Das Thema
Ob für Bücher überall der gleiche Preis gelten soll, darüber stimmt die Schweiz am 11. März ab. fünf Jahre lang war die Buchpreisbindung ausgesetzt. Profitieren davon alle Konsumenten? Hat diese «Entbindung» am Ende gar für den Buchhandel Vorteile gebracht? Immerhin muss sich dieser ja gegen die Online- und E-Books-Angebote grenzüberschreitend behaupten. Oder muss das Buch als Kulturgut vor einem Preiskampf geschützt werden?

Buch-Handel
von Alois Karl Hürlimann um 27.01.2012 um 11:11UhrOffensichtlich gibt es Gründe für und Gründe gegen eine Buchpreisbindung - die beiden Buchhändlerinnen führen diese sich widersprechenden Gründe deutlich vor.
Was mir in beiden Standpunkten fehlt, ist erst einmal der Begriff "Sortiment". Ich kann mich noch gut an die Buchhandung Oprecht an der Rämistrasse in Zürich erinnen, Ende der Sechzigerjahre. Dort konnte ich als Student stundenlang im Sortiment stöbern. Das Sortiment umfasste nicht nur Romanliteratur oder Lyrik, sondern auch Fachliteratur etwa der Geschichte, der Wirtschaft, der Philosophie.
Sortiment hiess früher: Ein Buchhändler führte eine Auswahl Büchern im Angebot, welche teilweise vor Jahren oder Jahrzehnten erschienen sind. Die meisten Sortimenter hatten sich auf bestimmte Gebiete der Bucheditionen spezialisiert. Sie führten eine bibliotheksähnliche Gesamtheit an Titeln.
Natürlich hat sich seither die Buchproduktion massiv vergrössert. Es ist schlicht unmöglich, in einer durchschnittlichen Buchhandlungsgrösse irgend eine Titelgesamtheit anzubieten. Wenn schon, kann dies heute beispielsweise über Amazon viel umfassender angeboten werden als vor Ort.
Aber: Buchhändler können sich nach wie vor spezialisieren. Sie können sich einen Namen machen als Literaturspezialisten, als Lyrikspezialisten, als Geschichts- oder Biografiespezialisten und so weiter. Fachbuchhandlungen beisielsweise im Bereich der Natuwissenschaften können sich mit den entsprechenden Verlagen arrangieren. Bei Spezialisten ist die Auflage eines Buches naturgemäss nicht massgebend für ihr Buch- Angebot, die Heranziehung eines festen Kundenstammes hingegen von existentieller Bedeutung.
Das zweite Stichwort, welches mir bei den Ausführungen der beiden Buchhändlerinnen fehlt, heisst "Auflage".
Zwar wird der Begriff "Bestseller" erwähnt. Bestseller sind aber vor allem eine Angelegenheit von Verlagen, von Buchhandelsketten und - beispielsweise - von Bahnhof-oder (hier in Berlin zu beobachten) Tankstellenkioskketten. Bestsellerverlage arbeiten nach Prinzipien, welche im Rahmen fester Kalkulationen die Rendite einer Investition erzeugen müssen. Das Buch ist in diesem Kontext verstanden eine reine Warenproduktion. Dass es diesbezüglich keine staatlich festgelegte Preisbindung braucht, scheint mir einleuchtend zu sein.
Etwas anders sieht es für die zahlreichen Buchwerke aus, weche aus anderen denn reinen Renditezielsetzungen geschrieben, verlegt und auch ver- und gekauft werden. Werke, welche aus individuellen Bedürfnissen heraus geschrieben werden, welche gesellschaftliche Diskurse vorerst im Kleinen anregen, welche ganz spezialisierte Interessen mit Informationen bedienen möchten usw. Diese Werke beruhen erst einmal nicht auf Kalkulationsmechanismen. Vielmehr werden sie allenfalls, werden sie denn verlegt, also in Buchform gebracht, in eine Mischkalkulation eingefügt. Eine Mischkalkulation, welche sowohl Verlage als auch Buchhandlungen durchführen.
Kurz:
Ob eine Preisbindung das Buch an sich retten kann ? Den Buchhandel in allen seinen Facetten unterstützen kann ? Ich finde keine berfriedigende Antwort.
