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TagesWoche

Tages Woche

Sa, 25.05.2013

Nationalrat 

7.11.2011, 18:30 Uhr

Der Franken soll weiter fallen

7.11.2011, 18:30 Uhr

Die Wirtschaftskommission des Nationalrats wünscht sich eine Kursuntergrenze des Frankens zum Euro von 1.30. Direkt bei der Nationalbank intervenieren will die Kommission aber nicht. Linke Wirtschaftspolitiker sind enttäuscht - sie hatten ein «klares Signal» gefordert. Von Philipp Loser

Harter Franken als weiche Münzen

Harter Franken als weiche Münzen(Bild: Hans-Jörg Walter)

In der Manier eines Slam-Poeten formulierte Hansruedi Wandfluh (SVP, BE) die Ergebnisse der montäglichen Sitzung der Wirtschaftskommission des Nationalrats (WAK). Freihändig, um nicht zu sagen «freestyle-mässig», referierte er vor den Medien im Bundeshaus. Er habe den Wunsch in der Kommission gespürt, aus den Voten quasi «herausgelesen», dass sich die Politik sich eine höhere Euro-Untergrenze zum Franken wünscht. Eine Grenze von 1.30 Franken pro Euro, um genau zu sein. «Ein Zwischenziel nur, wünschbar wären 1.40 Franken», sagte der Kommissionspräsident.

«Wischi-Waschi»

Einen Meter entfernt stand Susanne Leutenegger-Oberholzer (SP, BL) und schüttelte leicht genervt den Kopft. Sie war gar nicht zufrieden mit der nachmittäglichen Sitzung der WAK: Ihre Anträge waren chancenlos geblieben. Sie hatte gefordert, dass die WAK aktiv bei der Schweizerischen Nationalbank (SNB) interveniere, um den Frankenkurs anzuheben. «Wir stehen wieder am gleichen Punkt wie bei der Franken-Parität. Jetzt ist ein starkes Signal der Politik gefordert!» Was Wandfluh vor den Medien erzählt, und was die Kommission im Endresultat abgeliefert habe, das sei «Wischi-Waschi». So sei etwa der von Wandfluh formulierte «Wunsch» der Kommission nicht per Abstimmung legitimiert – sondern nur angenommen.

Auch mit einem zweiten Antrag war Leutenegger gescheitert. Die WAK will den Bundesrat nicht beauftragen, ein zweites Paket zur Abfederung der Frankenstärke zu entwerfen. So blieb es beim vorsichtig geäusserten Wunsch, die Nationalbank möge doch bitte etwas unternehmen. Vor allem den bürgerlichen Vertretern in der WAK ist die Selbstständigkeit der SNB heilig; nichts soll von Seiten der Politik unternommen werden, um diese Selbständigkeit zu ritzen.

Das ist auch die Haltung von Volkswirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann (FDP), der am Montagnachmittag der Kommission verschiedene Szenarien skizzierte, wie es mit dem Franken weitergehen könnte. Dabei zog er den Bogen vom «Best Case», in dem der Franken bald mit 1.40 zum Euro notiert, bis zum «Worst Case», in dem der Franken noch stärker unter Druck gerät und nicht mehr zu halten ist. In welche Richtung die Reise nach der bundesrätlichen Prognose geht, war von Wandfluh nicht erfahren.

Franken nach Interview abgeschwächt

Klar ist, dass die WAK nur eine Stimme von Vielen ist, die im Verlauf des Wochenendes auf eine Anhebung des Frankenkurs pochten. In einem Interview mit der «NZZ am Sonntag» deutete SNB-Direktor Philipp Hildebrand an, dass weitere Interventionen der Nationalbank nicht auszuschliessen seien. Die Äusserungen von Hildebrand zeigten Wirkung: Der Franken fiel im Vergleich zum Euro am Montag um zwei Rappen. Auch andere Kreise haben sich in der Zwischenzeit erneut zur Frankenstärke verlauten lassen. Nach den Gewerkschaften und dem Wirtschaftsverband economiesuisse forderte auch der Arbeitgeberverband am Montag eine Abwertung des Frankens.

