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TagesWoche

Tages Woche

Do, 17.05.2012

Kultur 

5.1.2012, 15:57 Uhr

Der ambitionierte Arlesheimer Alleskönner

5.1.2012, 15:57 Uhr

Schauspieler und Musiker, Stand-Up-Comedian und Poetry-Slammer, Schnügel und Rebell: Laurin Buser zeigt sich bei der Premiere seines Abendprogramms «Earth Shaking» im ausverkauften Basler «Tabourettli» von vielen Seiten. Von Tara Hill

Laurin Buser und Sascha F. bei «Earth Shaking»

Laurin Buser und Sascha F. bei «Earth Shaking»(Bild: Janick Zebrowski)

Laurin Buser ist echt zu beneiden. Er ist jung und attraktiv, er ist intelligent und witzig, er ist cool und charmant – und während andere mit zarten 20 Lenzen ihre ersten Brötchen verdienen, steht er am Mittwochabend auf der Bühne des Basler «Tabourettli» und sinniert in seinem bereits zweiten abendfüllenden Programm «Earth Shaking» über die eigene Generation.
Eine Generation, die immer und überall online und gleichzeitig stets gelangweilt, die immer unterwegs und nirgends zuhaus, die notorisch unzufrieden sei. Die sich selbst hasse und in ihrem Selbsthass nicht ernst nehmen könne. Der alle Möglichkeiten offen stünden, die aber gleichzeitig im Meer der Möglichkeiten ertrinke. Die sich und alle anderen «irgendwie scheisse» findet.

Pointierter Poet

Das ist klug, das ist träf, und vor allem: authentisch. Man merkt: Hier steht ein Dichter und Denker, einer, der gern und viel reflektiert, und diese Reflexionen als Poet auch pointiert rüber bringt. Kein Wunder gilt Laurin Buser als das grösste Jungtalent der Schweizer, ja vielleicht gar der deutschsprachigen «Poetry Slam»-Szene. Doch im «Tabourettli» geht es nicht nur ums Vortragen kniffliger Texte und geschliffener Pointen.

Der Arlesheimer, das merkt man, will mehr: Er will auch als Stand-Up-Comedian und Schauspieler, als Musiker und MC punkten. Er schreibt tiefgründige «Briefe an die Wahrheit» und macht sich über die Schweizer Medienwelt lustig. Er rappt über langweilige House-Partys und singt von der Reise eines Wassertröpfchens. Er rechnet mit den eigenen Aufstiegsambitionen und der Tristesse von Karrierestationen wie dem Kaff «Kirchheimbolanden», Zuschauer: einer, ab. Und präsentiert nebenbei gleich noch den nächsten Sommerhit.

Talent unter Druck

Laurin Buser will gefallen und trotzdem nicht «Everybody’s Darling» sein. Darum flucht und spuckt er, singt von Sex und Suff, ist manchmal rebellisch und fies und im nächsten Moment doch wieder gern der «Schnügel», den auch die älteren Damen im Publikum sofort ins Herz schliessen: Eine anstrengende Gratwanderung, ein ständiger Seiltanz. Während Buser bei der Premiere stets unter Strom steht, wirkt sein Sidekick Sascha F., der sich vor allem aufs Musizieren konzentrieren kann, einiges entspannter und gelassener – und damit insgesamt vielleicht weniger herausfordernd und sperrig, aber auch souveräner.

Ist Laurin Buser vielleicht doch gar nicht so sehr zu beneiden, bei dem immensen Druck, den sich das Talent selber schafft, wenn er auf so vielen künstlerischen Ebenen überzeugen möchte? Immerhin: Mit «The Earth is Shaking» beweist Buser, dass er vieles kann, nein: vieles sogar sehr gut kann. Die Beschränkung auf das, was er am allerbesten kann, steht hingegen eindeutig noch aus.

Aber möglicherweise will sich Laurin – mit gerade mal 20 Lenzen und getreu dem Motto seiner Generation – jetzt auch noch gar nicht entscheiden, was das sein könnte. Muss er auch nicht: dass er auch so bestens unterhalten kann, hat er an diesem Abend jedenfalls mit Bravour bewiesen.

  • Weitere Vorstellungen im Tabourettli, Basel: 5.-7., 11.-14. Januar, jeweils 20 Uhr, Tabourettli, Basel.

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Informationen zum Artikel

5.1.2012, 15:57 Uhr

Der ambitionierte Arlesheimer Alleskönner

Text

Text: Tara Hill

  • 11.05.2012 um 13:45
    Ein Kän-Guru gerät ins Schwitzen

    Marc-Uwe Kling kämpft sich bei tropischen Temperaturen im ausverkauften Parterre tapfer durch sein «Känguru Manifest-3D»-Soloprogramm – und gleicht vorzeitige Ermattungserscheinungen mit entwaffnender Ehrlichkeit aus.

  • 09.05.2012 um 07:00
    «Man hielt mich für eine Terroristin»

    Farnaz Seifi war eine der ersten Bloggerinnen im Iran und eine führende Stimme der Feministinnen in ihrer Heimat. Ihr Aktivismus führte sie zuerst ins Foltergefängnis und dann ins Exil. Jetzt kommt mit «Forbidden Voices» ein Film über sie ins Kino. Im Interview mit der TagesWoche erklärt sie, warum sie es wieder tun würde.

  • 06.05.2012 um 22:10
    Auf leichten, nackten Füssen

    Zum Weltrotkreuztag spielte das kultverdächtige Berliner Electropop-Trio Pupkulies & Rebecca im Sud auf – und liess mit seiner unvergleichlichen Leichtigkeit des Seins für einen Moment alles Elend der Welt vergessen.

  • 31.01.2012 um 20:32
    @Zensor
    Zum Artikel: Abgesang auf eine Totgeburt

    Danke für diesen hellsichtigen Kommentar: gut möglich, dass Du Recht behältst. Nur rasch zur Präzisierung: Ob die Viral-Kampagne von langer Hand geplant war oder nicht, ist für mich gar nicht matchentscheidend. Bei einer spannenden "Kampagne"...

  • 22.01.2012 um 07:47
    O%?
    Zum Artikel: Wherlock light: Ein Wintermärchen

    Lieber Herr B., das "light" bezog sich in der Kritik auf die Leichtigkeit des Stücks und war in dieser Hinsicht genausowenig abwertend gemeint, wie die Tatsache, dass sich Wherlock hier sowohl bei der Musik wie auch beim Stück einige Freiheit...

  • 27.12.2011 um 20:43
    @Christian Mueller
    Zum Artikel: 7 Lieder für den Soundtrack zum Jahr

    Ich bin neugierig: Was wären denn Ihre Songs des Jahres? Und wozu wetzen Sie das Tanzparkett ab? Meine Wenigkeit zumindest hält nämlich das Gros der hier versammelten Songs für ausserordentlich tanzbar. Sollten wir aber den ultimativen Sohlenschleifer ...

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