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TagesWoche

Tages Woche

So, 19.05.2013

Kunstkredit Basel-Stadt 

18.11.2011, 00:01 Uhr

Neue Ideen für den Kunstkredit

18.11.2011, 00:01 Uhr

Die Verordnung des Kunstkredits Basel-Stadt soll nach 20 Jahren rundum erneuert werden. Von Karen N. Gerig

Rund 350 Personen waren es, die Anfang August einen offenen Brief an Regierungspräsident Guy Morin unterschrieben. Lanciert worden war das Schreiben von namentlich nicht genannten Exponenten der Basler Künstlerschaft.

Grund dafür war die Empörung darüber, dass festgesetzte Termine in der Ausschreibung des Basler Kunstkredits vorverschoben worden waren – ohne dass man dies kommuniziert hatte. Die jährliche Ausstellung der prämierten Werke war plötzlich statt auf Mitte Oktober auf Anfang September angesetzt: Sechs Wochen weniger Zeit zur Ausarbeitung der eingereichten Werke und Projekte wäre das Resultat für die teilnehmenden Kunstschaffenden gewesen.

Empörte Stimmen

Die Unterzeichner des Briefes forderten einiges: dass die Termine wie in der Ausschreibung kommuniziert eingehalten werden sollten, dass «der Kunstkredit Basel-Stadt auch in Zukunft eine initiative und handlungs­fähige Kommission» bleibe, und dass man die Personalie Peter Stohler, ­baselstädtischer Kulturbeauftragter und Kommissionsvorsitzender beim Kunstkredit, überdenke.

Eine Teilantwort erhielten die Initianten des Briefes beinahe umgehend: Zwei Tage nach Aufsetzen des Briefes wurde der 18. November als neuer Eröffnungstermin für die Ausstellung bekannt gegeben.


Heute Freitag wird die Werkschau, die alljährlich das Potenzial der Basler Künstlerschaft aufzeigen will, in der Ausstellungshalle Oslo 12 auf dem Dreispitzareal eröffnet. Die Empörung, die im Sommer durch die Künstlerschaft schwappte, scheint abgeebbt zu sein. Trotzdem hat sie ihre Spuren hinterlassen: In den letzten Monaten hat man beim Kanton beschlossen, die 20 Jahre alte Verordnung des Kunstkredits einem Totallifting zu unterziehen. Für das Jahr 2012 wird sich zwar vorerst nichts ändern, doch ab Januar soll eine Arbeitsgruppe mit der Durchleuchtung der bestehenden Struktur beginnen und neue Ideen entwickeln, wie Philippe Bischof, Leiter Abteilung Kultur Basel-Stadt, bestätigt: «Unklare oder überholte Definitionen in der Verordnung sollen endlich ausgemerzt werden.» Die Arbeitsgruppe wird aus internen und externen Leuten zusammengesetzt sein. Gleichzeitig wird Bischof ein Leitbild erarbeiten lassen.

Raus in die Stadt

In beiden Gruppen werde alles unter die Lupe genommen, von der Art der Fördergefässe, der Mitgliederanzahl der Kommission (heute elf) über die Zuständigkeiten und Kompetenzen bis hin zur Rolle, die der Kunstkredit in der Stadt zu spielen habe. Denn wie viele Kunstschaffende ist der Kulturchef unglücklich darüber, dass der Kunstkredit wie ein in sich geschlossenes Biotop funktioniert. Auch er wünscht sich mehr Vermittlung, Dialog und Handlungsspielräume.


«Die Diskussion um den Kunstkredit wird in Basel sehr emotional geführt», meint Bischof. Über die Gründe dafür ist er sich nicht ganz im Klaren. «Dem würde ich auch gerne auf den Grund gehen.» Er fordert deshalb auch Abklärungen über die Lage der Basler Kunstschaffenden im Allgemeinen – in Bezug auf Ausstellungsmöglichkeiten, auf ihre Platzierung im Markt. «Wir wollen erfahren, wie ein produktiver Zusammenhang zwischen der kantonalen Sammlungstätigkeit und einer zeitgemässen Vermittlung und Künstlerförderung idealerweise auszusehen hat», so Bischof. Themen stehen viel im Raum, etwa die Idee von Kuratorenförderung, die Form der jährlichen Ausstellung oder die Frage, ob die Kommission stärker kuratorisch statt wie bisher nur beratend arbeitet.