Wie wäre es mit anderen Grössenordnungen, etwa im Steuerwesen (Merhwertsteuer, Absetzbarkeit von naachgewisenenem Buchkauf zur Weiterbildung usw.), im Mietwesen, im Einkaufswesen von Bibliotheken und Bildungsinstitutionen?
Im weltweit vorhandenen Prozess der Bidlungsexplosion spielt "das Buch" als Printmedium nach wie vor eine zentrale Rolle. Es wird voraussichtlich immer stärker durch das elektronische Buch, in welcher Form auch immer, ergänzt und ersetzt werden. Damit Printbücher nicht einfach verschwinden, braucht es für absehbare Zeit Buchhandlungen vor Ort. Darauf sollte sich die politisch-wirtschaftliche Diskussion heute, am Beginn einer Kommunikationsepoche, deren Weiterungen man nicht absehen kann, einlassen.
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Kurz und plakativ...
von Cornelis Bockemühl um 27.01.2012 um 12:02Uhr...sehe ich bei dieser Abstimmung einen Kampf der schweizerischen Kultur-Sozi-Seele gegen die schweizerische Wirtschafts-Liberalisten-Seele - mit offenem Ausgang!
So ganz erschliesst sich mir aber nicht der Sinn der Debatte, da die viel grösseren Herausforderungen für den klassischen Buchhandel doch sowieso im Internet liegen - wenn ich da von mir auf andere schliessen darf: Vor 20-30 Jahren war ich zum "schnaiggen" viel in Bibliotheken und Buchhandlungen anzutreffen - heute läuft das bei mir fast ausschliesslich via Internet!
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Kulturvielfalt ja, Strukturkonservierung nein
von hdzimmermann um 28.01.2012 um 17:45UhrZur Aufrechterhaltung einer Kulturvielfalt ist es nicht zwingend, die bisherigen (Vertriebs-) Strukturen zu konservieren. Das zeigt das Musikgeschäft: Die Vielfalt hat keineswegs gelitten, im Gegenteil (Stichwort Long Tail), aber der traditionelle Musikhandel ist weitgehend verschwunden. Deswegen ganz klar: Die Kulturvielfalt lässt sich nicht durch eine Konservierung der Strukturen garantieren, und die Buchpreisbindung schützt vornehmlich die bestehenden Strukturen.
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Ja, Transparenz, bitte!
von H J Martens um 28.01.2012 um 21:31UhrFrau Freivogel fordert sie ein, Transparenz ist eine gute Sache. Aber diese muss der Kunde dann wirklich auch bekommen! Als Käufer will ich vor allem den Markt überblicken! Das kommt lange vor der Kostenfrage. Ich bezahle daher locker das Doppelte für das eine, eben das richtige Buch, wenn mir dafür zwei oder drei Fehlkäufe erspart bleiben. Der seriöse, noch so sympathische Buchhändler (m/f) kann in seinem urgemütlichen Laden schlicht kein repräsentatives Bild des Marktes bieten. Den Büchermarkt kann keiner mehr überblicken; es gibt für jeden einfach alles, aber nicht in einem einzigen Laden.
Bei der Belletristik ist es doch so, dass ein Verlag einen Autor "herausbringt" (oder halt eben nicht, wenn sich der dortige Marketingfuzzi keinen Bestseller erhofft) und der Markt wird ad hoc erzeugt. Ein Buchhändler lebt somit vom Verkauf der Bücher des Mainstreams (ganz oben kursiert die unsägliche "Fantasy", weil sich offenbar keiner mehr mit der Realität befassen mag).
Wenn also der lokale, eher kleine Händler (Die grossen Ketten lassen wir hier besser weg) daneben noch einen Nischenmarkt etablieren und erhalten kann, so soll er meinen vollen Respekt haben! Sein ideeller Lohn besteht er in einer Lesergemeinde, die er über Jahre aufgebaut hat und dann bedienen darf. Er hat sich einen Namen gemacht und führt de facto einen offenen Leserzirkel. Je nach dem ist das gute und wertvolle Kulturarbeit. Aber mit der Marktrealität hat das nur wenig zu tun! Seine Nische existiert nur dank Querfinanzierung. Ich würde Ihn lieber und anständig für den guten Buchtipp und allenfalls für die Pflege eines Diskussionsforums bezahlen...
