Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

eingeloggt als
Ausloggen


Mein Kommentar

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihren eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

TagesWoche

Tages Woche

Do, 17.05.2012

Trambeschaffung 

10.11.2011, 08:11 Uhr

«Im eigenen Land zu verlieren, schmerzt sehr»

10.11.2011, 08:11 Uhr

SVP-Nationalrat Peter Spuhler darf Basel nicht mit 60 Trams beliefern. Die BVB bevorzugen den kanadischen Konzern Bombardier. Im Interview mit der TagesWoche äussert sich Spuhler zu seiner Niederlage. Von Yen Duong

In Basel hat es mit der Trambeschaffung nicht geklappt. Jetzt versucht Peter Spuhler sein Glück in Zürich.

In Basel hat es mit der Trambeschaffung nicht geklappt. Jetzt versucht Peter Spuhler sein Glück in Zürich.(Bild: Keystone)

Der Thurgauer SVP-Nationalrat Peter Spuhler hat mit seiner Firma Stadler Rail in Basel den Kürzeren gezogen: Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben sich bei der grössten Trambeschaffung ihrer 116-jährigen Geschichte für den kanadischen Konzern Bombardier entschieden. Ab 2013 sollen die ersten Flexity-Trams von Bombardier in der Region herumkurven. Grund für den Entscheid war der Preis, wie die BVB vor drei Wochen bekanntgaben. Qualitative Differenzen habe es kaum gegeben.

Bombardier verlangt für 60 Trams 220 Millionen Franken. Stadler hingegen bot seinen Tango, bei einem Niederflur-Anteil von 75 Prozent, für 294 Millionen an. Für einen Niederflur-Anteil von 100 Prozent verlangte Spuhlers Firma 256 Millionen. Morgen Freitag will die BVB mehr Informationen zur Trambeschaffung bekanngeben. Er könne sein Tram nur günstiger anbieten, wenn er Arbeitsplätze nach Europa verlagere, sagt Spuhler im Interview mit der TagesWoche.

Herr Spuhler, sind Sie sehr enttäuscht, dass sich die BVB  für Bombardier entschieden haben?

Ja selbstverständlich, im eigenen Land zu verlieren, schmerzt sehr.

Aber Bombardier verlangt für 60 Tams 220 Millionen Franken – ein Schnäppchen. Stadler Rail hingegen 294 Millionen. Bei diesem immensen Preisunterschied hätten Sie wohl gleich entschieden wie die BVB.

Dieser Preisvergleich stimmt so nicht. Für den Tango LF (100 Prozent Niederfluranteil) war der Preis für 60 Trams bei 256 Millionen Franken. Dieses Tango LF-Konzept stand im Vordergrund. Neben dem Preis flossen auch die Energiekosten und die Wartungskosten in die Bewertung ein.

Trotzdem: Hätten Sie Ihr Tram nicht etwas billiger anbieten können?

Wenn wir Arbeitsplätze aus der Schweiz in den Euroraum verschieben, können wir die Kostennachteile auffangen und günstiger anbieten. Als Verfechter des Werkplatzes Schweiz versuchen wir, auf anderen Wegen unsere Wettbewerbsfähigkeit wieder zu verbessern und die Arbeitsplätze in der Schweiz zu behalten. Aber dies wird in nächster Zeit eine grosse Herausforderung darstellen.

Schuld ist also nur der Euro-Kurs.

Als Hersteller von Schienenfahrzeugen mit einem Wertschöpfungsanteil von gegen 80 Prozent in der Schweiz wurden wir durch die Währungsverwerfungen innerhalb von 18 Monaten über 25 Prozent teurer.

Stadler Rail produziert hauptsächlich in der Schweiz. Finden Sie es bedenklich, dass dieses Kriterium nicht berücksichtigt wurde?

