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TagesWoche

Tages Woche

Do, 17.05.2012

Basel 

11.11.2011, 02:00 Uhr

Was die Basler wirklich über die Baselbieter denken

11.11.2011, 02:00 Uhr

Keine Identität, keine Ideen, keine richtiger Kanton: Im Schutz der Anonymität lassen die Basler alle Hemmungen fallen – wie eine kleine Umfrage zeigt. Von Michael Rockenbach, Martina Rutschmann und Philipp Loser

 

Man kennt sie nur zu gut, all die gewundenen und bemüht liebevollen Bemerkungen der Städter über die Landschaft. Wie wichtig die Partnerschaft doch sei, wie wertvoll die Zusammenarbeit, wie freundlich und aufrichtig die Menschen.

Spricht man jedoch «unter uns» und verlässt den Bereich des Zitierfähigen, tönt es ganz anders. Die Pauschalisierungen, über die seit der Kantons­trennung lamentiert wird, die gibt es immer noch. Die TagesWoche hat verschiedene einflussreiche städtische Exponenten gefragt, was sie wirklich vom Baselbiet halten – und ihnen den Schutz der Anonymität versprochen. Herausgekommen ist ein Bild von … naja, verstörender Ehrlichkeit.

Beginnen wir mit der Politik. Die hat, egal ob links oder rechts, eine ­klare Meinung zur Leistung der Basel­bieter Regierung: ungenügend! «In Liestal sitzt eine Generation von Politikern an der Macht, die vom Trennungsgedanken regelrecht besessen ist. Vor allem dieser Ballmer ist aber sowas von vorgestern.» Schlimm, und hier spricht nun eine andere Politikerin, schlimm am Baselbiet sei auch die Wirtschaftskammer. Undurchsichtige Strukturen würden da herrschen, viel zu viel Macht sich ballen. «Es ist grundsätzlich so: Im Baselbiet haben ein paar wenige Leute das Sagen, die viel zu wenig leisten.»

«Euses Gärtli, euses Füürli»

Bei den Journalisten tönt es nicht besser. Zerrissen sei der Kanton, ohne Iden­tität. Der Agglomerationist halte sich für einen Baselbieter (er glaubt ja, auf dem Land zu wohnen), ist im Grunde aber ein Städter, sagt ein Journalist einer grösseren Basler Zeitung. «Der Agglomerationist legt sich wie verrückt ins Zeug für seine ursprüng­liche Absicht, ein Landschäftler zu sein, und grenzt sich, in totaler Verkennung der Realitäten, vom städtischen Zentrum ab.»

Auch einer aus der Welt der Justiz lässt kein gutes Haar am ­Baselbiet. «Die haben alles falsch gemacht, alles!», sagt ein Basler Anwalt und legt dann richtig los: «Jedes Kind weiss, dass ein Kanton in guten Zeiten sparen muss und in schlechten Zeiten eben nicht.» Die Baselbieter aber, die hätten es genau umgekehrt gemacht. Und sich damit in die Bredouille gebracht. Ein «isolierter Bauernkanton» sei es, der nicht mit Basel zusammenarbeiten könne. «Das Baselbiet kann mit gar niemandem arbeiten.» Getreu dem Motto: «Das isch euses Gärtli und euses Füürli.» Theater, Uni – sich aus der Affäre ziehen und trotzdem profitieren – so ticke es, das Baselbiet. Genau so.

Und schon wären wir wieder bei der leidigen Politik und den leidenden Politikern. Das Überraschendste an ihnen ist wohl, dass sie manchmal sogar so etwas wie Mitleid für die «frechen ­Baselbieter» verspüren. «Irgendwie haben sie ein Problem, ein Bewusstseinsproblem», räsoniert eine Basler Politgrösse: «Auch unter den einflussreichen Baselbietern haben viele noch das Gefühl, sie lebten in einem Agrarkanton.» Darum würden sie auch nicht wirklich begreifen, wie wichtig Institutionen wie die Universität oder die Fachhochschule für diese moderne ­Region seien.