  1. Die Politik wünscht sich einen schwachen Franken

    von jacques thurneysen am 7.11.2011 um 23:49Uhr

    Alles was die SNB unternimmt ist zu lasten des Steuerzahlers und eine Subvention an die Wirtschaft. Wenn den Wirtschaftsprofiteuren wirklich der schwächere Fanken ein Anliegen währe, würden sie das Bankgeheimnis auflösen und der Schweitzer Franken würde massiv an wert verlieren.
    Direktlink zum Kommentar

  1. Die Politik wünscht sich einen schwachen Franken

    von jacques thurneysen um 7.11.2011 um 23:49Uhr

    Alles was die SNB unternimmt ist zu lasten des Steuerzahlers und eine Subvention an die Wirtschaft. Wenn den Wirtschaftsprofiteuren wirklich der schwächere Fanken ein Anliegen währe, würden sie das Bankgeheimnis auflösen und der Schweitzer Franken würde massiv an wert verlieren.
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  2. Das sehe ich ähnlich;

    von H J Martens um 8.11.2011 um 23:09Uhr

    die SNB-Strategie wird eine Inflation anleiern, womit auch die Schweiz an der "Sozialisierung" der EU-Schulden beitragen wird. Die Schweiz ist - entgegen gewissen Polit-Sprüchen - doch keine Insel.
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  3. Der harte Schweizer Franken

    von Raffael Grassi um 17.11.2011 um 23:18Uhr

    Politiker von links bis rechts überbieten sich mit Forderungen an die Nationalbank. Dabei übersehen sie, dass sie sich laufend für Partikularinteressen irgend einer Branche stark machen. Es ist ein Glück, dass die Preisstabilität von Profis der SNB überwacht wird und nicht von den eindimensionalen Marktschreiern aus der Politik. Der starke Franken ist eine Folge der lausigen Finanzlage der USA, der EU und dem Währungskrieg im allgemeinen (z.B. China). Politiker, die nach Markteingriffen durch die SNB schreien, haben die Mechanismen der globalen Marktwirtschaft nicht verstanden. Aber das ist auch nicht nötig, wenn man im Komödiantenstadl zu Bern verkehrt. Solange die Bürger mit ihren Steuern die Zeche zahlen, können unsere Politiker weiter einen Entscheid nach dem anderen fällen, der uns ganz bestimmt nicht in eine bessere Wettbewerbssituation bringt. Das wahre Übel ist nicht der starke Franken - sondern die absolute Ignoranz gegenüber den wahren Ursachen - stattdessen werden mit viel Aufwand die Symptome bekämpft, um vom wahren Problem abzulenken - der grassierenden Feindseligkeit gegenüber mehr globalem Wettbewerb. Wollen wir unseren Wohlstand bewahren, dann müssen wir viel besser sein, als die Mitbewerber im Ausland - ansonsten ist es mit dem hohen Löhnen, der stabilen Wohlstandsgesellschaft bald einmal vorbei. Was die normalen Bürger längst kapiert haben, scheint an einer Mehrheit der Politiker folgenlos vorbei zu ziehen. Wirklich schade.
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Informationen zum Artikel

7.11.2011, 18:30 Uhr

Der Franken soll weiter fallen

Text

Text:

  • 23.05.2013 um 16:49
    «Dass es keine Gewalt mehr gibt vor dem Stadion ist ein Ziel – wie der Weltfrieden auch»

    Der Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr (FDP) steht dem verschärften Hooligan-Konkordat weiterhin skeptisch gegenüber. Man müsse Realist bleiben: Ständige Verschärfungen des Gesetzes würden das Problem nicht lösen.

  • 23.05.2013 um 12:00
    Grüne und Linke im falschen Film

    Immer wieder landen linke Exekutivpolitiker in atypischen Departementen. Dort müssen sie Überzeugungen vertreten, die ihnen oft zuwider sind.

  • 22.05.2013 um 15:57
    Die Stunde der Populisten

    Wie zynisch Politik manchmal sein kann, lässt sich an den Reaktionen nach den Ausschreitungen am Cupfinal schön aufzeigen. Gross ist die heimliche Freude der Konkordats-Befürworter, dass es endlich wieder einmal geknallt hat.

  • 13.05.2013 um 08:39
    Grenzgänger
    Zum Artikel: Milliarden aus der Fremde

    Sehr geehrter Herr Wilhelm, Sie weisen auf einen richtigen Punkt hin: In den Daten der Weltbank sind die Geldsendungen der Grenzgänger nicht erfasst. Im Fall der Schweiz machen die Summen der Grenzgänger, die ins Ausland fliessen, einen beträchtlichen ...

  • 29.04.2013 um 18:52
    Treffer...
    Zum Artikel: Fängt das wieder an!

    ... versenkt. Und natürlich korrigiert. Es grüsst aus dem Glashaus: Philipp Loser

  • 24.04.2013 um 11:59
    Speicherplatz
    Zum Artikel: Der Kalte Krieg ist nie vorbei

    Lieber Herr Meyer, Sie haben schon Recht: man soll nicht über jeden Hetzkommentar berichten. Das spezielle in diesem Fall ist der Umgang mit dem Kommentar durch die Gruppe Giardino. Das kann man durchaus aufzeigen, finden wir und opfern dafür gerne etw...

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