Also suche ich (ob es ein Buch, ein Staubsauger oder eine Lampe sei!), zuerst am Internet, und schaue mir den Markt an. So bekomme ich die Transparenz. Gerne gebe ich zu, dass ich es in einem guten Buchladen auch gelegentlich geniesse, die tollsten Bücher in die Hand nehmen zu können, und dann mit ein paar Spontankäufen nach Hause zu kommen. Mit ein wenigen Mausklicks bei Amazon&Co. kann ich aber viel mehr erreichen: Ich finde alle in "meinen" Sprachen verfügbaren Ausgaben, meist sogar auch antiquarische in neuwertigem Zustand, darunter auch vergriffene Bücher, alle nicht selten in elektronischer Form. Obendrauf finde ich dort Inhaltsangaben und durchaus als erste Hinweise taugliche Leser-"Rezensionen" (sonst suche ich am Web weiter). Habe ich dann das richtige Werk gefunden, so soll ich wirklich zum lieben Buchhändler laufen, das Buch suchen, das er dann meist erst bestellen muss, ihm den bereits gefundenen Lieferanten mit Namen und Adresse angeben, damit er es mir dann beschafft und nach Tagen oder Wochen endlich zuschickt? Zum unguten Schluss darf ich dafür 20-30% mehr bezahlen, und komme schon gar nicht an die oft unglaublich günstigen antiquarischen Bücher heran? Da hört mein Idealismus leider auf.
Nochmals die Kulturfrage: Bücher sind eine Ware (geworden) genau wie Musik-CDs und DVDs von Filmen. Die Superstars beherrschen den Markt. Sie wurden nicht Stars, weil sie erkennbar besser sind als deren Kollegen in der zweiten oder der dritten Reihe, sondern weil sie einfach das Glück hatten "entdeckt" zu werden. Die Form und der Inhalt, also die Leistung welche die darin enthaltene Kunst ausmacht, ist natürlich keine Ware, sondern ein abstraktes Kulturgut, welches unsere Gesellschaft bereichern soll.
Buchpreisbindung als Kulturförderung? Sorry, das funktioniert so nicht. Wer in der Kunst etwas Wesentliches zu sagen hat, ist a priori ein Aussenseiter, ein Spinner, ein Träumer oder ein Genie das keiner versteht, weil es seiner Zeit voraus ist. Kultur gedeiht ganz gewiss nicht im Gewächshaus. Als Beweis genügt es, ein paar Künstlerbiographien anzuschauen.
Es tut mir wirklich leid, liebe Buchhändler, die Preisregulierung ist vorbei. Ich respektiere doch die Fachkenntnis, auch den Fleiss samt den gut bewirtschafteten Kultur-Nischen! Auch ich hatte viele schöne Stunden in grossartigen Buchläden verbracht! Ebenso akzeptiere ich, dass unser hoher Lebensstandard auch höhere Buchpreise rechtfertigt. Aber warum soll hier Heimatschutz betrieben werden wie in unserer überdimensionierten Landwirtschaft? Auch unsere Kinder können nicht mehr wie früher einen Beruf erlernen, und damit rechnen, dereinst in der gleichen Tätigkeit pensioniert zu werden: Die Mehrzahl wird sich gelegentlich umschulen und neu orientieren müssen, wie es die Firmen auch tun indem sie ihr Geschäftsmodell anpassen. Nur die Veränderung hat Bestand. Das Argument von den gefährdeten oder verlorenen Arbeitsplätzen ist realitätsfremd.
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Buchpreisbindung
von Andi Meyer um 30.01.2012 um 16:03UhrIch kenne Personen, die sich für die Buchpreisbindung einsetzen, aber die meisten ihrer Bücher online bei amazon.de bestellen. Absurder geht es nicht mehr. Die Buchpreisbindung ist ein abstruser Anachronismus. Ohnehin liegt die Zukunft der Schreibkultur nicht bei den Verlagen und Buchhandlungen, sondern im Netz und bei digitalen Inhalten.
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Onlinehandel künftig mit einschliessen
von serscher um 30.01.2012 um 17:36UhrWenn die BPB nicht wieder eingeführt wird, profitieren davon mittel- bis langfristig v.a. grosse Ketten und Discounter, die stapelweise Harry Potter-Bücher und andere "Bestseller"-Romane unter die Leute bringen wollen.
Klar ist - die BPB ist kein Zaubertrank, der mit einem Schlag alle Probleme lösen kann, aber sie schafft doch faire Bedingungen für alle Beteiligten und gibt einen gewissen Rahmen vor.