Was bei der Evaluation herauskommen werde, sei ergebnisoffen, sagt Bischof. «Aber dass alles beim Alten bleibt, halte ich für nicht sehr wahrscheinlich – ausser, dass der Kunstkredit natürlich bestehen bleiben muss.» Bis Sommer 2012 will er erste Resultate sehen, im Herbst dann soll die Verordnung soweit ausgearbeitet sein, dass sie auf Anfang 2013 in Kraft gesetzt werden kann. «Der Zeitpunkt wäre insofern günstig gewählt, weil Ende 2012 die Mehrzahl der Kommissionsmitglieder erneuert werden muss.»

Beschleunigter Prozess

Die Überarbeitung sei nur teilweise als Reaktion auf die Vorkommnisse des Sommers zu verstehen, betont Bischof. Bereits bei der Lektüre des Überblickbuches «Kunstkredit Basel-Stadt 1990–2009», das vor einem Jahr erschienen ist, sei ihm klar geworden, dass die bestehenden Förderstrukturen der aktuellen Situation auf dem Kunstplatz Basel nur noch teilweise gerecht werden. Die Empörung der Künstlerschaft habe diesen Prozess jetzt allerdings beschleunigt, gibt er zu.

Als Vorbereitung der angedachten Neuerungen sind zwei neue Kommissionsmitglieder vorerst nur auf ein Jahr gewählt worden; die reguläre Amtsdauer beträgt eigentlich vier Jahre. Damit besteht die Möglichkeit einer gesamthaften Betrachtung. «Erst wollen wir eine neue Verordnung erarbeiten, dann werden wir wissen, in welcher Form diese ideal umgesetzt werden kann», sagt er dazu.

Neuer Raum für 2012

Die Ausstellung des Kunstkredits gab immer wieder Anlass zu Diskussionen. Da der Kunstkredit selber über keine Räume verfügt, muss er sich jeweils in andere Häuser einmieten. Viele Häuser jedoch sind nicht geeignet, andere stellen inakzeptable Bedingungen. Zwölf Jahre lang stellte der Kunstkredit deshalb auf Baselbieter Boden, im Kunsthaus Baselland in Muttenz, aus – bis 2010, als man aus Kostengründen ins Schweizerische Architekturmuseum (S AM) umzog. Hier konnte man zwar städtische Kunst wieder auf städtischem Boden zeigen, jedoch wurden die beengten Raumverhältnisse bemängelt. 2011 findet die Werkschau wegen der Terminverschiebung nun wieder auf Baselbieter Boden statt, in einer alten Fabrikhalle auf dem Dreispitzareal diesmal, dem Oslo 12. Das Ziel bleibt aber, künftig in der Stadt auszustellen, wie Peter Stohler, Kommissionsvorsitzender des Kunstkredits, bestätigt. Für 2012 geht dieser Wunsch zumindest in Erfüllung: Ende September wird die Ausstellung im Depot Basel, einem ehemaligen Getreidesilo auf dem Erlenmattareal, eröffnet werden. Für 2013 geht dann die Suche von Neuem los.

  1. Kunstkredit

    von Samuel Eugster am 21.11.2011 um 10:15Uhr

    Wenn es doch so einfach wäre.
    (auch ich habe als Künstler diesen Sommer gegen die Missstände im Basler Kunstkredit protestiert, aber ...)

    Ist das nur eine kleine Krise der alten Institution KunstKredit, die mit einer schnellen Überarbeitung behoben werden kann? Oder eine Krise der Kulturpolitik? Oder eine Krise der Kunst? Au Wei, auch wir sind in der Krise? Und auch bei uns ist sie systemverursacht?
    Wenn ich mir so überlege, wo und inwiefern unsere Arbeit als KünstlerInnen willkommen ist: Im Stadtmarketing, in der Tourismus- und Konsumförderung, im Standortwettbewerb, als erfolgreiche Teilnehmer am Kunstmarkt (Jaja auch als weniger "erfolgreiche", solange wir das Image aufpolieren, solange wir als Feigenblatt zu brauchen sind und solange wir dem Staat finanziell nicht auf der Tasche liegen). Kunst ist zum Schmieröl für eine zum Selbstläufer gewordene Ökonomie, vor allem der Finanzindustrie verkommen.

    Darum sind wir ja auch gefragt als sog. "Leuchttürme". Die polieren das Image einer Stadt so toll auf. Mit den Leuchttürmen ist es etwa so wie mit der Weihnachtsbeleuchtung: Immer mehr Licht – immer weniger Erleuchtung. Ja, unser System produziert Unsinn. Sehr teuren Nonsens. So viel Normierung müsste eigentlich gestalterische Gegenkräfte auf den Plan rufen. Passiert aber nicht, weder bei der Kunst noch bei der Politik. Viel Leuchtturm und grosse Beleuchtung der Weihnacht sei wirtschaftsfördernd, sagt man. Man missbraucht uns. Und wir lassen uns missbrauchen. Keine Spur von Widerstand gegen eine alles bestimmende Ökonomie.

