingriff in die Grundrechte» bezeichnet.

In den Vernehmlassungsantworten gab es beide Interpretationen zu lesen. Während Basel-Stadt die Intimkontrollen zu weit gingen, sprach sich etwa die Baselbieter Regierung vehement für möglichst konsequente Kontrollen aus.

Die Plenarversammlung der KKJPD, die am Donnerstagmorgen den angepassten Konkordats-Text verabschiedete, schwenkte auf eine abgeschwächte Version der Kontrollen ein.

«Die merken das schon»

Nun braucht es einen «konkreten Verdacht» der Polizei, um die Körperöffnungen eines potentiellen «Petarden-Trottels» zu durchleuchten, die Kontrolle muss in einem «nicht einsehbaren» Raum und unter Beisein von medizinischem Personal stattfinden. Worin ein «konkreter Verdacht» besteht, konnten die Vertreter der KKJPD nicht sagen. «Das Personal merkt das schon», sagte Generalsekretär Roger Schneeberger. Nicht angepasst wurden die Bestimmungen für das private Sicherheitspersonal; dieses kann immer noch verdachtsfrei alle Besucherinnen und Besucher von Fussball- und Eishockeyspielen abtasten – allerdings nur über den Kleidern. «Wir wurden während der Vernehmlassung falsch verstanden», sagte Schneeberger, «wir wollten nur das bestehende Regime auf eine gesetzliche Grundlage stellen.»

Die Intimkontrollen sind die einzige Abschwächung im neuen Konkordats-Text. Alle anderen Punkte wurden von den Vernehmlassungsteilnehmern belassen oder sogar noch weiter verschärft. So soll etwa ein Rayonverbot in Zukunft nicht nur ein Jahr, sondern bis drei Jahre dauern. Auch die Bestimmungen zur Meldepflicht wurden noch einmal verschärft: Wer einmal vergisst, seine Meldepflicht zu erfüllen, dessen Strafe verdoppelt sich. «Wer nicht spurt, sieht nie mehr ein Stadion von innen», sagte der Berner Regierungsrat Hans-Jürg Käser. «Nur das nützt!»

Bewilligungspflicht

Weiter hält die KKJPD daran fest, dass Spiele der höchsten Eishockey- und Fussballliga künftig grundsätzlich bewilligungspflichtig sind. Diese Bewilligungen und vor allem die daran geknüpften Auflagen (etwa der Transport der Gäste-Fans nur mit Kombi-Tickets, Alkoholverbot, Auflagen zum Ticketverkauf) sollen laufend den neuen Bedingungen angepasst werden. Es könne ja gut sein, sagte Karin Keller-Sutter, Präsidentin der KKJPD und das Gesicht der verschärften Regeln, «dass sich eine Feindschaft zwischen zwei Clubs erst im Lauf der Saison entwickelt».

Die überarbeitete Version des neuen Hooligan-Konkordats muss nun von den kantonalen Parlamenten ratifiziert werden. Keller-Sutter erwartet bereits im ersten Semester des laufenden Jahres erste Resultate: «Auf dem Weg zu sicheren Sportveranstaltungen haben wir dann einen wichtigen Schritt vorwärts gemacht.»

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  1. Weltfremd

    von Borislav am 2.02.2012 um 21:33Uhr

    Jetzt weiss ich auch, warum einige Fussballfans immer nach dem Eintritt sofort das stille Örtchen suchen müssen. Diese Urban Legend von der rektalen Pyro-Einführung ins Stadion - glauben die Damen und Herren das wirklich?

    Man denkt sich jede nur erdenkliche repessive Massnahme aus, dabei liegt die Lösung doch vor der Tür. Die letzten Ausschreitungen im Joggeli sind einige Zeit her. Wieso sich nicht mal erkundigen, was denn in Basel anders und offensichtlich besser gemacht wurde? Ich sehe nebenbei in Pyros kein Problem. Es gehört in gewisser Weise zur Fussballkultur und ausser dem doch sehr seltsamen Unfall in Zürich (hat hier jemand ein Böller mit Pyro verwechselt?) geschieht nichts. Es ist schön anzusehen. Und ja, es ist nicht legal; aber manchmal ein Auge zuzudrücken hat noch niemandem geschadet.

    Die Probleme liegen doch oft vielschichtiger da. Dies fängt an mit Dialog mit den Fangruppierungen, geht über Stadien wie das Letzi, bei dem es fast schon "krachen" muss (wie können Fans der einen Seite einfach auf die andere Seite rüberlaufen?) und hört bei der Wahl der Sicherheitskräfte auf. Schlägertrupps, die nur auf Ärger aus sind und dies unter anderem auch schon auf Facebook offen klarmachten sind für Stadionsicherheit nicht unbedingt die richtige Wahl.

