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TagesWoche

Tages Woche

So, 19.05.2013

Bundesratswahlen 

25.10.2011, 16:42 Uhr

Auf Wiedersehen mit den Grünen

25.10.2011, 16:42 Uhr

Nach ihrer Wahlniederlage verabschieden sich die Grünen aus der Diskussion um einen möglichen Bundesratssitz. Die meisten jedenfalls. Von Philipp Loser

Verlierer, Gewinner. Ueli Leuenberger, Präsident der Grünen, trifft am Abend des Wahlsonntags Martin Bäumle, Präsident der Grünliberalen.

Verlierer, Gewinner. Ueli Leuenberger, Präsident der Grünen, trifft am Abend des Wahlsonntags Martin Bäumle, Präsident der Grünliberalen.(Bild: KEYSTONE/ Steffen Schmidt)

Da stand er, der Präsident, und machte, was alle Präsidenten in solchen Momenten machen. Er schwauderte. Er redete von Proporzpech, von unglücklichen Listenverbindungen, von unklaren Programmen der politischen Gegner. Die Niederlage, die bereits am Abend des Wahlsonntags umfassend war, die einen Rückgang des Wähleranteils auf 8,4 Prozent und die Abwahl von fünf Nationalräten bedeutete, diese Niederlage wollte Ueli Leuenberger, Präsident der Grünen, so nicht anerkennen.

Im Gegenteil. «Wir haben viel Exekutiverfahrung in den Kantonen. Diese sollte in die Regierung hineingetragen werden.»

Auch am Abend dieses Wahlsonntags, als Leuenberger neben Martin Bäumle, dem Präsidenten der Grünliberalen und Sieger des Wahlsonntags, im Studio des Schweizer Fernsehens stand, konnte sich der Präsident der Grünen nicht von der Idee des ersten Grünen Bundesrates lösen.

Morins «Go for it»

Er hatte ja auch alles so gut vorbereitet. Gut drei Monate vor den Wahlen lancierte Leuenberger via Sonntagspresse sechs Kandidaten für den Bundesrat. Darunter als «Zugpferd» den Basler Regierungspräsidenten Guy Morin. Der gleiche Morin, der noch vor einem halben Jahr beim Wort Bundesrat höchstens ironisch gelächelt hatte, stand hin und verkündete in der Basler Zeitung die betont lässigen Worte seiner Frau. «Go for it», habe ihm seine Frau zugerufen, und das tat er dann auch. Weil er sich das zutraute, weil er sich das auch zutrauen musste: Die Lancierung von Morin und den anderen Kandidaten – beispielsweise der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver – war ein bewusstes Manöver der Parteileitung gewesen.

Im Januar hatte dieselbe Leitung in der Person von Ueli Leuenberger in verschiedenen Interviews prognostiziert, dass ein deutlicher Wahlerfolg der Grünen ohne schwerwiegende «Ereignisse» nicht möglich sei. Ohne diese «Ereignisse» wäre den Menschen der Klimawandel zu weit weg, zu wenig bewusst. Dann wurde es März und in Japan flog ein Atomkraftwerk in die Luft. Heute wissen wir, dass der «Fukushima-Effekt» eher den Grünliberalen als den Grünen geholfen hat, damals war die Einschätzung eine andere. Es gab nur noch ein Thema, die Umwelt rangierte auf dem Sorgenbarometer zuoberst, der Bundesrat beschloss den Ausstieg aus der Atomenergie. Und die Grünen sahen die Zeit und vor allem die Gelegenheit gekommen, ihre Politik nun auch in die Landesregierung zu tragen. Auch ohne den Verlust bei den Wahlen, wäre das schwierig geworden. Die Bürgerlichen hätten den Grünen wohl nur einen Sitz zugestanden, wenn die SP im Gegenzug auf einen verzichtet hätte. Ein unwahrscheinliches Szenario.

