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Hafen-Pläne 

16.12.2011, 00:01 Uhr

Die Stadt wird neu gebaut

16.12.2011, 00:01 Uhr

Ein Stahlcontainer revolutionierte die Welt. Und jetzt verändert er auch Basel – wegen ihm erhält die Stadt ein neues Gesicht.

Wie ist ist – und wie es werden soll.

Wie ist ist – und wie es werden soll.(Bild: Stefan Bohrer)

Das Böse breitet sich immer mehr aus, unerbittlich. Dabei wirkt es auf den ersten Blick eher harmlos, freundlich schon fast mit seinen heiteren Farben Orange, Rot und Blau.

Doch der Eindruck täuscht. Der Stahlbehälter ist böse. Er hat das Schönste auf der Welt kaputt gemacht, die Schifffahrt. Das sagen sie alle im Klein­hüninger «Seemannskeller», wo sich die alten Matrosen der Region Basel einmal im Monat zum Hock treffen. «Wegen dieser Kiste geht das Laden und Löschen heutzutage ruckzuck, wie am Fliessband», sagen sie. Da bleibt keine Zeit mehr, um in einer Hafenkneipe ein, zwei Biere hinter die Binde zu kippen und mit den anwesenden Frauen ein bisschen zu pläuderlen und so.

Keilereien mit Skandinaviern

Diese zwei, drei netten Stunden waren früher der wohlverdiente Lohn für die vielen harten Tage auf See. Manchmal bot sich nach einem angeregten Abend in einer Knille sogar die Gelegenheit für eine anständige Keilerei, im Idealfall gegen die Skandinavier: Die waren aggressiver als alle anderen, darin ist man sich im Seemannskeller ebenso einig wie beim Thema Frauen – die schönsten gibt es in Santos, ganz eindeutig und ganz im Gegensatz zu jenen in China, diesem «Eunuchen-Land» (mehr dazu auf den Seiten 10/11).

Die Nordmänner, das waren noch richtige Gegner, an denen man sich messen konnte. Gegen die technische Entwicklung waren dagegen selbst die Schweizer machtlos. Und damit auch gegen die Container.

Die Wunderwaffe aus dem Vietnamkrieg

Der Triumphzug der stählernen Kiste fing in den 1960er-Jahren an, bezeichnenderweise in einem Krieg, in dem der einzelne Matrose, der einzelne ­Soldat gar nichts galt und Tempo und Effizienz alles waren. Den Vietnamkrieg verloren die Amerikaner zwar, im Welthandel wollte aber bald niemand mehr auf ihre logistische Wunderwaffe verzichten. Im Container konnten die Waren gut verpackt und ohne mühsames Umladen ans andere Ende der Welt geschickt und nach der Verarbeitung bei Bedarf auch wieder zurückbeordert werden, ohne dass die Transportkosten gross ins Gewicht fielen.

Das war der Beginn der Globalisierung. Seither sind auf den Weltmeeren mehr und mehr Waren ­unterwegs, die Container werden grösser und mit ­ihnen wachsen auch die Schiffe. Schon heute gibt es Un­getüme von 400 Meter Länge und 60 Meter Breite, die bis zu 15 000 Container laden können – und noch grös­sere sind bereits im Bau.
Anlaufen können sie nur noch die allergrössten Häfen: Rotterdam, Hamburg, Antwerpen und das britische Felixstowe in Europa, die nun daran sind, ihre Kapazitäten zu erweitern, teilweise aufs Doppelte oder Dreifache. Mittelmeerstädte wie Genua haben möglicherweise eine grosse Vergangenheit als Seefahrerstaaten, aber keine Zukunft mehr für das ganz grosse Container­geschäft.

Fluch und Chance

Für den Seemannskeller ist diese Entwicklung ein Fluch, für Basel könnte sie aber auch eine Chance sein. Denn der Container wird auch diese Stadt noch stark verändern. Dafür sorgen die holländischen Behörden mit ihrer Vorgabe, dass ab dem Rotterdamer Hafen künftig mindestens zwei Drittel der Waren per Schiff oder Bahn weitertransportiert werden müssen, damit es auf den Strassen nicht zum Verkehrskollaps kommt.