Die Schweiz hat wie die meisten entwickelten Länder die WTO-Richtlinien unterschrieben und es ist somit nicht möglich, den lokalen Wertschöpfungsanteil als Kriterium zu bewerten. Es gibt eine Ausnahme: Das sind die USA. Dort müssen bei öffentlichen Beschaffungen 60 Prozent im Land gefertigt werden.

Anderseits produziert auch Bombardier teilweise in der Schweiz.

Nach meinem Kenntnisstand kommen die Fahrzeuge komplett aus dem Strassenbahnwerk in Bautzen, Ostdeutschland.

Besonders schlimm für Sie dürfte sein, dass Stadler Rail eigentlich eine Zusage für den Auftrag hatte. Die BVB ist aber letztes Jahr aus der gemeinsamen Trambeschaffung mit der BLT ausgestiegen. Ärgern Sie sich sehr darüber?

Die Aufkündigung der gemeinsamen Trambeschaffung BLT/BVB kann und möchte ich nicht kommentieren. Das ist eine politische Frage zwischen den beiden Basel und geht uns als Hersteller nichts an.

Bis Anfang November konnte man gegen den BVB-Entscheid Rekurs einreichen. Weshalb haben Sie das nicht getan?

Ein Rekurs macht nur Sinn, wenn klare Verstösse gegen die Ausschreibungsbestimmungen vorliegen. Die BVB hat auf Nachfrage schriftlich bestätigt, dass das angebotene Konzept von Bombardier sämtliche Kriterien für die Teilnahme an der Ausschreibung erfüllt.

Wie stark haben Sie in Basel für Ihr Tram lobbyiert?

Stadler Rail versucht sich mit qualitativ hochstehenden Fahrzeugen im Markt durchzusetzen. Lobbying durch PR-Agenturen ist in der Regel kontraproduktiv. Daher verzichten wir darauf.

Hatten Sie vor dem Entscheid der BVB Kontakt mit SVP-Vertretern in Basel-Stadt – etwa mit Grossrat Patrick Hafner, der im BVB-Verwaltungsrat sitzt? Oder mit dem Basler SVP-Präsidenten Sebastian Frehner?

Grundsätzlich trenne ich meine unternehmerische und politische Tätigkeit klar. Herrn Patrick Hafner kenne ich nur dem Namen nach und habe ihn noch nie persönlich getroffen. Mit Sebastian Frehner habe ich selbstverständlich das eine oder andere mal während der Session über die Ausschreibung gesprochen. Aber wie bereits erwähnt, hat auch er nicht für Stadler lobbyiert.

Auch in Zürich schreibt man die Trams neu aus. Sind Sie nach dem Entscheid in Basel noch zuversichtlich, dass Sie den Auftrag erhalten werden?

Neues Spiel – neues Glück. Wir haben vor dieser Ausschreibung in Basel den Auftrag bei der BLT gewonnen und mit dem gleichen Konzept die Ausschreibung für über 32 Trams in der Stadt Genf gewonnen. Selbstverständlich werden wir in Zürich antreten, aber ebenfalls mit dem Handicap des starken Frankens.

Werden Sie in Zürich mit dem Preis runtergehen?

Möchten wir mit dem günstigsten Preis anbieten, müsste ich heute ein Schweizer Werk schliessen und eine Verlagerung an unseren Standort in Polen oder Ungarn vornehmen. Diesen Schritt wollen wir vermeiden.


Das Interview mit Peter Spuhler musste schriftlich geführt werden.

  1. Spuhler kann man verstehen!

    von Inaktiver Nutzer um 10.11.2011 um 22:29Uhr

    Spuhler liess sich nicht auf einen ruinösen Preiskampf ein. Ich kann seine Haltung verstehen. Manchmal ist weniger mehr. Und die BVB? Klar, Heimatschutz ist auch bei Staatsaufträgen schon lange kein Thema mehr. Ob es aber für die BVB langfristig die billigere Lösung sein wird? Das wird sich zeigen. Mit Stadler hätte man sicher einen guten Partner gehabt, der den Auftrag mehr geschätzt hätte als ein Gemischtwarenladen wie Bombardier. Was sind für die schon 220 Mio? Ich denke, das grosse Geld machen die mit Flugzeugen - man denke an die SWISS Bestellung der C-Series.
    Direktlink zum Kommentar