Und ein Szenario, über das man nach den Wahlen auch nicht mehr nachdenken muss. Ausser Ueli Leuenberger redet auch innerhalb der Grünen niemand mehr von einem Sitz im Bundesrat. Das Thema ist keines mehr. Für mindestens vier Jahre.

Bisher wurden keine Kommentare zu diesem Artikel von der Redaktion hervorgehoben.

  1. Neuer Wind im Parlament

    von Peter Rettenmund um 30.10.2011 um 15:44Uhr

    Zugegeben, auch ich habe mich gefreut über die kleinen aber feinen Anzeichen für Veränderung die am vergangenen Sonntag aufgetaucht sind. Die Schweiz steht an einem Punkt an dem sie mit alten "Zöpfen" Schluss machen muss und kann. Ich wünsche mir eine neue Generation von Parlamentariern die Sachpolitik betreiben und die Lügengebilde von Lobbyisten schonungslos aufdecken, so dass mit realen Argumenten politisiert werden kann. Genannt sei beispielsweise die Rolle der Economie Suisse, mit ihrem käuflichen Zampano Gerold Bührer, der immer nur mit "Angst" argumentiert, dass einen Ausstieg aus der Atomenergie mit einer wirtschaftlichen Katastrophe gleichsetzt. Das Resultat der SVP hat zudem gezeigt dass immer mehr Menschen die leeren und billigen Parolen durchschauen und daraus ihre Konsequenzen ziehen. Wer dies nachholen und mal richtig über Politik lachen will dem kann ich den Film "SVP Schweiz" mehr als empfehlen, ein Hochgenuss für einen linken, netten wie mich ;-)
    DOK Beitrag auf youtube ansehen:
    www.youtube.com/watch?v=NJ-5TSao4zc
    Direktlink zum Kommentar

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Informationen zum Artikel

25.10.2011, 16:42 Uhr

Auf Wiedersehen mit den Grünen

Text

Text:

  • 19.05.2013 um 08:53
    Mit voller Kraft in den Cupfinal

    André Dosé, Wirtschaftsführer und Präsident der Grasshoppers, hofft auf den Cupsieg der Mannschaft am Pfingstmontag gegen den FC Basel. Ein Gespräch über Fussball und mehr.

  • 16.05.2013 um 15:44
    «Das hilft nicht nur der Pharma»

    Die Finanzdirektorinnen und Finanzdirektoren setzen im Steuerstreit mit der EU auf die Einführung von Lizenzboxen – und handeln damit ganz im Sinne von Basels Finanzdirektorin Eva Herzog.

  • 16.05.2013 um 12:11
    «Wir werden immer fremdenfeindlicher»

    André Dosé, Wirtschaftsführer und Präsident der Grasshoppers, blickt mit einiger Skepsis in die Zukunft der Schweiz – aber er hofft auf den Cupsieg der Mannschaft am Pfingstmontag gegen den FC Basel. Ein Gespräch über Fussball und mehr.

  • 13.05.2013 um 08:39
    Grenzgänger
    Zum Artikel: Milliarden aus der Fremde

    Sehr geehrter Herr Wilhelm, Sie weisen auf einen richtigen Punkt hin: In den Daten der Weltbank sind die Geldsendungen der Grenzgänger nicht erfasst. Im Fall der Schweiz machen die Summen der Grenzgänger, die ins Ausland fliessen, einen beträchtlichen ...

  • 29.04.2013 um 18:52
    Treffer...
    Zum Artikel: Fängt das wieder an!

    ... versenkt. Und natürlich korrigiert. Es grüsst aus dem Glashaus: Philipp Loser

  • 24.04.2013 um 11:59
    Speicherplatz
    Zum Artikel: Der Kalte Krieg ist nie vorbei

    Lieber Herr Meyer, Sie haben schon Recht: man soll nicht über jeden Hetzkommentar berichten. Das spezielle in diesem Fall ist der Umgang mit dem Kommentar durch die Gruppe Giardino. Das kann man durchaus aufzeigen, finden wir und opfern dafür gerne etw...

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