Dringend geklärt muss bei einer erneuten Einführung der Bereich "Onlinehandel", und damit sind nicht nur die eBooks gemeint... Da ist das Parlament und der Bundesrat gefordert, dies gesetzlich sauber zu verankern und transparent und klar zu formulieren.
Ja, man kann auch bspw. Lebensmittel "ennet der Grenze" zu deutschen Preisen einkaufen, gerade wenn man in der Region Basel wohnhaft ist. Aber mal ehrlich: Diese werden mir ja auch nicht portofrei zum gleichen Preis an meine Wohnadresse geliefert, sondern ich muss höchstpersönlich da hinfahren, was mich Zeit und Benzin kostet und dann die Überlegung wert ist, ob es sich am Schluss tatsächlich "gelohnt" hat. Man kann doch nicht erwarten, dass der Schweizer Buchhandel seine Leute weiterhin zu Schweizer Massstäben entlöhnt, den Verkauf aber den vermeintlich im nahen Ausland günstigeren/tieferen Niveaus anpasst. Da geht am Ende irgendetwas nicht ganz auf. Eine mögliche Folge, die in Läden von grossen Ketten bereits heute anzutreffen ist: Wir werden nicht mehr durch ausgebildetes Fachpersonal, sondern durch Verkaufspersonal bedient. Wo bleibt da die fundierte Beratung?
Das Argument schlechthin, welches FÜR die BPB spricht, ist aus meiner Sicht jedoch ganz klar die Tatsache, dass sie dafür sowohl grosse Player wie Weltbild oder Thalia, wie auch kleine Player (z.B. Franziska Freivogel vom Nasobem) für die gleiche Sache einsetzen.
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Buchpreisbindung: die Krux mit dem Grosshandel
von bab um 30.01.2012 um 20:50UhrIch behaupte, dass das Problem des Schweizer Buchhandels, respektive des Schweizer Buchhändlers sehr einfach gelöst werden könnte. Ohne Volksabstimmung und ohne irgendwelchen neuen Regulationen. Der Zwischenhandel, also die Grossimporteure, müssten von ihren unanständig überhöhten Margen Abstand nehmen und so dem Buchhändler mehr Margen-Spielraum verschaffen. Eine Annahme der Buchpreisbindung würde nur dem Grosshandel und wohl noch einigen grossen Buchhandlungen nützen, welche über Grosseinkäufe auf vernünftige Rabattierenden erzielen. Die Kleinen hätten ausser ein paar Kunden mehr gar nix davon.
Natürlich wird seitens des Buchzentrums immer wieder versichert, Ihnen sei von Seiten der Verlage/Hersteller die Hände gebunden. Dies ist nicht wirklich glaubwürdig, insbesondere, da noch nie eine der beiden Seiten Zahlen zu den Margen offengelegt hat. Neeeiiiiin, darüber redet man aus gegenseitige Höflichkeit (sprich Schutz der Eigeninteressen) nicht. Es ist wohl so, dass beide Seiten von der Situation bis heute profitiert haben; erst die Onlinehändler haben mit Ihren Preisen (und auch sie verdienen noch, aber mit anständigen Margen) eine Dynamik erzeugt, welche beginnt, diesen kartellähnlichen gegenseitigen Schutz aufzubrechen.
Zu recht melden sich nun die wirklich Leidtragenden, die Buchhandlungen und dort vor allem die Kleinen und Mittleren. Sie sind seit ewig den Preisvorgaben des Grosshandels ausgeliefert und nun verlieren sie die Kunden, weil sie nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Wie sollten sie auch mithalten, wenn der Zwischenhandel (die Grossimporteure) schamlos abkassieren! Ich lasse mich durch klare schwarz-weiss Belege gerne davon überzeugen, dass ich unrecht habe.
