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Shift Festival 

27.10.2011, 15:54 Uhr

Shift Festival: Was Churchill mit Kraftwerk verbindet

27.10.2011, 15:54 Uhr

Musikjournalist Dave Tompkins hat ein Buch über die Geschichte des Vocoders geschrieben. Ein Standardwerk für alle
 Spionage- und Musikfans. Von

Musikalisch-militärische Mensch-Maschine: der Vocoder.

Musikalisch-militärische Mensch-Maschine: der Vocoder.(Bild: Siemens Corporate Archives)

Dave Tompkins hustet, räuspert und entschuldigt sich. «Bald hüpfen zehn Frösche aus meinem Mund, dann kann ich Ihnen gleich meine eigenen Fähigkeiten in der Stimmverfremdung demonstrieren», sagt der Amerikaner am anderen Ende der Leitung, lacht und hustet erneut. Er ist erkältet und weiss sich nicht zu helfen. Kratzeffekte natürlicher Art sind nicht sein Fach­gebiet, viel besser kennt er sich in der künstlichen Stimm-Mutation aus. Darüber hat er ein Standardwerk geschrieben: «How to Wreck a Nice Beach».

Der Titel kann auch so verstanden werden: «How to Recognize Speech» – wie man Sprache erkennen kann. Mit Verve erzählt er darin die Geschichte des Vocoders, jenes elektronischen Geräts, das 1928 in den Labors der US- Telefongesellschaft Bell erfunden wurde – mit der Absicht, die Bandbreite für Sprachsignale zu verringern.Armeen und Geheimdienste nutzten diesen «Voice Encoder» bald für die Verschlüsselung von Botschaften. Als der britische Premierminister Churchill während des Zweiten Weltkriegs am Telefon Pläne einer Invasion in der Normandie schmiedete, wurde seine Stimme durch Vocoder verfremdet, sodass sich die Nazis keinen Reim ­darauf machen konnten.

Plattenspieler zur Chiffrierung

Was Tompkins besonders überraschte: Nebst elektronischen Monstermaschinen setzten die Alliierten für die Chiffrierung auch zwei Plattenspieler ein, die den visionären Codenamen «Sample» trugen. Und das 35 Jahre bevor der New Yorker DJ Africa Bambaataa auf die Idee kam, genau dasselbe zu machen: seine Stimme zu elektronifizieren und zwei Schallplatten darunter zu mischen – was New Yorker Jugend­liche zu Robotertänzen animierte und zu einer neuen Form der Popkultur führte: Hip-Hop.

Tompkins wuchs zu Stücken wie Bambaataas «Planet Rock» auf. Als profilierter Musikjournalist erinnerte er sich an die Platten seiner Jugend, an den Vocodereffekt, wie ihn in den 80er-Jahren auch Michael Jackson oder Grandmaster Flash eingesetzt hatten. 1999 verfasste Tompkins für das Magazin «Vibe» einen Artikel und stiess dabei auf Dokumente der Bell Labors, die ihm klarmachten, dass hinter der musikalischen Verwendung eine ganz andere Dimension steckte. «So geriet ich in das ganze Schlamassel», erzählt er, lacht und hustet.

Acht Jahre lang hielten ihn die Recherchen auf Trab. Er tauchte in Firmen- und Militärarchive hinab und stöberte Zeitzeugen auf – darunter auch solche im Dienste ihrer Majestät, weshalb sich manche Kapitel wie Auszüge aus einem Spionageroman lesen. Den Thrill kombiniert Tompkins mit einer feinen Prise Humor: Als John F. Kennedy mit seinen Verbündeten die Kuba-Krise besprach, verwendete er für die Klangmutation einen Vocoder, der zwar stolze 40 000 Dollar kostete, aber nicht ganz einwandfrei funktionierte. Die Briten glaubten, Donald Duck versuche ihnen gerade Anweisungen zu geben, wie ein Weltkrieg zu verhindern sei.

Faszinierende Robotereffekte

Die hohen Kosten erklären auch, warum die faszinierenden Robotereffekte erst Jahrzehnte nach ihrer Erfindung in die Popmusik eingeschleust wurden. «Florian Schneider von Kraftwerk erzählte mir, dass er zu Beginn seiner Karriere bei einer Demonstration der Firma Siemens einen Vocoder hörte und sofort einen haben wollte. Doch fehlte ihm zunächst das Geld», sagt Tompkins. Erst als Kraftwerk 1974 mit Liedern wie «Autobahn» ihre Gesänge über Synthesizer steuerten und die Vocoder populär machten, wurden die Mensch-Maschinen erschwinglich.

Heute sind Stimmverfremdungen in der Popmusik allgegenwärtig: Auto­tune, ein Programm zur Tonhöhenkorrektur, hat dem Vocoder den Rang abgelaufen. Seit Chers Hit «Believe» (1996) setzen Pop-Produzenten diesen Effekt inflationär ein. Tompkins ist dieser Aspekt nur ein Nachwort wert. «Der Vocoder ist faszinierender», sagt er und vergleicht ihn mit Medusa aus dem «Kampf der Titanen». Für Auto­tune hingegen hat der Kenner nur ein trockenes Hüsteln übrig.

