LOGIN

Registrierung

  • Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

    Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

    Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Registrierung

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt. Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Kultur

Open

eingeloggt als
Ausloggen


An Redaktion schreiben

  • Erlaubte Dateiformate: Bilder (jpg, png, gif) Dokumente (pdf)

Registrierung

Mit Ihrem Benutzerkonto können Sie Ihr Abo verwalten, Artikel kommentieren und mit anderen Leserinnen und Lesern in Kontakt treten.

Das Benutzerkonto ist kostenlos und kann jederzeit wieder gelöscht werden.

Bitte geben Sie Ihre E-Mail Adresse ein. Wir werden diese unter keinen Umständen an Dritte weitergeben.

Fast fertig...

Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.

Bitte prüfen Sie Ihren Posteingang und aktivieren Sie Ihr Benutzerkonto, indem Sie auf den Link in der E-Mail klicken.

Sollten Sie die E-Mail innert 10 Minuten nicht erhalten haben, kontrollieren Sie, ob die E-Mail möglicherweise im Spam-Filter hängen geblieben ist. Ist die E-Mail auch dort nicht aufzufinden, schreiben Sie uns an anmelden@tageswoche.ch und wir kümmern uns darum.

Wir freuen uns, Sie in wenigen Minuten in unserer Community begrüssen zu dürfen.

Passwort wiederherstellen

Shift Festival 

27.10.2011, 15:54 Uhr

Shift Festival: Was Churchill mit Kraftwerk verbindet

27.10.2011, 15:54 Uhr

Musikjournalist Dave Tompkins hat ein Buch über die Geschichte des Vocoders geschrieben. Ein Standardwerk für alle
 Spionage- und Musikfans. Von

Musikalisch-militärische Mensch-Maschine: der Vocoder.

Musikalisch-militärische Mensch-Maschine: der Vocoder.(Bild: Siemens Corporate Archives)

Dave Tompkins hustet, räuspert und entschuldigt sich. «Bald hüpfen zehn Frösche aus meinem Mund, dann kann ich Ihnen gleich meine eigenen Fähigkeiten in der Stimmverfremdung demonstrieren», sagt der Amerikaner am anderen Ende der Leitung, lacht und hustet erneut. Er ist erkältet und weiss sich nicht zu helfen. Kratzeffekte natürlicher Art sind nicht sein Fach­gebiet, viel besser kennt er sich in der künstlichen Stimm-Mutation aus. Darüber hat er ein Standardwerk geschrieben: «How to Wreck a Nice Beach».

Der Titel kann auch so verstanden werden: «How to Recognize Speech» – wie man Sprache erkennen kann. Mit Verve erzählt er darin die Geschichte des Vocoders, jenes elektronischen Geräts, das 1928 in den Labors der US- Telefongesellschaft Bell erfunden wurde – mit der Absicht, die Bandbreite für Sprachsignale zu verringern.Armeen und Geheimdienste nutzten diesen «Voice Encoder» bald für die Verschlüsselung von Botschaften. Als der britische Premierminister Churchill während des Zweiten Weltkriegs am Telefon Pläne einer Invasion in der Normandie schmiedete, wurde seine Stimme durch Vocoder verfremdet, sodass sich die Nazis keinen Reim ­darauf machen konnten.

Plattenspieler zur Chiffrierung

Was Tompkins besonders überraschte: Nebst elektronischen Monstermaschinen setzten die Alliierten für die Chiffrierung auch zwei Plattenspieler ein, die den visionären Codenamen «Sample» trugen. Und das 35 Jahre bevor der New Yorker DJ Africa Bambaataa auf die Idee kam, genau dasselbe zu machen: seine Stimme zu elektronifizieren und zwei Schallplatten darunter zu mischen – was New Yorker Jugend­liche zu Robotertänzen animierte und zu einer neuen Form der Popkultur führte: Hip-Hop.

Tompkins wuchs zu Stücken wie Bambaataas «Planet Rock» auf. Als profilierter Musikjournalist erinnerte er sich an die Platten seiner Jugend, an den Vocodereffekt, wie ihn in den 80er-Jahren auch Michael Jackson oder Grandmaster Flash eingesetzt hatten. 1999 verfasste Tompkins für das Magazin «Vibe» einen Artikel und stiess dabei auf Dokumente der Bell Labors, die ihm klarmachten, dass hinter der musikalischen Verwendung eine ganz andere Dimension steckte. «So geriet ich in das ganze Schlamassel», erzählt er, lacht und hustet.