Darum rechnet man nun auch im Kleinhüninger Hafen mit einem deutlich grösseren Warenumschlag. Die Rede ist von einer Verdoppelung bis 2030, was den Bau eines neuen Containerterminals nötig macht – die Gelegenheit, um Basel an bester Lage am Rhein neu zu erfinden und neu zu bauen. Ein Traum, den diese Stadt schon seit Jahren hat, weil sie in ihren engen Grenzen kaum mehr wachsen kann.

Direktoren staunen Bauklötze

Zumindest im Kleinformat existiert die neue Stadt bereits. Und ihr Anblick begeistert auch gestandene Männer wie Hafendirektor Hans-Peter Hadorn und den Basler Volkswirtschaftsdirektor Christoph Brutschin (SP). Wenn sich die beiden Herren über das Modell mit den Bauklotzhäuschen beugen, strahlen sie fast noch mehr als ein kleines Kind vor seinem ersten selbstgebauten Türmchen, das länger als drei Sekunden hält.

Stolz zeigt Brutschin auf «Rhein­hattan», die Hochhäuschen auf dem neuen Klybeck­inselchen, und schwärmt: «Schöner wohnen mit einem noch schöneren Ausblick – das geht fast nicht!» Oder vielleicht doch? In den neuen, attraktiven Häuserzeilen am Land zum Beispiel. Da lasse sich nicht nur wohnen, sondern auch leben, richtig leben. Und arbeiten. «Da entsteht ein neuer Stadtteil, der alles hat – Geschäftshäuser, Wohnraum, Kulturbetriebe, Restaurants und Hotels», sagt Brutschin.

Über eine zusätzliche Rheinbrücke soll das sogenannte «New Basel» zudem mit Hüningen verbunden werden – ein weiteres Wachstumsgebiet. Insgesamt 20 000 Menschen sollen schliesslich in diesem ­Dreieck zwischen der Schweiz, Deutschland und Frankreich wohnen und arbeiten. Es sind schöne ­Pläne, die schon seit Längerem in dieser oder in ähn­lichen Formen bestehen; bis jetzt wurden sie in der Öffentlichkeit aber eher zurückhaltend aufgenommen – als Luftschloss.

Planung wird konkret

Das dürfte sich nun ändern. Denn bei den Schweizerischen Rheinhäfen wird die Planung eines neuen Hafen­beckens konkret, wie Direktor Hans-Peter Hadorn der TagesWoche bestätigt. Im Anschluss an das Hafenbecken 2 soll auf dem Gelände des ehemaligen ­Badischen Rangierbahnhofs das neue Hafenbecken 3 mit einem Terminal entstehen. Nach dem Bau könnte die Containerlogistik vom Westquai dorthin verlegt werden – womit am Rhein Platz frei wird für neue Häuser. Die Kosten veranschlagt Hadorn auf 80 bis 90 Millionen Franken für das Hafenbecken und auf 60 bis 70 Millionen für den Containerterminal.

Bei der Finanzierung kommt dem Rheinhafen entgegen, dass SBB Cargo von den Terminal-Plänen fast so begeistert sind wie Brutschin von «Rheinhattan». «Dank seiner Lage direkt am Hafen und am Bahnkorridor Rotterdam–Genua eignet sich Basel Nord wie kein zweites Areal als Gateway», sagt Presse­sprecher Christoph Rytz: «Das ist genau das, was die Schweiz braucht. Unsere kleineren und mittleren Terminals sind alle ausgelastet.» Darum planen SBB Cargo nun zwei grosse Drehscheiben – «Basel Nord» für den Umschlag zwischen Schiff und Bahn und «Limmattal» als Umladestation für die Bahn. «Mit diesen beiden Projekten können wir den stark zunehmenden Containerverkehr bewältigen», sagt Rytz. Darum stellen SBB Cargo und der Bund auch finanzielle Beiträge an den Bau der Terminals in Aussicht.