Ich wundere mich schon ein wenig, dass noch kein Politiker die Sache von dieser Seite her ausgeleuchtet hat. Aber ich vermute, dass die Politik auch in diesem Sektor kapituliert oder von Lobbyisten zu stark beeinflusst wird. so wie es Bundesrat Schneider-Ammann bei seinen Gesprächen mit den Grossimporteuren anderer Produkte ergangen ist, ergeht es wohl Jedem, welcher sich mit diesen anlegt. Nichts kommt heraus. Dafür jammern aber alle, wenn Schweizer sich nicht länger für dumm verkaufen lassen und "drüben" einkaufen. Die Preise sind einfach viel viel tiefer, - und die Geschäfte können immer noch gut davon leben. Dies beweist für mich, dass im Bezug auf den Schweizer Grossimport, zu Vieles im Argen liegt und dringend verbessert werden müsste. Zu lange hat der Grossimport es geschafft von sich abzulenken, nun sollte genau dies einmal durchleuchtet werden.
Das Problem mit hochziehen von Zollschranken oder Preisbindungen lösen zu wollen kann, einfach nicht funktionieren. Genau davon will der Konsument nichts mehr wissen.
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Buch-Handel
von Alois Karl Hürlimann um 27.01.2012 um 11:11UhrOffensichtlich gibt es Gründe für und Gründe gegen eine Buchpreisbindung - die beiden Buchhändlerinnen führen diese sich widersprechenden Gründe deutlich vor.
Was mir in beiden Standpunkten fehlt, ist erst einmal der Begriff "Sortiment". Ich kann mich noch gut an die Buchhandung Oprecht an der Rämistrasse in Zürich erinnen, Ende der Sechzigerjahre. Dort konnte ich als Student stundenlang im Sortiment stöbern. Das Sortiment umfasste nicht nur Romanliteratur oder Lyrik, sondern auch Fachliteratur etwa der Geschichte, der Wirtschaft, der Philosophie.
Sortiment hiess früher: Ein Buchhändler führte eine Auswahl Büchern im Angebot, welche teilweise vor Jahren oder Jahrzehnten erschienen sind. Die meisten Sortimenter hatten sich auf bestimmte Gebiete der Bucheditionen spezialisiert. Sie führten eine bibliotheksähnliche Gesamtheit an Titeln.
Natürlich hat sich seither die Buchproduktion massiv vergrössert. Es ist schlicht unmöglich, in einer durchschnittlichen Buchhandlungsgrösse irgend eine Titelgesamtheit anzubieten. Wenn schon, kann dies heute beispielsweise über Amazon viel umfassender angeboten werden als vor Ort.
Aber: Buchhändler können sich nach wie vor spezialisieren. Sie können sich einen Namen machen als Literaturspezialisten, als Lyrikspezialisten, als Geschichts- oder Biografiespezialisten und so weiter. Fachbuchhandlungen beisielsweise im Bereich der Natuwissenschaften können sich mit den entsprechenden Verlagen arrangieren. Bei Spezialisten ist die Auflage eines Buches naturgemäss nicht massgebend für ihr Buch- Angebot, die Heranziehung eines festen Kundenstammes hingegen von existentieller Bedeutung.
Das zweite Stichwort, welches mir bei den Ausführungen der beiden Buchhändlerinnen fehlt, heisst "Auflage".
Zwar wird der Begriff "Bestseller" erwähnt. Bestseller sind aber vor allem eine Angelegenheit von Verlagen, von Buchhandelsketten und - beispielsweise - von Bahnhof-oder (hier in Berlin zu beobachten) Tankstellenkioskketten. Bestsellerverlage arbeiten nach Prinzipien, welche im Rahmen fester Kalkulationen die Rendite einer Investition erzeugen müssen. Das Buch ist in diesem Kontext verstanden eine reine Warenproduktion. Dass es diesbezüglich keine staatlich festgelegte Preisbindung braucht, scheint mir einleuchtend zu sein.
Etwas anders sieht es für die zahlreichen Buchwerke aus, weche aus anderen denn reinen Renditezielsetzungen geschrieben, verlegt und auch ver- und gekauft werden. Werke, welche aus individuellen Bedürfnissen heraus geschrieben werden, welche gesellschaftliche Diskurse vorerst im Kleinen anregen, welche ganz spezialisierte Interessen mit Informationen bedienen möchten usw. Diese Werke beruhen erst einmal nicht auf Kalkulationsmechanismen. Vielmehr werden sie allenfalls, werden sie denn verlegt, also in Buchform gebracht, in eine Mischkalkulation eingefügt. Eine Mischkalkulation, welche sowohl Verlage als auch Buchhandlungen durchführen.
Kurz:
Ob eine Preisbindung das Buch an sich retten kann ? Den Buchhandel in allen seinen Facetten unterstützen kann ? Ich finde keine berfriedigende Antwort.