> Dave Tompkins: «How to Wreck a Nice Beach – Vocoder from World War II to Hip-Hop», Melville House, New York, 2010, 335 Seiten.

Übrigens: Dave Tompkins’ Geschichten rund um den Vocoder kann man sich am Freitag, 28. 10. (20 Uhr) live anhören: Der amerikanische Musikjournalist referiert im Schaulager Münchenstein im Rahmen des Shift Festivals, das an diesem Wochenende zum fünften Mal stattfindet. «Of Birds and Wires» lautet das diesjährige Festivalthema. Das Programm verspricht nebst Vorträgen auch Workshops sowie musikalische und künstlerische Experimente mit «Stimmen unter Strom». 28. bis 30.10., Dreispitzareal, Helsinkistr. 9, Basel; Schaulager, Ruchfeldstr. 19, Münchenstein. www.shiftfestival.ch

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Reaktionen

  1. machata

    am 31.10.2011, 11:23

    In Zusammenhang mit Vocoder würde ich anstatt Michael Jackson oder Grandmaster Flash als erste wohl eher Herbie Hancock und Zapp nennen. Hancock griff zum Vocoder in den späten Siebzigern, als er sich der Disco-Welle zuwandte, um seine allzu dünne Stimme eines Nichtsängers zu kaschieren. Zapp – eine «Familiengruppe» der Gebrüder Troutman – erklärten dann ab 1980 den Vocoder zu ihrem eigentlichen Markenzeichen. Mit Stücken wie «More Bounce To The Ounce» oder «Dance Floor» haben Zapp den... ... mehrIn Zusammenhang mit Vocoder würde ich anstatt Michael Jackson oder Grandmaster Flash als erste wohl eher Herbie Hancock und Zapp nennen. Hancock griff zum Vocoder in den späten Siebzigern, als er sich der Disco-Welle zuwandte, um seine allzu dünne Stimme eines Nichtsängers zu kaschieren. Zapp – eine «Familiengruppe» der Gebrüder Troutman – erklärten dann ab 1980 den Vocoder zu ihrem eigentlichen Markenzeichen. Mit Stücken wie «More Bounce To The Ounce» oder «Dance Floor» haben Zapp den späteren Electro vorweggenommen.

  1. machata

    am 31.10.2011, 11:23

    In Zusammenhang mit Vocoder würde ich anstatt Michael Jackson oder Grandmaster Flash als erste wohl eher Herbie Hancock und Zapp nennen. Hancock griff zum Vocoder in den späten Siebzigern, als er sich der Disco-Welle zuwandte, um seine allzu dünne Stimme eines Nichtsängers zu kaschieren. Zapp – eine «Familiengruppe» der Gebrüder Troutman – erklärten dann ab 1980 den Vocoder zu ihrem eigentlichen Markenzeichen. Mit Stücken wie «More Bounce To The Ounce» oder «Dance Floor» haben Zapp den... mehrIn Zusammenhang mit Vocoder würde ich anstatt Michael Jackson oder Grandmaster Flash als erste wohl eher Herbie Hancock und Zapp nennen. Hancock griff zum Vocoder in den späten Siebzigern, als er sich der Disco-Welle zuwandte, um seine allzu dünne Stimme eines Nichtsängers zu kaschieren. Zapp – eine «Familiengruppe» der Gebrüder Troutman – erklärten dann ab 1980 den Vocoder zu ihrem eigentlichen Markenzeichen. Mit Stücken wie «More Bounce To The Ounce» oder «Dance Floor» haben Zapp den späteren Electro vorweggenommen.

  2. AutorIn des Artikels

    Marc Krebs

    am 31.10.2011, 17:15

    Herbie Hancock: Guter Einwand. Er kommt auch im Buch vor, das ich Dir als Musikaficionado wirklich guten Gewissens empfehlen kann (wobei man ja dann auch noch differenzieren müsste zwischen Talkbox und Vocoder - aber wir wollen jetzt keine Nerd-Diskussion entfachen :-) Was die andere Gruppe betrifft: Da habe ich in der Geschichtsstunde wohl weggezappt, die waren mir bis dato unbekannt. Danke fürs Update - und lieber Gruss aus der Mitte! Marc

Informationen zum Artikel

27.10.2011, 15:54 Uhr

Shift Festival: Was Churchill mit Kraftwerk verbindet

Text

Text:

  • 02.07.2015 um 14:07
    «Früher hatte ich Hemmungen, da wirkte das Kabarett wie eine Kur»

    «No einisch!», sagt sich Emil Steinberger und startet im September eine grosse Tournee, bei der der Grandseigneur des Schweizer Kabaretts auch seine alten Klassiker auf die Bühne des Theaters Fauteuil bringt. Ein Gespräch über Humor, Röschtigraben, New York, Basel, Glück und Enttäuschungen.

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