Ein Grund, warum Hafendirektor Hadorn nun hofft, dass der Gateway samt Hafenbecken 3 bis 2016 fertiggestellt wird. Danach könnte das neue Wohn- und Geschäftsquartier am Rhein aufgezogen werden – falls die dort ansässigen Logistikunternehmen nicht auf ihre langfristigen Bauverträge pochen. Die Hafenleitung will ihnen einen Platz am neuen Containerterminal anbieten – eine Offerte, die für die Firmen offenbar interessant ist. André Auderset, Geschäftsführer der Schweizerischen Vereinigung für Schifffahrt und Hafenwirtschaft (SVS), spricht jedenfalls von einem gemeinsamen Werk: «Wenn wir in Basel konkurrenzfähig bleiben wollen, müssen wir diese Pläne unbedingt umsetzen.»

Mehr Diskussionen sind im Basler Kantons­parlament zu erwarten, das voraussichtlich über den Kredit für den Bau des Hafenbeckens entscheiden wird. Zumindest einen Teil der Ausgaben will Christoph Brutschin mit Baurechtszinsen für die neuen Häuser wieder hereinholen. Die Rechnung ist einfach: Je besser die privaten Investoren an den ­Wohnungen verdienen, desto mehr können sie dem Staat abgeben.

Naturschutz kündigt Einsprache an

Ein System, das neben den Hoffnungen auf gute Einnahmen auch Befürchtungen weckt. In Architekturkreisen sind jedenfalls schon jetzt neben Lobeshymnen auch kritische Stimmen zu hören. «Rheinhattan» sei zu unbescheiden für Basel – ein Schickimicki-­Projekt, in dem sich nur Reiche eine Wohnung leisten könnten. Offen sagt das in der Baubranche selbstverständlich niemand, solange es noch Aussicht auf den einen oder anderen interessanten Auftrag gibt. Umso entschlossener werden sich die Bedenken­träger wohl im Grossen Rat äussern.

Weiterer Widerstand ist von Seiten der Naturschützer zu erwarten. Pro Natura sorgt sich um die «ökologisch wertvolle» Pflanzen- und Tierwelt, die in den vergangenen Jahren bei den Bahngleisen entstanden ist. «Wir bezweifeln, dass die Tiere und Pflanzen den Ausbau schadlos überstehen könnten», sagt Geschäftsführer Thomas Schwarze. Darum müsse der Hafen mit einer Einsprache von Pro Na­tura rechnen. Noch hoffe Schwarze allerdings auf eine einvernehmliche Lösung – und genügend gros-sen Ersatzflächen.

Motorschäden, Krankheiten, Taifune

 

Echsen, Baurechtszinsen, Baurechtsverträge – noch gibt es einige Probleme, die Hadorn und Brutschin lösen müssen. Aber warum verzagen?

Was ist das schon im Vergleich zu den Abenteuern, welche die Männer aus dem Seemannskeller über­stehen mussten? Motorschäden, lebensgefährliche Krankheiten und Taifune. Allen Gefahren haben sie standgehalten, nur dem Container mussten sie sich beugen. Und diese erbarmungslose Kiste haben Hadorn und Brutschin ja schon mal auf ihrer Seite.

 

Weitere Fakten

«New Basel», «Rheinhattan»: Zumindest klingende Namen gibt es bereits für die grossen Projekte beim Kleinhüninger Hafen. Und auch an guten Ideen fehlt es nicht: Damit die Hochhäuser an möglichst spezieller Lage gebaut werden können, soll aus der Klybeck-Halbinsel eine echte Insel geschaffen werden – mit der Freilegung des Altrheins, der vor fast hundert Jahren zugeschüttet worden ist.

Ähnliche Projekte, wenn auch nicht ganz so ­spektakulär, gibt es am französischen und ­deutschen Ufer, in Hüningen und Weil. In diesem Herbst haben die drei Städte und Kommunen vereinbart, das Gebiet in den nächsten Jahren gemeinsam weiterzuentwickeln. «3Land» heisst das grenzüberschreitende Projekt, das zusammen mit dem holländischen Planungsbüro MVRDV und den Basler Planern Philippe Cabane und Martin ­Josephy erarbeitet worden ist.