Wie wäre es mit anderen Grössenordnungen, etwa im Steuerwesen (Merhwertsteuer, Absetzbarkeit von naachgewisenenem Buchkauf zur Weiterbildung usw.), im Mietwesen, im Einkaufswesen von Bibliotheken und Bildungsinstitutionen?
Im weltweit vorhandenen Prozess der Bidlungsexplosion spielt "das Buch" als Printmedium nach wie vor eine zentrale Rolle. Es wird voraussichtlich immer stärker durch das elektronische Buch, in welcher Form auch immer, ergänzt und ersetzt werden. Damit Printbücher nicht einfach verschwinden, braucht es für absehbare Zeit Buchhandlungen vor Ort. Darauf sollte sich die politisch-wirtschaftliche Diskussion heute, am Beginn einer Kommunikationsepoche, deren Weiterungen man nicht absehen kann, einlassen.
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Kurz und plakativ...
von Cornelis Bockemühl um 27.01.2012 um 12:02Uhr...sehe ich bei dieser Abstimmung einen Kampf der schweizerischen Kultur-Sozi-Seele gegen die schweizerische Wirtschafts-Liberalisten-Seele - mit offenem Ausgang!
So ganz erschliesst sich mir aber nicht der Sinn der Debatte, da die viel grösseren Herausforderungen für den klassischen Buchhandel doch sowieso im Internet liegen - wenn ich da von mir auf andere schliessen darf: Vor 20-30 Jahren war ich zum "schnaiggen" viel in Bibliotheken und Buchhandlungen anzutreffen - heute läuft das bei mir fast ausschliesslich via Internet!
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Kulturbeutel
von jb um 28.01.2012 um 13:43UhrDas Argument, dass die höheren Lohn-, Miet- und Logistikkosten sich bei allen Produkten im Preis niederschlagen, tönt genau wie bei der Diskussion über die Preisinsel Schweiz im Kassensturz und wurde dort überzeugend widerlegt. Ich erinnere mich noch zu gut an die Zeit, als die D-Mark-Preise aufgedruckt waren und jeweils der letzte höchste Kurs nicht ausreichte, um den Preisunterschied zu rechtfertigen. Es gibt ja auch charmante, knapp bezahlte Buchhändlerinnen in Lörrach.
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Buchändler und Endkunden wandern schon Heute ab.
von Zumbrunnen um 28.01.2012 um 16:01UhrIhr Argument, mit der Abwanderung der Kunden ins Ausland geht nicht ganz auf und ist nicht auf die Buchpreisbidung zurückzuführen. Die Problematik liegt bei der Währungs differenz. Zudem wandern die meisten Kunden schon Heute ab. Auch der schweizer Buchhandel kauft schon Heute fleissig in Deutschland ein. Das BZ kann Ihnen das bestimmt bestätigen das der Umsatz massiv eingebrochen ist. Die dadurch erziehlten Währungs Gewinne werden selten bis nie an die Kunden weitergegeben.
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Buchändler und Endkunden wandern schon Heute ab.
von Zumbrunnen um 28.01.2012 um 16:01UhrIhr Argument, mit der Abwanderung der Kunden ins Ausland geht nicht ganz auf und ist nicht auf die Buchpreisbidung zurückzuführen. Die Problematik liegt bei der Währungs differenz. Zudem wandern die meisten Kunden schon Heute ab. Auch der schweizer Buchhandel kauft schon Heute fleissig in Deutschland ein. Das BZ kann Ihnen das bestimmt bestätigen das der Umsatz massiv eingebrochen ist. Die dadurch erziehlten Währungs Gewinne werden selten bis nie an die Kunden weitergegeben.
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Kulturvielfalt ja, Strukturkonservierung nein
von hdzimmermann um 28.01.2012 um 17:45UhrZur Aufrechterhaltung einer Kulturvielfalt ist es nicht zwingend, die bisherigen (Vertriebs-) Strukturen zu konservieren. Das zeigt das Musikgeschäft: Die Vielfalt hat keineswegs gelitten, im Gegenteil (Stichwort Long Tail), aber der traditionelle Musikhandel ist weitgehend verschwunden. Deswegen ganz klar: Die Kulturvielfalt lässt sich nicht durch eine Konservierung der Strukturen garantieren, und die Buchpreisbindung schützt vornehmlich die bestehenden Strukturen.