    Dabei wäre Nonsens – Nicht-Sinn, nicht einmal das Dümmste, was wir als KünstlerInnen produzieren. Um zu einem neuen Sinn-Verständnis zu kommen braucht es den Umweg über den Nicht-Sinn. Eine alte Narren-Weisheit. Da wir uns aber jeden Unsinn mit barer Münze abkaufen lassen, wirkt er nicht mehr. Und wir sind ausgetrickst.

    Lieber Philippe Bischof, lesen Sie im von Ihnen erwähnten Buch "Kunstkredit Basel-Stadt 1990-2009" den Artikel von Rachel Mader, S.19-22, nochmals ganz gut durch. Die Autorin frägt nach "dem Ort der Kunst in der Gesellschaft". Sie bedauert, dass "Die Vorstellung, Kunst habe eine gesellschaftliche Relevanz, leiste wichtige Beiträge zu aktuellen Themen und stelle nicht nur ein Vergnügen für eingeweihte Kreise dar" kein Thema ist in der Kulturpolitik. Und sie findet es fragwürdig, dass man "die Kunstschaffenden in ihrem gesellschaftlichen Sonderstatus belässt."

    Das sind Sätze von höchster Dringlichkeit. Sie zielen auf einen Dialog – jenen Dialog vielleicht, der seit Jahrzehnten im Büchlein beschworen, aber nicht praktiziert wird? Vielleicht. Aber es braucht mehr. Mader bezweifelt zu Recht, dass es reicht, die Kunstschaffenden zu befragen. Auch wenn wir Künstler überzeugt sind, täglich die Welt neu erfinden zu müssen und zu können. Wir sind keine Genies. Und dass es "der Markt", der mit der "art basel" die lokale Szene zerstört hat, richten kann, sollten wir nach vierzig Jahren auch begriffen haben. Es braucht einen multilateralen Dialog, der nicht nur von oben nach unten und auch nicht nur von unten nach oben in Gang kommen kann. Dialoge zu "aktuellen Themen" wie etwa Verkehr, Leben in einer versprayten Stadt, in einer agglomerationierten Nachbarschaft, Wohnen im anonym gewordenen Quartier; Themen, die nicht um Konsum sondern um die Identität der BewohnerInnen kreisen. Das braucht Instrumente, die erst mal erfunden, entwickelt, dann erprobt und schliesslich angewendet werden müssen. Kein einfaches Unternehmen.

    Direktlink zum Kommentar

  1. Kunstkredit

    von Samuel Eugster um 21.11.2011 um 10:15Uhr

    Wenn es doch so einfach wäre.
    (auch ich habe als Künstler diesen Sommer gegen die Missstände im Basler Kunstkredit protestiert, aber ...)

    Ist das nur eine kleine Krise der alten Institution KunstKredit, die mit einer schnellen Überarbeitung behoben werden kann? Oder eine Krise der Kulturpolitik? Oder eine Krise der Kunst? Au Wei, auch wir sind in der Krise? Und auch bei uns ist sie systemverursacht?
    Wenn ich mir so überlege, wo und inwiefern unsere Arbeit als KünstlerInnen willkommen ist: Im Stadtmarketing, in der Tourismus- und Konsumförderung, im Standortwettbewerb, als erfolgreiche Teilnehmer am Kunstmarkt (Jaja auch als weniger "erfolgreiche", solange wir das Image aufpolieren, solange wir als Feigenblatt zu brauchen sind und solange wir dem Staat finanziell nicht auf der Tasche liegen). Kunst ist zum Schmieröl für eine zum Selbstläufer gewordene Ökonomie, vor allem der Finanzindustrie verkommen.

    Darum sind wir ja auch gefragt als sog. "Leuchttürme". Die polieren das Image einer Stadt so toll auf. Mit den Leuchttürmen ist es etwa so wie mit der Weihnachtsbeleuchtung: Immer mehr Licht – immer weniger Erleuchtung. Ja, unser System produziert Unsinn. Sehr teuren Nonsens. So viel Normierung müsste eigentlich gestalterische Gegenkräfte auf den Plan rufen. Passiert aber nicht, weder bei der Kunst noch bei der Politik. Viel Leuchtturm und grosse Beleuchtung der Weihnacht sei wirtschaftsfördernd, sagt man. Man missbraucht uns. Und wir lassen uns missbrauchen. Keine Spur von Widerstand gegen eine alles bestimmende Ökonomie.