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Reaktionen

  1. Verifiziert

    Tonja Zürcher

    am 18.12.2011, 22:10

    Basel will nun also auch zu den Metropolen der Welt gehören und ein protziges, neues Quartier in die Höhe ziehen. Warum eigentlich nicht? Zwar scheint ‘Rheinhatten’ etwas übertrieben für Basel. Trotzdem gefällt mir die Idee irgendwie. Spontan fallen mir jedoch drei wesentliche Bedingungen für dieses Projekt ein:

    1. Die Verkehrserschliessung muss umweltfreundlich und Städteinitiative-kompatibel, also möglichst autofrei, sein.
    2. Das Projekt darf nicht nur den Bestverdienenden dienen.
    3. Die... ... mehrBasel will nun also auch zu den Metropolen der Welt gehören und ein protziges, neues Quartier in die Höhe ziehen. Warum eigentlich nicht? Zwar scheint ‘Rheinhatten’ etwas übertrieben für Basel. Trotzdem gefällt mir die Idee irgendwie. Spontan fallen mir jedoch drei wesentliche Bedingungen für dieses Projekt ein:

    1. Die Verkehrserschliessung muss umweltfreundlich und Städteinitiative-kompatibel, also möglichst autofrei, sein.
    2. Das Projekt darf nicht nur den Bestverdienenden dienen.
    3. Die Natur darf nicht den Kürzeren ziehen.

    Bevor man sich also in diese städtebauliche Idee verliebt, gibt es also noch eine Menge zu klären.

  2. Claudia Studer

    am 26.12.2011, 17:36

    Mir stellen sich angesichts Rheinhattan zwei Fragen: Warum braucht Basel ausgerechnet im Klybeck nochmals 10'000 EinwohnerInnen? Und wie sieht eine moderne Stadtvision angesichts Peak-Oil aus?
    Im Klybeck wohnen heute etwa 7'000 Personen ziemlich dicht gedrängt (mit der höchsten Personenzahl pro Wohnung und der kleinsten m2-Zahl Wohnraum pro Person in Basel). Bereits heute nutzen wir QuartierbewohnerInnen das Hafenareal als dringend benötigte Naherholungszone. Wird diesem Quartier ein... ... mehrMir stellen sich angesichts Rheinhattan zwei Fragen: Warum braucht Basel ausgerechnet im Klybeck nochmals 10'000 EinwohnerInnen? Und wie sieht eine moderne Stadtvision angesichts Peak-Oil aus?
    Im Klybeck wohnen heute etwa 7'000 Personen ziemlich dicht gedrängt (mit der höchsten Personenzahl pro Wohnung und der kleinsten m2-Zahl Wohnraum pro Person in Basel). Bereits heute nutzen wir QuartierbewohnerInnen das Hafenareal als dringend benötigte Naherholungszone. Wird diesem Quartier ein Manhatten für 10'000 Personen vor den Rhein gesetzt, macht die Stadtplanung mit Absicht das Klybeck zur Bronx.
    Falls Basel im 2020 aber tatsächlich Wohnraum für 10'000 Menschen mehr brauchen sollte, dann frage ich mich, warum sieht die Entwicklungsvision von Behörde und Architekten dermassen nach 60er Jahre aus? Es gibt doch inzwischen andere Herausforderungen: Wie gehen wir damit um, dass unser Energieträger Nr. 1, das Erdöl, immer seltener und teurer werden wird? Diese Veränderung wird nicht nur die Automobilität und die Heizkosten betreffen, sondern den gesamten Warenhandel und insbesondere auch unsere erdölintensive Lebensmittelproduktion. Wie sieht die Transition-Town Rheinhattan aus?
    Wir brauchen nicht Bauklötzchen spielende grosse Buben als Entscheidungsträger - sondern Menschen ohne Angst vor der Realität.