Neben all der Kritik und dem Mitleid gibt es auch versöhnliche Stimmen. «Wenn ich mir die vielen Baselbieter ansehe, die morgens in die Stadt pendeln, muss ich feststellen: So anders sind die gar nicht», sagt ein weiterer bekannter Politiker: «Der Austausch unter den Menschen ist eigentlich bestens in der Region. Nur die Politiker haben Probleme. Und verursachen immer wieder neue.» Das findet auch ein Mann aus der Wirtschaftswelt. Er sagt nur: «Wenn ich sagen würde, was ich wirklich übers Baselbiet und die Politik denke, würde man mich in Bern von hinten erschiessen.»

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

  1. Das Leiden der Suburbanen

    von Lukas Hausendorf um 11.11.2011 um 13:05Uhr

    Der Unterbaselbieter Agglomerationist ist in der Regel alles andere als ein Überzeugungsbaselbieter. Denn er weiss, dass seine Wohngemeinde nur dank Stadtnähe über ein solides Steuersubstrat verfügen kann. Könnte, wenn denn nicht ein fast schon obszöner Teil davon der interkommunalen Entwicklungshilfe für strukturschwache Kleingemeinden abgeführt werden müsste. Darum regt sich der Agglomerationist auch fürchterlich darüber auf, dass im Sparpaket keine Gebietsreform angedacht ist, die den Kanton nachhaltig entlasten könnte. Es scheint, als wäre man in Liestal gewillt die Illusion des autarken Landkantons (Spitalplanung) bis zum Bankrott aufrecht zu erhalten. Derweil zerstreut sich der Agglomerationist in der Stadt, deren reichhaltiges Kulturangebot er gerne geniesst und schämt sich leise für seinen Wohnkanton, der zwar seine Steuern in der Stadt erarbeiten lässt, ihr dafür aber nichts zurückgeben will.
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  2. Wiedervreinigung der beiden Basel

    von Henri Ginther um 15.11.2011 um 08:50Uhr

    Guter Artikel, die beiden Halbkantone sollten doch endlich sich wieder vereinigen, oder wenigstens das UNTERBASELBIET. Ich kann immer noch nicht verstehen dass es ehemalige Bauern gibt welche ihr Land als Bauland verkauft haben und Reich geworden sind gegen eine Wiedervereinigung sind. Mann muss nur von Basel durch das Leymental fahren dann kiann man sich vorstellen wer da Reich geworden ist. Die Stadt ist gewachsen bis nach Flüh und das ist schon Solothurn. Oder nehmen sie mal die Kantonsstrasse richtung Liestal oder im Birstal bis Aesch immer ist man in der Aglomeration Basel.
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  3. Gegenrecht halten

    von Edi Borer Kaiseraugst um 15.11.2011 um 17:51Uhr

    Wenn schon Basler "Grössen" anonym ihren Frust über das Baselbiet zum Besten geben, täte mich doch sehr interessieren was – vice versa – vergleichbare Baselbieter "Grössen" (natürlich ebenso anonym) von den Baslern halten. Also weiter mit dem gegenseitigen E-Mobbing. Haltet ebenso konstruktiv Gegenrecht, ihr bösen Baselbieter!
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Informationen zum Artikel

11.11.2011, 02:00 Uhr

Was die Basler wirklich über die Baselbieter denken

Text

Text: Michael Rockenbach

  • 15.05.2012 um 15:41
    Fünfmal Ja zum Sparpaket

    Nachdem die Baselbieter Regierung ihren Kanton in erhebliche finanzielle Probleme geführt hat, sieht sie keine Alternative mehr zum geschnürten Sparpaket. Mit einem gemeinsamen Auftritt fordern die fünf Regierungsräte das Volk darum eindringlich auf, am 17. Juni ein Ja in die Urne zu legen.

  • 11.05.2012 um 00:01
    Noch eins, bitte! Oder sogar zwei?

    Väter haben vielleicht etwas limitierte Fähigkeiten. Aber auch daraus kann man sehr viel machen, sage ich mir immer.

  • 11.05.2012 um 00:01
    Das Wettrüsten

    Der Kessel, mit dem die Zürcher Polizei Basler Fans stoppte, ist nur ein Vorgeschmack auf das neue Konkordat und den verschärften Umgang mit Besuchern von Sportanlässen. In Basel regt sich Widerstand dagegen.