    Dabei wäre Nonsens – Nicht-Sinn, nicht einmal das Dümmste, was wir als KünstlerInnen produzieren. Um zu einem neuen Sinn-Verständnis zu kommen braucht es den Umweg über den Nicht-Sinn. Eine alte Narren-Weisheit. Da wir uns aber jeden Unsinn mit barer Münze abkaufen lassen, wirkt er nicht mehr. Und wir sind ausgetrickst.

    Lieber Philippe Bischof, lesen Sie im von Ihnen erwähnten Buch "Kunstkredit Basel-Stadt 1990-2009" den Artikel von Rachel Mader, S.19-22, nochmals ganz gut durch. Die Autorin frägt nach "dem Ort der Kunst in der Gesellschaft". Sie bedauert, dass "Die Vorstellung, Kunst habe eine gesellschaftliche Relevanz, leiste wichtige Beiträge zu aktuellen Themen und stelle nicht nur ein Vergnügen für eingeweihte Kreise dar" kein Thema ist in der Kulturpolitik. Und sie findet es fragwürdig, dass man "die Kunstschaffenden in ihrem gesellschaftlichen Sonderstatus belässt."

    Das sind Sätze von höchster Dringlichkeit. Sie zielen auf einen Dialog – jenen Dialog vielleicht, der seit Jahrzehnten im Büchlein beschworen, aber nicht praktiziert wird? Vielleicht. Aber es braucht mehr. Mader bezweifelt zu Recht, dass es reicht, die Kunstschaffenden zu befragen. Auch wenn wir Künstler überzeugt sind, täglich die Welt neu erfinden zu müssen und zu können. Wir sind keine Genies. Und dass es "der Markt", der mit der "art basel" die lokale Szene zerstört hat, richten kann, sollten wir nach vierzig Jahren auch begriffen haben. Es braucht einen multilateralen Dialog, der nicht nur von oben nach unten und auch nicht nur von unten nach oben in Gang kommen kann. Dialoge zu "aktuellen Themen" wie etwa Verkehr, Leben in einer versprayten Stadt, in einer agglomerationierten Nachbarschaft, Wohnen im anonym gewordenen Quartier; Themen, die nicht um Konsum sondern um die Identität der BewohnerInnen kreisen. Das braucht Instrumente, die erst mal erfunden, entwickelt, dann erprobt und schliesslich angewendet werden müssen. Kein einfaches Unternehmen.

    Direktlink zum Kommentar

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Informationen zum Artikel

18.11.2011, 00:01 Uhr

Neue Ideen für den Kunstkredit

Text

Text:

  • 17.05.2013 um 14:06
    Bilder gehen wohl doch auf Wanderschaft

    Teile der Sammlung sollen während der Schliessung des Kunstmuseums nun eventuell doch im Ausland zu sehen sein. An einer Medienkonferenz wurde am Freitag sonst vor allem erklärt, aber wenig Neues bekannt gegeben.

  • 08.05.2013 um 16:57
    Immer noch voller Pläne

    Seit 20 Jahren führt Tony Wuethrich seine Galerie an der Vogesenstrasse. Ein Grund zum Feiern.

  • 08.05.2013 um 10:44
    Das Kunstmuseum macht ein Jahr Pause

    Das Kunstmuseum Basel muss wegen Sanierungsarbeiten ab Februar 2015 für ein Jahr seine Türen schliessen. Gemeinsam mit dem Erweiterungsbau soll der aufgefrischte Altbau im März 2016 wiedereröffnet werden.

  • 07.05.2013 um 16:08
    Comixshop
    Zum Artikel: Basler Kult.kino Atelier will expandieren

    Liebe Frau Suess, wie mir gerade offiziell bestätigt wurde: Der Comixshop wird sicher in der Thaterpassage verbleiben – dies auf ausdrücklichen Wunsch der kult.kino-Leute, die dessen Nachbarschaft sehr schätzen, wie Suzanne Schweizer mir soeben versich...

  • 26.01.2013 um 20:14
    Fotostrecke
    Zum Artikel: Ein Auftakt nach Mass

    Lieber Kulturbetrachter, tatsächlich haben wir ansonsten noch keine Klagen erhalten, und bei uns funktionieren die Fotostrecken auch von ausserhalb. Ich leite das Problem aber gerne trotzdem mal an unsere Techniker weiter. Schönen Wochenendrest, Karen ...

  • 23.12.2012 um 14:06
    Heieiei....
    Zum Artikel: 7 Weihnachtsfilme für Stubenhocker

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