  3. michaelperini

    am 28.12.2011, 23:49

    Vielleicht könnte es ja eine gute Entscheidung sein, hier im Kleinbasel mehr Häuser zu bauen und dafür im Umland die autoabhängige Agglomeration zu meiden. Ganz witzlos ist ProNatura, die in einem Hafenareal (!) Pflanzen schützen will, während in den Alpen ganze Skipisten ausgebaut werden. Schützen, wo es sinnvoll ist und wo wir Menschen auch etwas davon mitbekommen. Ein paar Neophyten in einem städtischen Hafen interessieren wohl nur Pflanzenkenner. Ich habe den Verdacht, dass ProNatura... ... mehrVielleicht könnte es ja eine gute Entscheidung sein, hier im Kleinbasel mehr Häuser zu bauen und dafür im Umland die autoabhängige Agglomeration zu meiden. Ganz witzlos ist ProNatura, die in einem Hafenareal (!) Pflanzen schützen will, während in den Alpen ganze Skipisten ausgebaut werden. Schützen, wo es sinnvoll ist und wo wir Menschen auch etwas davon mitbekommen. Ein paar Neophyten in einem städtischen Hafen interessieren wohl nur Pflanzenkenner. Ich habe den Verdacht, dass ProNatura damit rechnet, im rotgrünen Basel mehr zu erreichen als in den katholischen Kerngebieten. Tja.

    Viel wichtiger ist doch, ob diese Wohnungen hier nicht zu einer verhassten Gentrifizierung führen! Die Häuser am Rheinhafen sind von eher zweifelhafter Natur - aber dafür frei, lärmig und wirklich tolerant gegenüber allen. Dort wird gesoffen, Schicht gearbeitet, parkiert, grilliert, herumgetollt (Schulhaus!) und noch vieles mehr. Die Menschen dort nehmen aufeinander soweit es passt Rücksicht oder nehmen schlicht in Kauf, dass man halt etwas hört. Wer von den Chemievielverdienern will schon dorthin ziehen? Schweizer garantiert nicht! Was ist, wenn die neue Kohorte Kinder kriegt und aufs Land zieht? Dann bleibt das Untere Kleinbasel auf ewig eine Durchgangsstation, mit Kleinhätten auch für solche, die mehr als 3000.-/Monat zur Verfügung haben. Ha!

  4. rejeanne

    am 29.12.2011, 11:20

    Ich bin keine grosse Pflanzenkennerin. Aber ich würde es trotzdem schade finden, wenn diese "paar Neophyten" im Hafenareal verschwänden. Naturschutz fängt im Kleinen an und vor allem fängt er vor der eigenen Haustüre an. Auch - oder gerade - in städtischen Gebiet können sich Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere entwickeln, welche an ihren ursprünglichen Standorten durch zunehmend intensive Nutzung unter Druck geraten und verschwinden. Natürlich werden in den Alpen ganze Hänge planiert,... ... mehrIch bin keine grosse Pflanzenkennerin. Aber ich würde es trotzdem schade finden, wenn diese "paar Neophyten" im Hafenareal verschwänden. Naturschutz fängt im Kleinen an und vor allem fängt er vor der eigenen Haustüre an. Auch - oder gerade - in städtischen Gebiet können sich Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere entwickeln, welche an ihren ursprünglichen Standorten durch zunehmend intensive Nutzung unter Druck geraten und verschwinden. Natürlich werden in den Alpen ganze Hänge planiert, aber ProNatura erhebt dort nicht weniger Einspruch als hier im Basler Hafengebiet. Irgendwie erinnert mich Ihre Argumentation an das Phänomen, dass wir in der Schweiz jammern, dass in Afrika die Nashörner und Elefanten vom Aussterben bedroht sind, aber gleichzeitig kaum etwas unternehmen, um Hase und Co. hier zu schützen.