    Um auf den Punkt zu kommen: es gäbe durchaus eine Vielzahl von Lösungen, nur müssten die entsprechenden Entscheidungsträger sich vom Repressionsschema loslösen und etwas differenzierter die Teilaspekte anschauen.
    Direktlink zum Kommentar

  2. Druck erzeugt Gegendruck.

    von Walter Vogt am 2.02.2012 um 22:40Uhr

    Nicht sofort und nicht am gleichen Ort. Aber den Zusammenhang soll man diesen Leuten zuerst einmal nachweisen können.
    Direktlink zum Kommentar

  1. Idiotie

    von Stanislav Stanislavski am 2.02.2012 um 17:55Uhr

    "Diese Bewilligungen und vor allem die daran geknüpften Auflagen (etwa der Transport der Gäste-Fans nur mit Kombi-Tickets, Alkoholverbot, Auflagen zum Ticketverkauf) sollen laufend den neuen Bedingungen angepasst werden."

    Merken sie es denn nie? Werden solche Auflagen eingeführt, werden entweder a) die Stadien künftig leer bleiben, was den Clubfussball hierzulande in den Ruin stürzt, oder b) reist der Fan (oder eben "Fan") in der Anonymität der Regelzüge an die Spiele und wird in einem anderen Sektor Platz finden.

    Ich finde die Sturheit und Dialogverweigerung, diese völlige Verschlossenheit gegenüber denen, die es WIRKLICH kümmert, was mit diesem Sport und seinen Fans in der Schweiz passiert, absolut erschreckend. Einmal mehr habe ich grosse Angst, dass ich meiner Leidenschaft in Zukunft nicht mehr nachgehen kann, ohne mich wie ein normal, freier Bürger behandelt zu fühlen.
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  2. Weltfremd

    von Borislav am 2.02.2012 um 21:33Uhr

    Jetzt weiss ich auch, warum einige Fussballfans immer nach dem Eintritt sofort das stille Örtchen suchen müssen. Diese Urban Legend von der rektalen Pyro-Einführung ins Stadion - glauben die Damen und Herren das wirklich?

    Man denkt sich jede nur erdenkliche repessive Massnahme aus, dabei liegt die Lösung doch vor der Tür. Die letzten Ausschreitungen im Joggeli sind einige Zeit her. Wieso sich nicht mal erkundigen, was denn in Basel anders und offensichtlich besser gemacht wurde? Ich sehe nebenbei in Pyros kein Problem. Es gehört in gewisser Weise zur Fussballkultur und ausser dem doch sehr seltsamen Unfall in Zürich (hat hier jemand ein Böller mit Pyro verwechselt?) geschieht nichts. Es ist schön anzusehen. Und ja, es ist nicht legal; aber manchmal ein Auge zuzudrücken hat noch niemandem geschadet.

    Die Probleme liegen doch oft vielschichtiger da. Dies fängt an mit Dialog mit den Fangruppierungen, geht über Stadien wie das Letzi, bei dem es fast schon "krachen" muss (wie können Fans der einen Seite einfach auf die andere Seite rüberlaufen?) und hört bei der Wahl der Sicherheitskräfte auf. Schlägertrupps, die nur auf Ärger aus sind und dies unter anderem auch schon auf Facebook offen klarmachten sind für Stadionsicherheit nicht unbedingt die richtige Wahl.

    Um auf den Punkt zu kommen: es gäbe durchaus eine Vielzahl von Lösungen, nur müssten die entsprechenden Entscheidungsträger sich vom Repressionsschema loslösen und etwas differenzierter die Teilaspekte anschauen.
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  3. Druck erzeugt Gegendruck.

    von Walter Vogt am 2.02.2012 um 22:40Uhr

    Nicht sofort und nicht am gleichen Ort. Aber den Zusammenhang soll man diesen Leuten zuerst einmal nachweisen können.
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Informationen zum Artikel

2.2.2012, 16:26 Uhr

Immer mehr, immer härter

Text

Text:

  • 20.08.2013 um 12:04
    Zu schön
    Zum Artikel: Im Reservat der Lokalchauvinisten

    Soeben erreicht mich eine Mail von Matthias Müller, dem Gründer des «Club de Bâle». Er schreibt, dass seinen Informationen zufolge niemand der Involvierten des Club de Bâle hinter dem gleichnamigen Pseudonym in unseren Kommentaren steht. Wir sind im...

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