  1. Trambeschaffung / Bombardier

    von Daniel Lüscher um 10.11.2011 um 12:41Uhr

    Es war doch die Firma Bombardier welche in Pratteln die Produktion schloss und ettliche qualifizierte Mittarbeiter ihre Stelle verloren, und jetzt kommt die BVB und kauft ausgerechnet bei der Firma die neuen Tram's! Das gibt mir persönlich zu denken! Mit dem Tram von Stadler-Rail wäre ein sehr grosser Teil der Wertschöpfung in der Schweiz ..... aber gegen die Geiz ist Geil Stimmung kämpfen wir vergebens und wundern uns dann ..... "die Welt ist aus den Fugen Maloney" habe fertig!!!
    Direktlink zum Kommentar

  2. Transparenz ist gefragt

    von H J Martens um 10.11.2011 um 13:29Uhr

    Sympathisch und durchaus glaubhaft finde ich Spuhlers Aussage, dass er kein Lobbying betreiben will. Das dient der Transparenz, jedenfalls auf seiner Seite.
    Allzu gerne wüsste ich auch von der Beschaffungskommission, wie denn die voraussichtlichen Gesamtkosten (TCO = "total cost of ownership") aussehen. Das scheint mir wichtiger, als die Anschaffungskosten zu diskutieren. Da soll noch was kommen.
    Es ehrt Spuhler ebenfalls, dass er in der Schweiz Arbeitsplätze schaffen und sichern will. Aber ich sehe nicht, dass der Basler Steuerzahler und Benützer des ÖV für dieses an sich gute Ziel bezahlen soll. Arbeitsplätze sind wichtig, aber nicht um jeden Preis! Das Risiko gegen einen Riesen wie Bombardier anzutreten, ist ein rein unternehmerisches Problem. Es muss uns also gelingen, in der Schweiz Nischen für gute Geschäftsfelder zu finden. Subventionierung - auch indirekt - von Arbeitsplätzen, die auf dem Markt und Weltmarkt nicht bestehen können, hat keinen Sinn. Was zählt sind Gesamtpreis und Qualität, nicht Heimatschutz, der unser Hochpreisland noch mehr in die falsche Ecke drängt.
    Direktlink zum Kommentar

  3. Stadler Tram !

    von Jürg P Weiss um 10.11.2011 um 16:24Uhr

    Der Entscheid der BVB ist eine Sauerei. War Bombardier nicht schon an den Zisalpino beteiligt ? Die fuhren doch auch nicht. Und die Combinos lärmen immer noch. Die Fahrzeuge von Stadler sind super. Siehe BL-Trams und Thurbo in der Ostschweiz.
    Direktlink zum Kommentar

  4. Spuhler kann man verstehen!

    von Inaktiver Nutzer um 10.11.2011 um 22:29Uhr

    Spuhler liess sich nicht auf einen ruinösen Preiskampf ein. Ich kann seine Haltung verstehen. Manchmal ist weniger mehr. Und die BVB? Klar, Heimatschutz ist auch bei Staatsaufträgen schon lange kein Thema mehr. Ob es aber für die BVB langfristig die billigere Lösung sein wird? Das wird sich zeigen. Mit Stadler hätte man sicher einen guten Partner gehabt, der den Auftrag mehr geschätzt hätte als ein Gemischtwarenladen wie Bombardier. Was sind für die schon 220 Mio? Ich denke, das grosse Geld machen die mit Flugzeugen - man denke an die SWISS Bestellung der C-Series.
    Direktlink zum Kommentar