  1. Verifiziert

    Tonja Zürcher

    am 18.12.2011, 22:10

    Basel will nun also auch zu den Metropolen der Welt gehören und ein protziges, neues Quartier in die Höhe ziehen. Warum eigentlich nicht? Zwar scheint ‘Rheinhatten’ etwas übertrieben für Basel. Trotzdem gefällt mir die Idee irgendwie. Spontan fallen mir jedoch drei wesentliche Bedingungen für dieses Projekt ein:

    1. Die Verkehrserschliessung muss umweltfreundlich und Städteinitiative-kompatibel, also möglichst autofrei, sein.
    2. Das Projekt darf nicht nur den Bestverdienenden dienen.
    3. Die... mehrBasel will nun also auch zu den Metropolen der Welt gehören und ein protziges, neues Quartier in die Höhe ziehen. Warum eigentlich nicht? Zwar scheint ‘Rheinhatten’ etwas übertrieben für Basel. Trotzdem gefällt mir die Idee irgendwie. Spontan fallen mir jedoch drei wesentliche Bedingungen für dieses Projekt ein:

    1. Die Verkehrserschliessung muss umweltfreundlich und Städteinitiative-kompatibel, also möglichst autofrei, sein.
    2. Das Projekt darf nicht nur den Bestverdienenden dienen.
    3. Die Natur darf nicht den Kürzeren ziehen.

    Bevor man sich also in diese städtebauliche Idee verliebt, gibt es also noch eine Menge zu klären.

  2. Claudia Studer

    am 26.12.2011, 17:36

    Mir stellen sich angesichts Rheinhattan zwei Fragen: Warum braucht Basel ausgerechnet im Klybeck nochmals 10'000 EinwohnerInnen? Und wie sieht eine moderne Stadtvision angesichts Peak-Oil aus?
    Im Klybeck wohnen heute etwa 7'000 Personen ziemlich dicht gedrängt (mit der höchsten Personenzahl pro Wohnung und der kleinsten m2-Zahl Wohnraum pro Person in Basel). Bereits heute nutzen wir QuartierbewohnerInnen das Hafenareal als dringend benötigte Naherholungszone. Wird diesem Quartier ein... mehrMir stellen sich angesichts Rheinhattan zwei Fragen: Warum braucht Basel ausgerechnet im Klybeck nochmals 10'000 EinwohnerInnen? Und wie sieht eine moderne Stadtvision angesichts Peak-Oil aus?
    Im Klybeck wohnen heute etwa 7'000 Personen ziemlich dicht gedrängt (mit der höchsten Personenzahl pro Wohnung und der kleinsten m2-Zahl Wohnraum pro Person in Basel). Bereits heute nutzen wir QuartierbewohnerInnen das Hafenareal als dringend benötigte Naherholungszone. Wird diesem Quartier ein Manhatten für 10'000 Personen vor den Rhein gesetzt, macht die Stadtplanung mit Absicht das Klybeck zur Bronx.
    Falls Basel im 2020 aber tatsächlich Wohnraum für 10'000 Menschen mehr brauchen sollte, dann frage ich mich, warum sieht die Entwicklungsvision von Behörde und Architekten dermassen nach 60er Jahre aus? Es gibt doch inzwischen andere Herausforderungen: Wie gehen wir damit um, dass unser Energieträger Nr. 1, das Erdöl, immer seltener und teurer werden wird? Diese Veränderung wird nicht nur die Automobilität und die Heizkosten betreffen, sondern den gesamten Warenhandel und insbesondere auch unsere erdölintensive Lebensmittelproduktion. Wie sieht die Transition-Town Rheinhattan aus?
    Wir brauchen nicht Bauklötzchen spielende grosse Buben als Entscheidungsträger - sondern Menschen ohne Angst vor der Realität.