Acht Jahre lang hielten ihn die Recherchen auf Trab. Er tauchte in Firmen- und Militärarchive hinab und stöberte Zeitzeugen auf – darunter auch solche im Dienste ihrer Majestät, weshalb sich manche Kapitel wie Auszüge aus einem Spionageroman lesen. Den Thrill kombiniert Tompkins mit einer feinen Prise Humor: Als John F. Kennedy mit seinen Verbündeten die Kuba-Krise besprach, verwendete er für die Klangmutation einen Vocoder, der zwar stolze 40 000 Dollar kostete, aber nicht ganz einwandfrei funktionierte. Die Briten glaubten, Donald Duck versuche ihnen gerade Anweisungen zu geben, wie ein Weltkrieg zu verhindern sei.

Faszinierende Robotereffekte

Die hohen Kosten erklären auch, warum die faszinierenden Robotereffekte erst Jahrzehnte nach ihrer Erfindung in die Popmusik eingeschleust wurden. «Florian Schneider von Kraftwerk erzählte mir, dass er zu Beginn seiner Karriere bei einer Demonstration der Firma Siemens einen Vocoder hörte und sofort einen haben wollte. Doch fehlte ihm zunächst das Geld», sagt Tompkins. Erst als Kraftwerk 1974 mit Liedern wie «Autobahn» ihre Gesänge über Synthesizer steuerten und die Vocoder populär machten, wurden die Mensch-Maschinen erschwinglich.

Heute sind Stimmverfremdungen in der Popmusik allgegenwärtig: Auto­tune, ein Programm zur Tonhöhenkorrektur, hat dem Vocoder den Rang abgelaufen. Seit Chers Hit «Believe» (1996) setzen Pop-Produzenten diesen Effekt inflationär ein. Tompkins ist dieser Aspekt nur ein Nachwort wert. «Der Vocoder ist faszinierender», sagt er und vergleicht ihn mit Medusa aus dem «Kampf der Titanen». Für Auto­tune hingegen hat der Kenner nur ein trockenes Hüsteln übrig.

> Dave Tompkins: «How to Wreck a Nice Beach – Vocoder from World War II to Hip-Hop», Melville House, New York, 2010, 335 Seiten.

Übrigens: Dave Tompkins’ Geschichten rund um den Vocoder kann man sich am Freitag, 28. 10. (20 Uhr) live anhören: Der amerikanische Musikjournalist referiert im Schaulager Münchenstein im Rahmen des Shift Festivals, das an diesem Wochenende zum fünften Mal stattfindet. «Of Birds and Wires» lautet das diesjährige Festivalthema. Das Programm verspricht nebst Vorträgen auch Workshops sowie musikalische und künstlerische Experimente mit «Stimmen unter Strom». 28. bis 30.10., Dreispitzareal, Helsinkistr. 9, Basel; Schaulager, Ruchfeldstr. 19, Münchenstein. www.shiftfestival.ch

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Kultur, Musik, Literatur & Lyrik

Die Geschichten des Tages

Abonnieren Sie unseren Newsletter. Die Geschichten des Tages, jeweils um 17 Uhr bequem und kostenlos per Mail geliefert.

Oder spenden Sie
einen eimaligen
Betrag

Reaktionen

  1. machata

    am 31.10.2011, 11:23

    In Zusammenhang mit Vocoder würde ich anstatt Michael Jackson oder Grandmaster Flash als erste wohl eher Herbie Hancock und Zapp nennen. Hancock griff zum Vocoder in den späten Siebzigern, als er sich der Disco-Welle zuwandte, um seine allzu dünne Stimme eines Nichtsängers zu kaschieren. Zapp – eine «Familiengruppe» der Gebrüder Troutman – erklärten dann ab 1980 den Vocoder zu ihrem eigentlichen Markenzeichen. Mit Stücken wie «More Bounce To The Ounce» oder «Dance Floor» haben Zapp den... ... mehrIn Zusammenhang mit Vocoder würde ich anstatt Michael Jackson oder Grandmaster Flash als erste wohl eher Herbie Hancock und Zapp nennen. Hancock griff zum Vocoder in den späten Siebzigern, als er sich der Disco-Welle zuwandte, um seine allzu dünne Stimme eines Nichtsängers zu kaschieren. Zapp – eine «Familiengruppe» der Gebrüder Troutman – erklärten dann ab 1980 den Vocoder zu ihrem eigentlichen Markenzeichen. Mit Stücken wie «More Bounce To The Ounce» oder «Dance Floor» haben Zapp den späteren Electro vorweggenommen.