  5. T(r)am, T(r)am

    von Nicolas Baer um 12.11.2011 um 00:26Uhr

    Der €-Kurs war vor 18 Monaten gegen 1.50 und vorher noch höher. Und wie Leute wie Hr. Spuhler uns lehrten, dass dieser Kurs zu hoch sei und nicht dem eigentlichen Wert des € entsprechen würde. So soll man jetzt nicht diesen "falschen" Kurs mit dem heutigen "auch falschen" vergleichen.
    Die Schweiz produziert einfach zu teuer und das hat viele Gründe nicht nur "plötzlich" der €.
    Und weder Kanada noch Deutschland sind bekannte Billiglohnländer.
    Da erwarte ich etwas mehr von einem Firmeninhaber, als blosse Euroklage.
    Natürlich hatte Hr. Spuhler wegen dem Euro einen schwächeren Stand, aber dass sein Modell nicht besser auf schweizerische Städte abgestimmt war und Bombardier scheinbar in allen Belangen oben auf war, erstaunt doch auch.
    Die Schweiz ist selten (viel) besser, aber meistens teuerer. Umdenken ist gefragt, vielleicht lernen wir doch noch aus dieser Krise.
    Direktlink zum Kommentar

  6. Peter Spuhler

    von Patrick Vögelin um 13.11.2011 um 15:53Uhr

    Nun er sollte doch gewohnt sein dass man nicht immer alles bekommt. Was ich schade finde dass er es zu sehr politisch sieht
    Direktlink zum Kommentar

Kommentieren

Informationen zum Artikel

10.11.2011, 08:11 Uhr

«Im eigenen Land zu verlieren, schmerzt sehr»

Text

Text: Yen Duong

  • 11.05.2012 um 00:01
    Das liberale Gewissen

    Der Einfluss der Liberalen in der Basler Politik schrumpft. Das hält Christine Wirz-von Planta nicht davon ab, weiter zu kämpfen – auch nach vierzig Jahren noch.

  • 07.05.2012 um 10:48
    Thalia macht im Stücki dicht

    In Herbst 2012 schliesst die Buchhandlung Thalia ihre 720 Quadratmeter grosse Filiale im Stücki-Shopping. Die Besucherfrequenz sei zu niedrig.

  • 04.05.2012 um 00:01
    Das Lachen ist ihm ein bisschen vergangen

    Vielversprechend startete Hans-Peter Wessels in seine erste Amtszeit. Nun wirkt er etwas müde.

Weitere Texte im Autorenprofil

Aktuell

JEAN-CHRISTOPHE BOTT: Der wahre Held: Benjamin Huggel war an seinem Letzten eine Wucht - vor dem Tor und auf dem Balkon.

Basel 

Benis Letzter

Sie hatten die Wangen mit blauweissen Streifen bemalt, sie hatten lustige Hüte an, sie sangen selten, aber laut. Und sie verloren. Und wir? Wir feierten das fünfte Double in der Geschichte der FC Basel. Mit und dank dem Meister jeder Balkonfeier: Beni Huggel. Von Philipp Loser. Weiterlesen

:
7

Mittendrin 

Hurra, ein neues Design!

Ein neues Design für die Website, eine komplett neue mobile Site, eine verbesserte Suche, eine verbesserte Agenda, Login mit Facebook und eine Neuheit namens Omniticker. All das bringt der erste Relaunch der TagesWoche im Netz. Details gibt es nach dem Klick. Von David Bauer. Weiterlesen7 Kommentare

Tara Hill:

Basel 

Tageswoche vom 18.5.: Die Themen

«Lärmstadt» Basel» – Veranstalter ärgern sich über die Verwaltung; FC Basel – alles über das Double; Baselbieter Sparpaket – warum man Nein stimmen sollte; Managed Care – die Vorlage wird am Widerstand der Ärzte scheitern; Autor Peter Bichsel im Gespräch; Stefan Meierhans – der Preisüberwacher spricht Klartext; Birsfelden – mehr als eine Zoffgemeinde… Dies und mehr am Freitag, 18. Mai, in der neuen TagesWoche – im Abo und am Kiosk. Von Remo Leupin. Weiterlesen