  3. Verifiziert

    Karl Linder

    am 27.12.2011, 12:29

    Ich bin gegen Verklärung einer Situation, Frau Claudia Studer. Man soll das Quartier so sehen wie es ist. Es hat seine schönen Seiten und Entwicklungen, aber zeigt auch seine grässliche Fratze. Klybeck soll nicht Bronx werden? Klybeck ist teilw. schon Bronx, wenn man mit offenen Augen durchs Quartier geht. Und sie können mir glauben, dass ich die Lage durchaus einschätzen kann - ich habe die ersten 20 Jahre meines Lebens da verbracht. Ich befürworte eine attraktiv gestaltete Wohnsituation im... mehrIch bin gegen Verklärung einer Situation, Frau Claudia Studer. Man soll das Quartier so sehen wie es ist. Es hat seine schönen Seiten und Entwicklungen, aber zeigt auch seine grässliche Fratze. Klybeck soll nicht Bronx werden? Klybeck ist teilw. schon Bronx, wenn man mit offenen Augen durchs Quartier geht. Und sie können mir glauben, dass ich die Lage durchaus einschätzen kann - ich habe die ersten 20 Jahre meines Lebens da verbracht. Ich befürworte eine attraktiv gestaltete Wohnsituation im Rhein, genau dies kommt voll dem Quartier zu Gute! Man stelle sich vor, die Inselstrasse/Ackerstrasse/Klybeckstrasse haben direkter Zugang zum Rhein, eine klar bessere Wohnqualität für alle Bewohner des Quartiers wäre möglich! (Wenn die Geleise weg sind..). Eine neue Durchmischung des Quartiers wäre greifbar (..mit attraktiveren Primarschulen). Kurz: Eine Aufwertung des Quartiers. Wer dies nicht will, angesichts der Probleme im Quartier, der macht sich nicht nachhaltig Gedanken zur Lage.

  4. michaelperini

    am 28.12.2011, 23:49

    Vielleicht könnte es ja eine gute Entscheidung sein, hier im Kleinbasel mehr Häuser zu bauen und dafür im Umland die autoabhängige Agglomeration zu meiden. Ganz witzlos ist ProNatura, die in einem Hafenareal (!) Pflanzen schützen will, während in den Alpen ganze Skipisten ausgebaut werden. Schützen, wo es sinnvoll ist und wo wir Menschen auch etwas davon mitbekommen. Ein paar Neophyten in einem städtischen Hafen interessieren wohl nur Pflanzenkenner. Ich habe den Verdacht, dass ProNatura... mehrVielleicht könnte es ja eine gute Entscheidung sein, hier im Kleinbasel mehr Häuser zu bauen und dafür im Umland die autoabhängige Agglomeration zu meiden. Ganz witzlos ist ProNatura, die in einem Hafenareal (!) Pflanzen schützen will, während in den Alpen ganze Skipisten ausgebaut werden. Schützen, wo es sinnvoll ist und wo wir Menschen auch etwas davon mitbekommen. Ein paar Neophyten in einem städtischen Hafen interessieren wohl nur Pflanzenkenner. Ich habe den Verdacht, dass ProNatura damit rechnet, im rotgrünen Basel mehr zu erreichen als in den katholischen Kerngebieten. Tja.

    Viel wichtiger ist doch, ob diese Wohnungen hier nicht zu einer verhassten Gentrifizierung führen! Die Häuser am Rheinhafen sind von eher zweifelhafter Natur - aber dafür frei, lärmig und wirklich tolerant gegenüber allen. Dort wird gesoffen, Schicht gearbeitet, parkiert, grilliert, herumgetollt (Schulhaus!) und noch vieles mehr. Die Menschen dort nehmen aufeinander soweit es passt Rücksicht oder nehmen schlicht in Kauf, dass man halt etwas hört. Wer von den Chemievielverdienern will schon dorthin ziehen? Schweizer garantiert nicht! Was ist, wenn die neue Kohorte Kinder kriegt und aufs Land zieht? Dann bleibt das Untere Kleinbasel auf ewig eine Durchgangsstation, mit Kleinhätten auch für solche, die mehr als 3000.-/Monat zur Verfügung haben. Ha!