  1. machata

    am 31.10.2011, 11:23

    In Zusammenhang mit Vocoder würde ich anstatt Michael Jackson oder Grandmaster Flash als erste wohl eher Herbie Hancock und Zapp nennen. Hancock griff zum Vocoder in den späten Siebzigern, als er sich der Disco-Welle zuwandte, um seine allzu dünne Stimme eines Nichtsängers zu kaschieren. Zapp – eine «Familiengruppe» der Gebrüder Troutman – erklärten dann ab 1980 den Vocoder zu ihrem eigentlichen Markenzeichen. Mit Stücken wie «More Bounce To The Ounce» oder «Dance Floor» haben Zapp den... mehrIn Zusammenhang mit Vocoder würde ich anstatt Michael Jackson oder Grandmaster Flash als erste wohl eher Herbie Hancock und Zapp nennen. Hancock griff zum Vocoder in den späten Siebzigern, als er sich der Disco-Welle zuwandte, um seine allzu dünne Stimme eines Nichtsängers zu kaschieren. Zapp – eine «Familiengruppe» der Gebrüder Troutman – erklärten dann ab 1980 den Vocoder zu ihrem eigentlichen Markenzeichen. Mit Stücken wie «More Bounce To The Ounce» oder «Dance Floor» haben Zapp den späteren Electro vorweggenommen.

  2. AutorIn des Artikels

    Marc Krebs

    am 31.10.2011, 17:15

    Herbie Hancock: Guter Einwand. Er kommt auch im Buch vor, das ich Dir als Musikaficionado wirklich guten Gewissens empfehlen kann (wobei man ja dann auch noch differenzieren müsste zwischen Talkbox und Vocoder - aber wir wollen jetzt keine Nerd-Diskussion entfachen :-) Was die andere Gruppe betrifft: Da habe ich in der Geschichtsstunde wohl weggezappt, die waren mir bis dato unbekannt. Danke fürs Update - und lieber Gruss aus der Mitte! Marc

Informationen zum Artikel

27.10.2011, 15:54 Uhr

Shift Festival: Was Churchill mit Kraftwerk verbindet

Text

Text:

  • 28.11.2014 um 16:10
    «Ich bin zwar stinksauer, andererseits liebe ich dieses Kaff»

    Das Z7 wird 20 Jahre alt – doch dem Gründer Norbert Mandel ist nicht zum Feiern zumute. Er fühlt sich von der Prattler Politik verdrängt. Ein Gespräch über Gemeindepolitik, Rock 'n' Roll, Masseneinwanderungsinitiativen und Abwanderungsgedanken.

  • 28.11.2014 um 11:03
    Z7-Fans: «Obi gits gnue ir Schwiz»

    Wie treu die Rockszene ist, manifestiert sich nicht nur an den Konzerten im Z7, sondern auch an den Reaktionen im Netz: Konzertbesucher aus der Schweiz und dem Ausland sind besorgt um die Zukunft der Rockfabrik, ärgern sich über die Gemeinde Pratteln und wären bereit, auf die Strasse zu gehen.

  • 27.11.2014 um 11:39
    Grosse Solidarität mit dem Z7 – ob dieses in Pratteln bleibt, ist offen

    Das Z7 fühlt sich in der Gemeinde Pratteln nicht mehr willkommen. Musikfans sind empört und ebenso sauer wie Konzertveranstalter Norbert Mandel. Dieser will kämpfen und bleiben – schaut sich aber bereits im Fricktal und auf der anderen Seite des Rheins nach Alternativen um.

  • 21.11.2014 um 17:17
    Zum Artikel: Von «Sticky Fingers» bis «Nevermind»: 7 legendäre Plattencover

    Aladdin Sane habe ich reingenommen, weil ich die Loslösung des Motivs von der Musik in diesem Fall so bemerkenswert finde (und symbolisch für die Verselbständigung eines Kult-Covers): Als T-Shirt von Modeketten, wie erwähnt H&M, im Wissen, dass...

  • 19.10.2014 um 17:35
    Zum Artikel: Skandal! Bilder aus dem Berghain aufgetaucht!

    Ich auch nicht, aber das ist auch Jahre her. Wann waren Sie denn zuletzt da? Die Sticker wurden vor einer Woche eingeführt, wie man den Tweets entnehmen konnte.

  • 28.09.2014 um 12:08
    BB? Deneuve? Larsson!
    Zum Artikel: Schmollmund ohne Lifting: Brigitte Bardot feiert den 80. Geburtstag

    Sie haben nur zum Teil Recht, Ihr harscher Ton ist daher vermessen. Das Bild war falsch beschriftet, aber auch nicht Deneuve war darauf zu sehen, sondern Mirja Larsson, Gunter Sachs' damalige Verlobte. Das Bild haben wir entfernt, danke für den Hi...

Aktuell

Michael Würtenberg: Dicht an dicht: Blick auf die Güterstrasse, die zentrale Verkehrsachse durchs Gundeli. Das grösste Basler Quartier will mit mehr Grünflächen lebensfroher wirken.

Quartierentwicklung 

Mehr Grün, bitte: Neue Gestaltung im Gundeli

Das Gundeli ist das grösste Basler Quartier, mit viel Verkehr und wenig Platz. Gerade bei der Begrünung soll die Bevölkerung deshalb besonders mitreden. An den Mitwirkungsveranstaltungen zeigt sich aber auch: Die Einwohner fürchten eine «Gentrifizierung».Von Daniela Gschweng. Weiterlesen