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Buchpreisbindung - gut und nötig!
von stillebekk um 28.01.2012 um 18:13UhrWenn ich ein Buch möchte (was oft der Fall ist), habe ich keine Lust Preise zu vergleichen. Ich möchte ich meine Lieblingsbuchhandlung gehen, mir mein Objekt der Begierde schnappen und damit glücklich nach Hause gehen. Preise zu vergleichen und von A nach B nach C zu rennen habe ich nicht das Bedürfnis - und das wird nur ausgeprägter wenn die Buchpreisbindung nicht wiedereingeführt wird.
Mit einer Buchpreisbindung bleiben die Preise stabil, nach der Wiedereinpendlung nach all den Unsicherheiten werden die Verlage wieder günstige Preise als Vorgabe machen können und die kleinen Buchhandlungen werden länger bestehen können. Letztgenannte und solidarisch mit der Dorfbuchhandlung Alpenbliemli Fühlende können den Grossbuchhandlungen nicht mehr die Schuld am eigenen Eingehen geben, denn der Buchhandel ist dann wieder eine Einheit.
Klar, auch hier geht es um den Profit - wenn aber die Ellen gleich lang sind, ist der Wettbewerb auch fairer. Denn mit der Preisfreiheit können nur die Grossen spielen.Der Kunde kann derzeit ja auch nur bei ausgewählten Orten und finanzstarken Ketten günstiger einkaufen. Dies fällt dann weg. Die profitgeilen Nichtleser werden sich ärgern und können nur noch nach den generell billigen Ausverkaufswaren (generell ausgenommen von der Buchpreisbindung) greifen, die kulturellen Vielleser werden sich freuen.
Also - Hirn einschalten oder leer einlegen. Sagt am 11.März 2012 ja zum Buch!!
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Schade...
von stillebekk um 28.01.2012 um 18:17Uhr... dass ich im Olymp&Hades nur noch einzelne Spiele, viel Wein und wenig Buch finde.
Wo denn hier noch Buchhandlung sein soll, erschliesst sich mir nicht. So lässt es sich leichter überleben - denn die Buchpreise sind hier nicht tiefer als anderswo. (wenn man es direkt vergleicht)
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John le Carré sagt alles
von Elisabeth Thal um 28.01.2012 um 18:51Uhr«Einst habe ich mich unbedacht für die Aufhebung der Buchpreisbindung stark gemacht. Das war ein schrecklicher Fehler. Die britische Buchindustrie hat sich damit ganz den Massenvermarktern ausgeliefert und dem bedrängten unabhängigen Buchhandel den Todesstoss versetzt.» Jon Le Carré
Die Sache ist komplex, aber warum nicht auf die Erfahrungen von Ländern zurückgreifen, die die Buchpreisbindung abgeschafft haben, statt einen mehr oder weniger ideologischen Schlagabtausch endlos fortzusetzen? John le Carré sagt das Wichtigste in Kürze, hinzuzufügen könnte man zum Beispiel noch, dass die Bücher ohne Preisbindung TEURER werden, abgesehen von den Bestsellern.
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Ja, Transparenz, bitte!
von H J Martens um 28.01.2012 um 21:31UhrFrau Freivogel fordert sie ein, Transparenz ist eine gute Sache. Aber diese muss der Kunde dann wirklich auch bekommen! Als Käufer will ich vor allem den Markt überblicken! Das kommt lange vor der Kostenfrage. Ich bezahle daher locker das Doppelte für das eine, eben das richtige Buch, wenn mir dafür zwei oder drei Fehlkäufe erspart bleiben. Der seriöse, noch so sympathische Buchhändler (m/f) kann in seinem urgemütlichen Laden schlicht kein repräsentatives Bild des Marktes bieten. Den Büchermarkt kann keiner mehr überblicken; es gibt für jeden einfach alles, aber nicht in einem einzigen Laden.
Bei der Belletristik ist es doch so, dass ein Verlag einen Autor "herausbringt" (oder halt eben nicht, wenn sich der dortige Marketingfuzzi keinen Bestseller erhofft) und der Markt wird ad hoc erzeugt. Ein Buchhändler lebt somit vom Verkauf der Bücher des Mainstreams (ganz oben kursiert die unsägliche "Fantasy", weil sich offenbar keiner mehr mit der Realität befassen mag).