Text

Text: martina rutschmann

  • 11.05.2012 um 00:01
    Das liberale Gewissen

    Der Einfluss der Liberalen in der Basler Politik schrumpft. Das hält Christine Wirz-von Planta nicht davon ab, weiter zu kämpfen – auch nach vierzig Jahren noch.

  • 30.04.2012 um 16:07
    Avanti Popolo – und mehr Gerechtigkeit!

    Rot, röter, am rötesten – und doch: Ausgerechnet in diesem knallroten Basel spricht am 1. Mai niemand zum Volk, der die Massen anziehen würde. Dafür reist SP-Nationalrätin Jacqueline Fehr nach Liestal und spricht über «mehr Lohn, Schutz, Rente».

  • 27.04.2012 um 00:01
    «Mit einer guten Crèmeschnitte lief der Laden»

    Ab 1. Mai gehört die Confiserie Frey zu Beschle. Auch sonst ändert sich viel in der Schoggi-Branche. Die Tradition aber bleibt.

  • 29.02.2012 um 13:37
    Gundeli-Clique-Vertreter
    Zum Artikel: «E Schwob» im Trommel-Taumel

    Flip567 hat natürlich recht, wenn er darauf hinweist, dass es sich bei der Gundeli-Clique um eine grosse Clique mit Tambouren UND Pfeifern handelt (was tatsächlich jeder Basler wissen sollte). Die Formulierung im Text war daher vielleicht nicht präzise...

  • 21.11.2011 um 12:32
    Ist doch schön!
    Zum Artikel: Weihnachtsbeleuchtung – zu viel, zu bunt, zu kitschig?

    Ein Dezember ohne Weihnachtsbeleuchtung wäre für mich eine deprimierende Sache. Ist doch schön, durch die Gassen zu gehen und vom Licht und Wärme umgeben zu sein. In dieser düsteren Jahreszeit sowieso. Klar, der hohe Stromverbrauch spricht gegen zu vie...

  • 10.11.2011 um 10:23
    Danke!
    Zum Artikel: Sollen in Basel mehr uniformierte Polizisten patrouillieren?

    Balthasar Glättli hat recht, ich habe im Fazit ein Durcheinander mit den (immer wieder anderen) Abstimmungsresultaten gemacht – und eben korrigiert. Und: Es ist geplant, die Anzahl der Abstimmenden anzugeben. Danke für den Hinweis.

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Text

Text: Philipp Loser

  • 17.05.2012 um 08:58
    Benis Letzter

    Sie hatten die Wangen mit blauweissen Streifen bemalt, sie hatten lustige Hüte an, sie sangen selten, aber laut. Und sie verloren. Und wir? Wir feierten das fünfte Double in der Geschichte der FC Basel. Mit und dank dem Meister jeder Balkonfeier: Beni Huggel.

  • 11.05.2012 um 00:01
    Schwer beschäftigt

    Es darf gebüsst werden.

  • 11.05.2012 um 00:01
    Das Wettrüsten

    Der Kessel, mit dem die Zürcher Polizei Basler Fans stoppte, ist nur ein Vorgeschmack auf das neue Konkordat und den verschärften Umgang mit Besuchern von Sportanlässen. In Basel regt sich Widerstand dagegen.

  • 11.03.2012 um 11:40
    Sexistisch
    Zum Artikel: Es brennt ein Feuer

    Lieber Herr Kuno, ich habe in meiner Laufbahn in der Tat schon sexistische Texte geschrieben (wider besseres Wissens), dieser gehört aber nicht dazu. Wenn Sie den Text genau lesen, werden Sie merken, dass Frau Leutenegger das Gegenteil von lustfeindlic...

  • 08.02.2012 um 16:00
    Parteiblatt
    Zum Artikel: Dürrs Mandate stören die SP

    Lieber Herr Buschweiler, schade, enttäuschen wir Sie. Allerdings empfinde ich den Vorwurf ein "Parteiblatt" zu sein, als etwas hart. Im Text erhalten Baschi Dürr und Lukas Engelberger ja ausgiebig Raum, um die Vorwürfe zu entkräften. Herzlic...

  • 11.01.2012 um 16:27
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