  5. rejeanne

    am 29.12.2011, 11:20

    Ich bin keine grosse Pflanzenkennerin. Aber ich würde es trotzdem schade finden, wenn diese "paar Neophyten" im Hafenareal verschwänden. Naturschutz fängt im Kleinen an und vor allem fängt er vor der eigenen Haustüre an. Auch - oder gerade - in städtischen Gebiet können sich Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere entwickeln, welche an ihren ursprünglichen Standorten durch zunehmend intensive Nutzung unter Druck geraten und verschwinden. Natürlich werden in den Alpen ganze Hänge planiert,... mehrIch bin keine grosse Pflanzenkennerin. Aber ich würde es trotzdem schade finden, wenn diese "paar Neophyten" im Hafenareal verschwänden. Naturschutz fängt im Kleinen an und vor allem fängt er vor der eigenen Haustüre an. Auch - oder gerade - in städtischen Gebiet können sich Rückzugsgebiete für Pflanzen und Tiere entwickeln, welche an ihren ursprünglichen Standorten durch zunehmend intensive Nutzung unter Druck geraten und verschwinden. Natürlich werden in den Alpen ganze Hänge planiert, aber ProNatura erhebt dort nicht weniger Einspruch als hier im Basler Hafengebiet. Irgendwie erinnert mich Ihre Argumentation an das Phänomen, dass wir in der Schweiz jammern, dass in Afrika die Nashörner und Elefanten vom Aussterben bedroht sind, aber gleichzeitig kaum etwas unternehmen, um Hase und Co. hier zu schützen.

  6. René Reinhard

    am 29.12.2011, 23:55

    Ich hab’ mich schlaugemacht. Oder wenigstens halbschlau. «Neophyten» sind gebietsfremde oder sogenannte Problempflanzen. Und die passen doch bestens in ein Gebiet, in das auch ein grosser Teil der Bevölkerung «eingewandert», respektive «eingebürgert» ist. Wer weiss, vielleicht will «Pro Natura» ja beides schützen, das Eine, die Pflanzen und Tiere, vor der Zubetonierung, das Andere, die dort schon ansässigen Menschen, vor einer «Umsiedlung». Ich fände beides lobenswert.

  7. Verifiziert

    Philippe Bovet

    am 24.01.2012, 22:27

    Wenn Rheinhattan für morgen und übermorgen geplant ist, dann müssen wir wirklich an morgen denken. Das Viertel soll also Energie-positiv und autofrei sein. Das heisst zum Beispiel: Die Gebäude müssen nach dem Standard Minergie P gebaut werden, und falls sie viele Glasfassaden aufweisent, dann müssen die gut orientierten mit Fotovoltaik bestückt werden. Der Bau von Hochhäusern ermöglicht zwar etwas Dichte, verlangt aber viel Energie. Der Alltag solcher Bauten ist auch Energie-aufwendig, wenn... mehrWenn Rheinhattan für morgen und übermorgen geplant ist, dann müssen wir wirklich an morgen denken. Das Viertel soll also Energie-positiv und autofrei sein. Das heisst zum Beispiel: Die Gebäude müssen nach dem Standard Minergie P gebaut werden, und falls sie viele Glasfassaden aufweisent, dann müssen die gut orientierten mit Fotovoltaik bestückt werden. Der Bau von Hochhäusern ermöglicht zwar etwas Dichte, verlangt aber viel Energie. Der Alltag solcher Bauten ist auch Energie-aufwendig, wenn man nicht aufpasst, u.a.durch die sommerliche Überhitzung und die Fahrstühle. Hochbauten werden zur Katastrophe, wenn man sie mit vielen unter- oder überirdischen Parkplätzen baut.
    Das Londoner Hochhaus The Gherkin (die Gurke, offizielle Adresse 30st St-Mary Street) wurde im Mai 2005 eingeweiht. Es hat 40 Etagen, ist 180 Meter hoch, beherbergt 4000 Mitarbeiter und hat nur circa 30 Parkplätzen. Der Architekt Rezo Piano, der die Fondation Beyeler gebaut hat, arbeitet in London am höchsten Hochhaus der Stadt, das auch eines der höchsten Westeuropas sein wird. Etwas 320 m hoch, eine Mischung aus Büro, Luxushotel und Wohnungen. Es wird nur 47 Parkplätze haben. Quelle: s-archetype.blogspot.com/2009/03/renzo-piano-shard-at-london-bridge.html  
    Man kann also für morgen anders bauen !

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