Wenn also der lokale, eher kleine Händler (Die grossen Ketten lassen wir hier besser weg) daneben noch einen Nischenmarkt etablieren und erhalten kann, so soll er meinen vollen Respekt haben! Sein ideeller Lohn besteht er in einer Lesergemeinde, die er über Jahre aufgebaut hat und dann bedienen darf. Er hat sich einen Namen gemacht und führt de facto einen offenen Leserzirkel. Je nach dem ist das gute und wertvolle Kulturarbeit. Aber mit der Marktrealität hat das nur wenig zu tun! Seine Nische existiert nur dank Querfinanzierung. Ich würde Ihn lieber und anständig für den guten Buchtipp und allenfalls für die Pflege eines Diskussionsforums bezahlen...
Also suche ich (ob es ein Buch, ein Staubsauger oder eine Lampe sei!), zuerst am Internet, und schaue mir den Markt an. So bekomme ich die Transparenz. Gerne gebe ich zu, dass ich es in einem guten Buchladen auch gelegentlich geniesse, die tollsten Bücher in die Hand nehmen zu können, und dann mit ein paar Spontankäufen nach Hause zu kommen. Mit ein wenigen Mausklicks bei Amazon&Co. kann ich aber viel mehr erreichen: Ich finde alle in "meinen" Sprachen verfügbaren Ausgaben, meist sogar auch antiquarische in neuwertigem Zustand, darunter auch vergriffene Bücher, alle nicht selten in elektronischer Form. Obendrauf finde ich dort Inhaltsangaben und durchaus als erste Hinweise taugliche Leser-"Rezensionen" (sonst suche ich am Web weiter). Habe ich dann das richtige Werk gefunden, so soll ich wirklich zum lieben Buchhändler laufen, das Buch suchen, das er dann meist erst bestellen muss, ihm den bereits gefundenen Lieferanten mit Namen und Adresse angeben, damit er es mir dann beschafft und nach Tagen oder Wochen endlich zuschickt? Zum unguten Schluss darf ich dafür 20-30% mehr bezahlen, und komme schon gar nicht an die oft unglaublich günstigen antiquarischen Bücher heran? Da hört mein Idealismus leider auf.
Nochmals die Kulturfrage: Bücher sind eine Ware (geworden) genau wie Musik-CDs und DVDs von Filmen. Die Superstars beherrschen den Markt. Sie wurden nicht Stars, weil sie erkennbar besser sind als deren Kollegen in der zweiten oder der dritten Reihe, sondern weil sie einfach das Glück hatten "entdeckt" zu werden. Die Form und der Inhalt, also die Leistung welche die darin enthaltene Kunst ausmacht, ist natürlich keine Ware, sondern ein abstraktes Kulturgut, welches unsere Gesellschaft bereichern soll.
Buchpreisbindung als Kulturförderung? Sorry, das funktioniert so nicht. Wer in der Kunst etwas Wesentliches zu sagen hat, ist a priori ein Aussenseiter, ein Spinner, ein Träumer oder ein Genie das keiner versteht, weil es seiner Zeit voraus ist. Kultur gedeiht ganz gewiss nicht im Gewächshaus. Als Beweis genügt es, ein paar Künstlerbiographien anzuschauen.
Es tut mir wirklich leid, liebe Buchhändler, die Preisregulierung ist vorbei. Ich respektiere doch die Fachkenntnis, auch den Fleiss samt den gut bewirtschafteten Kultur-Nischen! Auch ich hatte viele schöne Stunden in grossartigen Buchläden verbracht! Ebenso akzeptiere ich, dass unser hoher Lebensstandard auch höhere Buchpreise rechtfertigt. Aber warum soll hier Heimatschutz betrieben werden wie in unserer überdimensionierten Landwirtschaft? Auch unsere Kinder können nicht mehr wie früher einen Beruf erlernen, und damit rechnen, dereinst in der gleichen Tätigkeit pensioniert zu werden: Die Mehrzahl wird sich gelegentlich umschulen und neu orientieren müssen, wie es die Firmen auch tun indem sie ihr Geschäftsmodell anpassen. Nur die Veränderung hat Bestand. Das Argument von den gefährdeten oder verlorenen Arbeitsplätzen ist realitätsfremd.
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